Dann
schaue ich kurz nach vorne und sehe, dass dort sehr viele Leute warten und es
weit und breit kein freies Taxi gibt. Also fahre ich brav bis zum Ersten vor
und steige aus. Es sind drei Frauen und ein Mann, alle so um die 35, und sie haben
fünf Koffer dabei. Ich grüße sie, schnappe mir schnell das Gepäck und verstaue
es im Kofferraum. Dann frage ich, wo es denn hingehen soll. Eine der Frauen kramt
in ihrer Tasche herum, holt ein Filofax raus, sucht ewig darin, ich und die anderen
in der Schlange werden so langsam ungeduldig, und sagt schließlich „Maritim“.
Ich schaue sie an und frage:
»Das
Maritim in der Goethestraße?«
»Ja
genau das!« antwortet die Dame.
»Sie
wissen schon, dass es gleich da vorne ist?«
»Wie,
da vorne? Wo vorne?«
»Einfach
hier über die Kreuzung und gleich hinterm U-Bahnschild links. Das vierte Haus,
Nummer 7. Sie können sich das Geld sparen und locker zu Fuß gehen.«
Dann fange
ich an, die Koffer aus dem Kofferraum zu nehmen, worauf mich eine der Frauen
fragt:
»Was
machen Sie da? Fahren Sie uns denn nicht?«
»Gnädige
Frau, es sind nur ein paar Meter, Sie brauchen wirklich kein Taxi!«
»Wo
sagten Sie, soll das Hotel sein?«
»Also
noch mal zum mitschreiben. Hier über die Kreuzung, hinterm U-Bahnschild links,
das vierte Haus, Nummer 7. Da steht’s in großer blauer Schrift und der Eingang
ist im Innenhof.«
Meint
dann der Mann: »Wenn das so ist, können wir dorthin auch zu Fuß gehen.«
»Sehe
ich genauso«, sage ich und nehme einen weiteren Koffer aus dem Kofferraum.
In der
Zwischenzeit wird die Schlange immer länger und die Leute nervöser.
»Was
zum Teufel ist da vorne los?« schreit jemand von hinten. »Nehmen Sie jetzt das
verdammte Taxi oder wollen Sie ewig rumdiskutieren?«
Ich
nehme noch einen Koffer aus dem Kofferraum, während sich die Frauen mit dem
Mann unterhalten.
»Hugo,
sag ihm was! Er soll uns gefälligst fahren. Er verarscht uns sicher und es ist
weiter weg als er sagt.«
Ich
schaue den Mann an, er zuckt nur mit der Schulter und sagt nichts. Klarer Fall
von einer Lusche die von ihrer Frau beherrscht und unterdrückt wird.
Dann
meint eine der Frauen, dass sie gefahren werden möchten, schließlich schneit es
wie verrückt und ich könne sie nicht einfach so im Schneegestöber stehen
lassen.
Nun
packe ich die Koffer wieder in den Kofferraum, während die Herrschaften
einsteigen. Ich setze mich hinters Steuer, schalte den Motor und das Taxameter ein
und drücke die Zuschläge drauf, schaue kurz links und rechts, gebe schnell Gas,
worauf die Hinterräder durchdrehen und das Heck kurz nach rechts und dann nach
links ausschwenkt, fahre über die Kreuzung, biege hinterm U-Bahnschild scharf
links und fahre in den Innenhof bis vorm Hoteleingang, stoppe die Uhr und sage:
»So das war’s, das macht 5,60 Euro.«
»So
teuer?« fragt eine der Frauen.
»Ja!
2,90 ist der Grundtarif, 2,50 sind die Zuschläge, fünfzig Cent für jedes
Gepäckstück, und 20 Cent für die Fahrt für die knapp hundert Meter. Ich habe
Ihnen schon vorher gesagt, dass Sie sich das Geld hätten locker sparen können, Sie
wollten aber nicht auf mich hören. Das haben Sie nun davon! Also, 5,60 Euro!«
Ich
schaue kurz zum Mann und sehe, wie er lächelt. Eine der Damen gibt mir genau 5,60
und verlangt eine Quittung.
»Trinkgeld
gibt’s keins?«
»Werden
Sie nicht unverschämt junger Mann!«
Ich
mache von innen den Kofferraumdeckel auf. Während Hugo und zwei Damen
aussteigen, schreibe ich schnell die Quittung. Dann steigen die Dame und ich
aus und gehen nach hinten. Als ich den Kofferraumdeckel schließen möchte sehe
ich, wie alle vier neben dem Taxi stehen und der Kofferraum noch voll ist. Ich
sage »Bitte!« und zeige mit der Hand auf die Koffer.
»Wie
bitte? Wir sollen das selber machen? Gibt es hier keinen Service?«
»Ohne
Trinkgeld kein Service! So einfach ist das! Und außerdem hab ich’s mit’m Kreuz«
sage ich und füge noch hinzu: »Diese Scheißjugend von heute! Früher hätt’s des
ned gegeben!« zwinkere dem Mann zu, worauf wir beide anfangen zu lachen und
sehen den Damen zu wie sie das Gepäck ausladen.
»Schönen
Abend die Herrschaften! Bis zum nächsten Mal!«
»Es
wird kein nächstes Mal geben!« giftet eine der Frauen, ohne sich zu mir
umzudrehen.
»Hoffe
ich doch schwer!« rufe ich ihr zu, zünde mir eine an und halte die Packung Hugo
entgegen. Er nimmt sich eine, zündet sie an und nimmt ein paar Züge. Da dreht
sich eine der Frauen um und schreit ihm entgegen: »Hugo Du rauchst? Seit wann
das denn?« Er sagt nichts, nimmt noch einen tiefen Zug, wirft die Kippe in den
Aschenbecher neben dem Eingang und verschwindet durch die Drehtür in die
Hotellobby.
Ich
steige wieder ein, fahre rückwärts auf die Goethestraße raus um mir die Runde
um den ganzen Block zu ersparen, mit Ziel wieder der Südbau. So langsam macht
sich das Gefühl breit, dass ich nicht aus der Bahnhofsgegend rauskommen werde.
Aber egal, was beschwere ich mich? Solange da noch Leute rumstehen und der
Laden brummt... Außerdem heben diese Kurzstiche zur Freude meines Bosses den Kilometerschnitt.
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