Sonntag, 13. April 2014

Teil 4



Es ist kurz davor dunkel zu werden, als ich ankomme. Der fette Heinz, die Urlaubsvertretung vom Chef, will gerade nach Hause gehen. Als er mich auf das Gelände fahren sieht, bleibt er stehen und ruft mir etwas zu, was ich nicht verstehe.
»Was sagten Sie?« frage ich.
»Ich dachte, Sie würden nicht kommen!«
»Ich doch nicht! An so einer Nacht bleibe ich doch nicht zu Hause!«
»Sie radeln bei der Kälte?«
»Frische Luft macht munter, Herr Hartler, und außerdem tut etwas Bewegung gut. Ihnen würde es auch nicht schaden!«
Herr Hartler hat schon zwei Mal einen Herzkasperl in den letzten paar Monaten erlitten und war lange Zeit krank geschrieben. Dann hat er es zu Hause nicht mehr ausgehalten und fing wieder an zu arbeiten. Ich gehe langsam auf ihn zu. Er lächelt, was nicht sehr oft vorkommt und macht einen ruhigen und ausgeglichenen Eindruck.
Die Tankstelle ist wie ausgestorben. Außer uns beiden und den zwei Tankwarten ist kein Mensch da. Einige Taxen stehen noch herum. Alles scheint so verschlafen und ruhig. Ich hole mir bei Herrn Hartler den Schlüssel ab – heute fahre ich mein Lieblingsauto, den 980, eine E-Klasse mit allen Schikanen: Glasschiebedach, Sitzheizung, elektrisch verstellbare Sitze, beheizbare Außenspiegel die auf Knopfdruck zusammenklappen, Klima, Navi, verschiedene Luftkissen im Fahrersitz, Becker Audiosystem mit CD-Wechsler, u.v.m. Bei dem Auto schlägt mein Männerherz höher und schneller. Prärie-Cowboys hatten Pferde, Großstadtindianer (sollten) besitzen reichlich Pferdestärken. Autos, Technik und Männer gehören zusammen und nichts sollte sie jemals trennen. Das verstehen die Frauen nicht, sagen zwar „Bumsschleuder“, „Penisverlängerung“ oder irgendetwas abschätziges zu einem tollen und starken Auto, wünschen sich aber insgeheim dass der Prinz aus ihren Träumen beim ersten Rendezvous nicht im verrosteten Fiat Panda sondern in einem Porsche vorfährt, aussteigt, elegant um den Wagen schwebt und beim öffnen der Beifahrertür sich ein roter Teppich entrollt. Je nachdem ob man männlich oder weiblich ist, ist das Stoff aus einem Mädchen-Pferde-Roman oder endet als Softporno im spätabendlichen Privatfernsehen. Mit solchem romantischen Mist wachsen Generationen von Mädchen auf, leben ihr ganzes Leben ohne jeglichen Sinn für die Realität, einer Traumvorstellung jagend und machen uns Männern mit deren unverschämt hohen Erwartungen das Leben zur Hölle. Am Ende heiraten sie irgendjemanden der sie zum Lachen bringt und versuchen ihr ganzes Leben lang den armen Kerl zu verändern und ihn zu das zu machen was in ihrer Phantasie schwebt. Irgendwann läuft der Kerl Amok, richtet ein Blutbad an und schafft es sogar als Hauptthema in den Tagesthemen und ist wochenlang Gesprächsstoff in sämtlichen Talkshows.
Wenn sie es schaffen den Charakter des Kerls zu verändern und ihm zu das zu machen was in deren Phantasie schwebt, ohne dass der Mann Amok läuft, lassen sie ihn mit folgendem Satz sitzen: Du bist nicht mehr der Mann in dem ich mich damals verliebt habe. Dann gibt’s ein Blutvergießen. Ein Blutblad gibt’s auch wenn sie es nicht schaffen den Partner zu dem Wesen zu machen welches in ihrer Phantasie schwebt und mit folgenden Wörtern verlassen: Du bist nicht der, der meiner Vorstellung entspricht.
Sakis Meinung zum Thema Autos und Technik ist: es sei der Dreiklang, die Dreifaltigkeit, durch nichts zu erschüttern, durch nichts trennbar. Männer die entweder nicht auf Technik oder Autos oder womöglich auf beides stehen sind Luschen. 

Zu kaufen gibt es das Buch hier:  (Öffnet im neuen Fenster)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen