Ich
steige in mein Taxi ein, schalte den Funk an höre eine Minute zu was so für
Aufträge rausgehen und überlege mir wo ich mich hinstellen soll. Ich beschließe
zum Artur-Kutscher zu fahren und wenn dort zu viele stehen, fahre ich weiter
zum Feilitzsch. Ich fahre vom Gelände hinaus auf die Dietlinden, rechts in die
Kunigunden und vor zum Kutscherplatz. Meine Güte! Da stehen drei Taxen! Darf es
denn wahr sein! Ich möchte kein Risiko eingehen an diesem Stand zu versauern
und fahre weiter zum Feilitzsch. Als ich in der Marktstraße kurz vorm
„Restaurant mit dem goldenen ‚M’“ bin (ich höre Saki schon schimpfen: Des is
koa Restaurant ned!) versucht der Zentralist einen Auftrag rauszugeben aber
keiner meldet sich.
»Für
Werneck! Für Werneck! Die Fahrgäste warten schon seit fuchzehn Minuten auf a
Taxi! Ist denn koana am Ainmiller, Feilitzsch oder Reitschule? Koana frei in
dera Gegend? Koana der frei wird?«
Oh
Gott! Denke ich mir. Tu dem Mann was Gutes und melde Dich für den Auftrag. Wird
eh eine Scheißfahrt sein. Ich hatte noch nie einen guten Stich von dort. Die
Fahrgäste sind meistens betrunken, arrogant und aggressiv. Was soll’s! Heute
ist schließlich die heilige Nacht und Sophie würde jetzt sagen: Do something
good for humanity! Zum Henker! Zum Teutates!
»980 in
der Markt!«
»980
Werneck 11, Gast und entschuldigen Sie sich bitte bei den Fahrgästen
unsererseits für dass die lange warten mussten.«
»Is
scho recht! 11 Gast!«
Ich
fahre über die Kreuzung in die Siegesstraße rein und quäle mich mit den
Einbahnstraßen (Saki würde wieder fluchen, diesmal auf die Ökos, auf die dieser
Mist gewachsen ist. Anstatt den Verkehr fließen und somit weniger Schadstoffe
entstehen zu lassen, wird er abgebremst, die Autofahrer schikaniert, die
Anwohner leiden unter dem Lärm des Abbremsens und Beschleunigens, bei diesem
Prozess werden viel mehr Abgase und Schadstoffe produziert als wenn der Verkehr
fließen würde und es würde auch weniger Benzin und Diesel verbraucht. Politiker
hätte er werden sollen!). Nach ca. drei Minuten stehe ich vorm Lokal. Da die
Straße zu eng ist und man dort nirgendwo parken kann, schalte ich die
Warnblinkanlage an, lasse das Taxi mitten auf der Straße stehen, steige aus
(meine Schuhe!!!) und gehe rein um bescheid zu sagen. Kaum öffne ich die Tür
des Lokals und bemerke dass der Laden leer ist, stehen zwei Herrschaften auf,
rufen mir zu: »Endlich ist das verdammte Taxi da!« und kommen auf mich zu. Mir
gefällt deren Auftreten nicht und wende mich fragend zum einzigen Kellner:
»Sind das die Fahrgäste?«
»Siehst
Du irgendwen sonst noch hier?«
»Wie
viel haben die intus? Sind die schlecht drauf?«
»Du
hast sie zu fahren!« bekomme ich als Antwort und denke mir: Was für eine
Arschgeige von einem Kellner! Kein Wunder dass der Laden schlechtes Publikum
anzieht, wenn die Kellner mies drauf sind, wie sollten dann die Gäste sein?
»Junger
Mann, wir warten seit einer geschlagenen halbe Stunde auf Dich. Was ist Deine
Entschuldigung?« werde ich vom männlichen Fahrgast gefragt.
Ich
hebe meine linke Augenbraue und sage: »Damit eins Klar ist: Sie warten auf ein
Taxi und nicht auf mich. Sie haben nicht mich Persönlich bestellt sondern einen
Fiaker. Dass es länger gedauert hat ist nicht meine Schuld und die Zentrale
lässt sich wegen der langen Wartezeit entschuldigen.«
»Frech
samma a noch?« sagt der Mann.
»Wenn’S
den Ton nicht eine Spur freundlicher machen, können Sie sich ein anderes Taxi
rufen oder gleich zu Fuß gehen! Mit mir werden Sie nicht fahren! Servus, habe
die Ehre und schönen Abend noch!«
Ich
drehe mich um und schreite zur Tür hinaus. Die beiden folgen mir ohne irgendwas
zu sagen. Als ich im Begriff bin die Fahrertür zu öffnen sehe ich wie die
Beiden auf der Beifahrerseite stehen und warten einsteigen zu dürfen.
»Sie
wünschen?« frage ich die Beiden.
»Wuist
uns ned fohrn?« fragt der Mann.
»Warum
sollte ich?«
»Weil
wir ein Taxi bestellt haben und so lange gewartet haben bist Du kommst.«
»Und?
Ich habe vorhin gesagt, wenn der Ton nicht freundlicher wird, können Sie sich
ein anderes Taxi bestellen. Und jetzt entschuldigen Sie mich, ich möchte gerne
weiter arbeiten.«
»Ach
kommen Sie!« sagt die Frau. »Wir versprechen ruhig zu sein. Es ist spät, wir
sind müde und möchten nach hause. Wir haben’s auch nicht weit und Sie werden
uns bald los!«
»Sicher?«
frage ich.
»Ja
ganz sicher!« versichert mir die Frau. Mein Bauchgefühl aber sagt mir was
anderes. Ich schaue kurz nach oben, aber weder Saki noch der liebe Herrgott
erscheinen um mir zu helfen. Aber von irgendwoher ist Musik zu hören. Ich
spitze die Ohren um herauszufinden um welche Melodie es sich handelt und woher
sie kommt.
»Was
ist los? Fahren wir?« fragt der Mann.
Ich
drehe meinen Kopf kurz zur Seite und konzentriere mich darauf woher die Musik
kommt. Es sind Klänge von Michael Jackson. MJ? Träume ich? Habe ich wieder
Visionen? Halluzinationen? Sinnestäuschungen? Ich höre MJ singen: Because I’m bad, I’m bad, come one, Bad,
Bad, really really bad… Soll das ein Zeichen sein? Ich schaue kurz nach oben und höre dann wie ein Auto um die
Ecke biegt, stehen bleibt, sehe wie das Fenster auf der Fahrerseite offen ist
und merke dass die Musik von diesen Auto kommt.
»Geht’s
da vorne bald weiter?« ruft der Fahrer in die Nacht hinein.
»Nehmen
Sie uns jetzt mit?« fragt die Dame und reißt mich aus meinen Gedanken.
»Wird’s
bald da vorne?« ruft der Fahrer des Autos.
»Also
gut. Wenn das so ist, fahren wir!«
Wir
steigen alle gleichzeitig ein. Er vorne, sie hinten. Klare
Geschlechtertrennung. Ich schalte die Uhr ein und drehe den Zündschlüssel und
das Radio geht automatisch an. Der männliche Fahrgast gibt als Fahrziel die
Rambergstraße an. Es ist eine ganz kleine Straße hinter der Akademie der bildenden
Künste. Das hätten die locker zu Fuß gehen können anstatt hier eine halbe
Stunde auf ein Taxi zu warten. Ich gebe kurz Gas und höre dem Radio genauer zu.
Die Melodie kenne ich doch, der Rhythmus ist einmalig, bloß um welches Lied
handelt es sich noch mal? Ich höre noch genauer zu und jetzt endlich fällt es
mir ein.
TUT!
TUUUUT!!! Höre ich das Auto von vorhin hupen und sehe in den Rückspiegel wie
der Fahrer seine Faust aus dem Fenster gen Himmel reckt.
Klar!
Es handelt sich um „Beat it“ von Michael Jackson. Soll das wieder ein Zeichen
sein? Ein Zeichen dass ich diese Fahrt hätte ablehnen sollen? Ein Zeichen dafür
dass die Fahrgäste entgegen ihrem Versprechen sich doch noch daneben benehmen
und Ärger machen werden?
Kaum fünfzig
Meter weiter stellt mir der Mann auch die erste Frage:
»Du
Taxler! Was bist Du für ein Landsmann?«
»Was
spielt das jetzt für eine Rolle?« erwidere ich.
»Das
spielt keine Rolle« sagt die Frau von hinten, »mein Mann möchte es gerne
wissen.«
»Genauso
einer wie Sie es sind. Ich habe den Pleitegeier auf meinem Pass!«
»Du
Lügner! Du elender Lügner!«
»He!
