Montag, 14. April 2014

Teil 42



Ich fahre in den Stand bis ganz vor und halte vor einer Gruppe Männer an. Vier Männer um die vierzig kommen zum Taxi und steigen ein.
»Servus die Herrschaften!« sage ich.
»Kennst Du das Pascha?« werde ich vom Herrn auf dem Beifahrersitz gefragt ohne gegrüßt zu werden.
»Meinen Sie den Puff oder den Club?«
»Puff? Schauen wir so aus als ob wir in den Puff wollen?«
»Mei, was weiß ich! Man kann es den Leuten nicht ansehen ob sie in den Puff wollen. Sie tragen kein Schild mit der Aufschrift ‚Puffgänger’ um den Hals« antworte ich gelangweilt und um ehrlich zu sein scheinen die vier arme Schlucker zu sein nach ihrem Kleidungsstil zu urteilen. Deren Aussprache klingt Norddeutsch. Wahrscheinlich Touristen die was erleben wollen und von In-lokal zu In-Lokal ziehen.
»Witzig willst Du auch sein, Taxler! In die Disco wollen wir.«
»Also ins Pacha. Und wenn’s geht eine Spur freundlicher sonst könnt ihr zu Fuß gehen.«
»Drohst Du uns?«
»Nö! Aber da ich nun mal der Hausherr bin mache ich auch die Regeln. Klar?«
»Hahaha! Armin lass Gut sein!« sagt jemand von hinten. »Sei freundlich zu dem Herrn damit er uns fährt. Ansonsten kriegen wir kein Taxi und stehen ewig in der Kälte rum.«
»Also ins Pacha, ja?«
»Genau!«
Ich fahre endlich aus dem Stand raus und drehe an der Ampel um, um Richtung Innenstadt zu fahren. Am Stand stehen jetzt noch mehr Fahrgäste und es ist immer noch kein Taxi weit und breit zu sehen. Ich nehme das Mikro und funke über K4 dass am Feillitzsch großer Bedarf herrscht. Prompt wird es auf K1 gemeldet.
»Was ist das für ein Laden, das Pacha?« werde ich vom Beifahrer gefragt.
»Angeblich eine Nobeldisco« antworte ich.
»Wie angeblich? Weißt Du das nicht?«
»Sollte ich?«
»Ja, solltest Du!«
Am Ainmiller stehen drei Kollegen und drumherum ist alles ruhig.
»Und weswegen? Mich interessiert der Laden nicht, also weiß ich es nicht.«
»Wie, Du warst da nie drin?«
»Genau! Warum sollte ich dahingehen wenn mich der Laden nicht interessiert?«
»Es ist Dein Job zu wissen was es für Lokalitäten gibt um Deine Fahrgäste beraten zu können wenn die selber nicht wissen wohin.«
Am Siegestor stehen zwei Kollegen, aber auch hier scheint nichts zu gehen. Was machen die Kollegen hier eigentlich? Warum fahren die nicht dahin wo die Leute warten? Vielleicht haben die auch Recht und stellen sich hier um solche anstrengende Leute wie ich sie gerade habe nicht fahren zu müssen.
»Ach ja?« frage ich gelangweilt und desinteressiert. »Pass mal auf: Ich weiß nicht aus welchen Kaff ihr kommt, aber in einer Großstadt gibt es einige Tausend Lokale. Die kann ich unmöglich alle kennen. Da die meisten Lokale abends und nachts aufhaben und das rein zufällig die Zeit ist in der ich Arbeite kann ich unmöglich in alle diese Läden rein. Wenn Du Informationen haben möchtest schau einfach in Deinen schlauen Touristenführer, der wird Dir sicherlich alle Infos geben die Du brauchst!«
»Unverschämt bist Du auch noch!«
Am Odeon stehen fünf Taxen!?
»Nein, ehrlich, nicht unverschämt.«
Und schon kommen wir beim Pacha an. Ich fahre an den stehenden Taxen vorbei und stelle mich in zweiter Reihe neben dem Ersten. Die drei Fahrgäste hinten hören auf sich zu unterhalten und fragen nach dem Fahrpreis. Ehe ich bezahlt werde fragt der Beifahrer aus dem Fenster schauend:
»Wo geht’s hier rein?«
»Da die Treppe rauf.«
»Kommen wir überhaupt rein?«
»Keine Ahnung, probiert es einfach« antworte ich wohl wissend dass die nie da rein kommen und vom Türsteher abgewiesen werden. Da flippt der Beifahrer aus.
»Was? Du fährst uns hierher obwohl Du weißt dass wir nicht reinkommen?«
»Habe ich so etwas behauptet? Ich sagte dass ich nicht weiß ob ihr reinkommt und um ehrlich zu sein ist es mir auch egal ob ihr reinkommt oder nicht. Es war Euer Wunsch hierher gefahren zu werden, meine Pflicht ist somit erfühlt und ich bitte um den Fahrpreis (Du Saupreiß!)!«
»Was? Bezahlen sollen wir auch noch für den Scheiß?!«
Mir wird das Ganze zu bunt und ich drücke lange auf die Hupe bis einige der Kollegen aus ihren Autos springen und zu mir nach vorne kommen. Sie umzingeln das Auto und machen die Beifahrertür auf um zu fragen was los ist und postieren sich vor den anderen Türen damit die Fahrgäste nicht aussteigen können. Der Beifahrer schreit wie verrückt als ich dem Kollegen erzähle was passiert ist. Einer der Kollegen funkt die Zentrale an und ordert eine Streife damit die Sache hier nicht eskaliert. Da die Fahrgäste nicht zahlen wollen und es nicht einsehen dass sie zahlen müssen, werden meine Kollegen ernst und drohen denen mit Prügel und einer Anzeige bei der Polizei.
Die Polizei kommt bevor es in eine Massenschlägerei ausartet, winkt die Kollegen zur Seite und fordert die Fahrgäste auf auszusteigen und sich auszuweisen. Alle behaupten die hätten keine Papiere dabei. Es wird von den Beamten versucht Ordnung und Ruhe ins Chaos zu bringen aber die Fahrgäste schreien und schimpfen. Ich sage einem Beamten was geschehen ist worauf der Beifahrer vollends ausflippt und gegen den rechten hinteren Kotflügel tritt. Spinn ich oder was? Das zweite Mal heute! Was ist nur mit den Leuten los? Ist heute Welttag des Frustrationsloslassens? Habe ich was verpasst? Soll ich auch wild durch die Stadt laufen und wie ein Irrer schreien und alles zu Kleinholz machen was sich mir in den Weg stellt?
Jetzt wird es ernst. Es klicken Handschellen, es wird Verstärkung beordert, Fotos gemacht und Zeugenaussagen von mir und den Kollegen festgehalten. Nach einer Weile werden wir entlassen und die vier Herren dürfen im grünweißen Partybus zur Wache.
Ich bedanke mich bei den Kollegen, spendiere Piccolos und Bier, zünde mir eine an, setze mich völlig fertig hinters Steuer, sehe Saki in einer Blase über mir wie er vor sich hin grantelt (ELENDES DRECKSPACK ELENDES!), womit er auch Recht hat und fahre Richtung Oberanger zur BP um das Auto abzustellen um endlich Feierabend zu machen. Obwohl jetzt könnte ich anstatt nach hause, ins „Lamms“ gehen, mir die Kante geben und den ganzen Frust und Stress dieser Nacht im Alkohol zu ertränken. Schade dass Beatrice nicht mit will. Wahrscheinlich sind Harry und die Jungs auch nicht mehr unterwegs. Ich habe endgültig die Schnauze voll und beschließe noch bis zum Ende meiner Semesterferien zu Arbeiten und danach diesen Job an den Nagel zu hängen! Saki würde mir jetzt zujubeln und mir zu diesem Entschluss gratulieren. Seiner Meinung nach ist Toilettenputzen entspannter als so ein verzogenes Dreckspack durch die Gegend kutschieren zu müssen. Man muss egoistisch genug sein und an seine Gesundheit denken sagt er immer.

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