Ich
fahre in den Stand bis ganz vor und halte vor einer Gruppe Männer an. Vier
Männer um die vierzig kommen zum Taxi und steigen ein.
»Servus
die Herrschaften!« sage ich.
»Kennst
Du das Pascha?« werde ich vom Herrn auf dem Beifahrersitz gefragt ohne gegrüßt
zu werden.
»Meinen
Sie den Puff oder den Club?«
»Puff?
Schauen wir so aus als ob wir in den Puff wollen?«
»Mei,
was weiß ich! Man kann es den Leuten nicht ansehen ob sie in den Puff wollen. Sie
tragen kein Schild mit der Aufschrift ‚Puffgänger’ um den Hals« antworte ich
gelangweilt und um ehrlich zu sein scheinen die vier arme Schlucker zu sein
nach ihrem Kleidungsstil zu urteilen. Deren Aussprache klingt Norddeutsch.
Wahrscheinlich Touristen die was erleben wollen und von In-lokal zu In-Lokal
ziehen.
»Witzig
willst Du auch sein, Taxler! In die Disco wollen wir.«
»Also
ins Pacha. Und wenn’s geht eine Spur freundlicher sonst könnt ihr zu Fuß
gehen.«
»Drohst
Du uns?«
»Nö!
Aber da ich nun mal der Hausherr bin mache ich auch die Regeln. Klar?«
»Hahaha!
Armin lass Gut sein!« sagt jemand von hinten. »Sei freundlich zu dem Herrn
damit er uns fährt. Ansonsten kriegen wir kein Taxi und stehen ewig in der
Kälte rum.«
»Also
ins Pacha, ja?«
»Genau!«
Ich
fahre endlich aus dem Stand raus und drehe an der Ampel um, um Richtung
Innenstadt zu fahren. Am Stand stehen jetzt noch mehr Fahrgäste und es ist
immer noch kein Taxi weit und breit zu sehen. Ich nehme das Mikro und funke
über K4 dass am Feillitzsch großer Bedarf herrscht. Prompt wird es auf K1
gemeldet.
»Was
ist das für ein Laden, das Pacha?« werde ich vom Beifahrer gefragt.
»Angeblich
eine Nobeldisco« antworte ich.
»Wie
angeblich? Weißt Du das nicht?«
»Sollte
ich?«
»Ja,
solltest Du!«
Am
Ainmiller stehen drei Kollegen und drumherum ist alles ruhig.
»Und
weswegen? Mich interessiert der Laden nicht, also weiß ich es nicht.«
»Wie,
Du warst da nie drin?«
»Genau!
Warum sollte ich dahingehen wenn mich der Laden nicht interessiert?«
»Es ist
Dein Job zu wissen was es für Lokalitäten gibt um Deine Fahrgäste beraten zu
können wenn die selber nicht wissen wohin.«
Am
Siegestor stehen zwei Kollegen, aber auch hier scheint nichts zu gehen. Was
machen die Kollegen hier eigentlich? Warum fahren die nicht dahin wo die Leute
warten? Vielleicht haben die auch Recht und stellen sich hier um solche
anstrengende Leute wie ich sie gerade habe nicht fahren zu müssen.
»Ach
ja?« frage ich gelangweilt und desinteressiert. »Pass mal auf: Ich weiß nicht
aus welchen Kaff ihr kommt, aber in einer Großstadt gibt es einige Tausend
Lokale. Die kann ich unmöglich alle kennen. Da die meisten Lokale abends und
nachts aufhaben und das rein zufällig die Zeit ist in der ich Arbeite kann ich
unmöglich in alle diese Läden rein. Wenn Du Informationen haben möchtest schau
einfach in Deinen schlauen Touristenführer, der wird Dir sicherlich alle Infos
geben die Du brauchst!«
»Unverschämt
bist Du auch noch!«
Am
Odeon stehen fünf Taxen!?
»Nein,
ehrlich, nicht unverschämt.«
Und
schon kommen wir beim Pacha an. Ich fahre an den stehenden Taxen vorbei und
stelle mich in zweiter Reihe neben dem Ersten. Die drei Fahrgäste hinten hören
auf sich zu unterhalten und fragen nach dem Fahrpreis. Ehe ich bezahlt werde
fragt der Beifahrer aus dem Fenster schauend:
»Wo
geht’s hier rein?«
»Da die
Treppe rauf.«
»Kommen
wir überhaupt rein?«
»Keine
Ahnung, probiert es einfach« antworte ich wohl wissend dass die nie da rein
kommen und vom Türsteher abgewiesen werden. Da flippt der Beifahrer aus.
»Was?
Du fährst uns hierher obwohl Du weißt dass wir nicht reinkommen?«
»Habe
ich so etwas behauptet? Ich sagte dass ich nicht weiß ob ihr reinkommt und um
ehrlich zu sein ist es mir auch egal ob ihr reinkommt oder nicht. Es war Euer
Wunsch hierher gefahren zu werden, meine Pflicht ist somit erfühlt und ich
bitte um den Fahrpreis (Du Saupreiß!)!«
»Was?
Bezahlen sollen wir auch noch für den Scheiß?!«
Mir
wird das Ganze zu bunt und ich drücke lange auf die Hupe bis einige der
Kollegen aus ihren Autos springen und zu mir nach vorne kommen. Sie umzingeln
das Auto und machen die Beifahrertür auf um zu fragen was los ist und postieren
sich vor den anderen Türen damit die Fahrgäste nicht aussteigen können. Der
Beifahrer schreit wie verrückt als ich dem Kollegen erzähle was passiert ist.
Einer der Kollegen funkt die Zentrale an und ordert eine Streife damit die
Sache hier nicht eskaliert. Da die Fahrgäste nicht zahlen wollen und es nicht
einsehen dass sie zahlen müssen, werden meine Kollegen ernst und drohen denen
mit Prügel und einer Anzeige bei der Polizei.
Die
Polizei kommt bevor es in eine Massenschlägerei ausartet, winkt die Kollegen
zur Seite und fordert die Fahrgäste auf auszusteigen und sich auszuweisen. Alle
behaupten die hätten keine Papiere dabei. Es wird von den Beamten versucht
Ordnung und Ruhe ins Chaos zu bringen aber die Fahrgäste schreien und
schimpfen. Ich sage einem Beamten was geschehen ist worauf der Beifahrer
vollends ausflippt und gegen den rechten hinteren Kotflügel tritt. Spinn ich
oder was? Das zweite Mal heute! Was ist nur mit den Leuten los? Ist heute
Welttag des Frustrationsloslassens? Habe ich was verpasst? Soll ich auch wild
durch die Stadt laufen und wie ein Irrer schreien und alles zu Kleinholz machen
was sich mir in den Weg stellt?
Jetzt
wird es ernst. Es klicken Handschellen, es wird Verstärkung beordert, Fotos
gemacht und Zeugenaussagen von mir und den Kollegen festgehalten. Nach einer
Weile werden wir entlassen und die vier Herren dürfen im grünweißen Partybus
zur Wache.
Ich
bedanke mich bei den Kollegen, spendiere Piccolos und Bier, zünde mir eine an,
setze mich völlig fertig hinters Steuer, sehe Saki in einer Blase über mir wie er
vor sich hin grantelt (ELENDES DRECKSPACK ELENDES!), womit er auch Recht hat
und fahre Richtung Oberanger zur BP um das Auto abzustellen um endlich
Feierabend zu machen. Obwohl jetzt könnte ich anstatt nach hause, ins „Lamms“
gehen, mir die Kante geben und den ganzen Frust und Stress dieser Nacht im
Alkohol zu ertränken. Schade dass Beatrice nicht mit will. Wahrscheinlich sind
Harry und die Jungs auch nicht mehr unterwegs. Ich habe endgültig die Schnauze
voll und beschließe noch bis zum Ende meiner Semesterferien zu Arbeiten und
danach diesen Job an den Nagel zu hängen! Saki würde mir jetzt zujubeln und mir
zu diesem Entschluss gratulieren. Seiner Meinung nach ist Toilettenputzen
entspannter als so ein verzogenes Dreckspack durch die Gegend kutschieren zu
müssen. Man muss egoistisch genug sein und an seine Gesundheit denken sagt er
immer.
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