Nicht in diesen Ton! Sonst können Sie zu Fuß gehen!«
»Drohst
Du uns jetzt auch noch? Sag, was für ein Landsmann bist Du? Du bist kein
Einheimischer!«
»Bin
ich doch! Wie ich sagte, auch ich habe den Pleitegeier auf dem Pass.«
»Ein
Deutscher würde nie ‚Fiaker’ und nie ‚Pass’ sagen. Du lügst!«
»Wie
wär’s mit ein im Ausland aufgewachsenes Mitglied der Arischen Volksgruppe?« frage
ich und grinse unverschämt in seine Richtung.
»Bist
Du ein Schluchtenscheißer, Du Kluckscheißer Du!?«
»Jetzt
wird’s mir zu bunt. Die Fahrt ist hier beendet. Sie zahlen und steigen aus!« Weit
sind wir eh nicht gekommen. Ich fahre in den Ainmillerstand rein und stelle
mich hinter das dritte Taxi welches dort steht und auf Aufträge wartet.
Die
Fahrgäste wollen nicht zahlen und einfach abhauen.
»Mit
solchen Lügnern wie Dich fahren wir nicht! Und zahlen tun wir auch nicht!«
Geistesgegenwärtig
drücke ich mit beiden Händen auf die Hupe sodass die angenehme Stille die
draußen herrscht gestört wird. Die drei Kollegen vor mir springen aus ihren
Autos raus und kommen zu mir nach hinten und fragen was los ist. Ich erkläre
denen dass ich verbal angegriffen werde und die Fahrgäste nicht zahlen wollen.
Während einer von den Kollegen zurück zu seinem Taxi geht um der Zentrale
bescheid zu geben und die Polizei zu rufen, gehen die anderen zwei auf die
Beifahrerseite, der Eine blockiert die hintere Tür damit die Dame nicht
aussteigen kann und der Andere reißt die Beifahrertür auf sodass sich der
Fahrgast für einen kurzen Moment erschreckt. Als er sich wieder fasst, schreit
er den Kollegen an was das Ganze soll. Der Kollege, ein Zwei-Meter-Schrank von
einem Mann, stellt sich breitbeinig hin und macht sich noch größer als er
ohnehin schon ist. Dazu setzt er ein zum fürchten erregendes grimmiges Gesicht
auf und befielt dem Fahrgast die „Schnauze zu halten, zu zahlen und zu warten
bis die Polizei kommt“. Die Polizei taucht auch Gott sei dank in diesen Moment
auf. Parkt hinter mir, zwei Beamten steigen aus ihrem Vehikel und kommen zu mir
nach vorne. Einer links, einer rechts. Der eine fragt mich was hier los ist
worauf ich ihm es kurz erkläre. Der andere fordert den Fahrgast auf
auszusteigen und sich neben das Taxi zu stellen. Er schreit beim Aussteigen dem
Beamten an, duzt ihm und beschimpft ihn auch noch. Der Beamte reagiert ziemlich
gelassen auf die Beschimpfung und verlangt nach dem Ausweis des Fahrgastes.
Auch ich werde nach meinen Ausweis gefragt und muss dazu noch eine Aussage
machen die schriftlich festgehalten wird. Der Fahrgast hört was ich sage und
flippt total aus.
»Du
Lügner! Du verdammter Lügner! Glaubt’s ihm gar nix! Er wollte uns rausschmeißen
der Saukerl und dafür sollten wir auch noch bezahlen!« Dann macht er einen großen
Fehler. Aus Wut tritt er gegen die hintere Tür und hinterlässt eine Beule.
Jetzt ist es auch für die Beamten genug. Sie legen ihm Handschellen an und er
wird zum Streifenwagen gebracht wo er hinten Platz nehmen darf. Seine Frau wird
zu ihm gebracht. Die Kollegen und ich müssen eine Zeugenaussage an Ort und
Stelle machen. Unsere Papiere werden geprüft und wir werden dann entlassen.
»Sie
werden in den nächsten paar Wochen von uns hören. Sie und ihre Kollegen werden
irgendwann mal vor Gericht aussagen müssen und ein Brief von der Staatsanwaltschaft
wird an Ihren Unternehmer wegen des Schadens gehen« sagt der Beamte zu mir und
geht zum Streifenwagen. Die Türen der Streife knallen zu und die Beamten wenden
mit Karacho auf der Stelle und fahren die Leopoldstraße nach Norden Richtung
PI. Auf den Fahrpreis bleibe ich sitzen. So ein Mist!
»Was
für eine Scheiße!« sagt einer der Kollegen, »und das an Heilig Abend!«
Zu kaufen gibt es das Buch hier: (öffnet im neuen Fenster)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen