Sonntag, 13. April 2014

Teil 24



Ich steige in mein Taxi das direkt vor der Wache steht und fahre ins Tal. Nehme mir vor keinen Funkauftrag anzunehmen denn es könnte wieder „Marktstadl“ heißen. Nein, ich werde so lange warten bis jemand einsteigt. Da nur drei Kollegen vor mir sind werde ich hoffentlich nicht lange warten müssen.
Ich fahre in den Stand rein, öffne das Fenster, zünde mir eine an und schnappe mir eine Zeitung vom Stapel. Mein Handy vibriert und Dave Brubecks ‚Take Five’ ist zu hören. Eine Textnachricht von Tatjana aus Rom: Ciao caro! Alles liebe und frohes Fest! Tut mir leid das von Dir und Sophie zu hören! Ich antworte ihr und widme mich dann der Zeitung. Kaum lese ich die erste Seite durch ruft der Zentralist den Stand:
»Tal-Stand!«
Schweigen im Walde.
»Tal-Stand!«
Wieder meldet sich keiner. Sind es Nichtfunker vor mir, sind die eingeschlafen oder haben die Angst vor einer Stüberlfahrt?
»Ist jemand am Tal-Stand?«
Ach was zum Teufel! »980 ist vierter!«
»980, Westenrieder 13, Markstadl!«
»Stadl!« Verdammt! Verflucht! Warum habe ich mich gemeldet? Ich wollte doch so lange warten bis jemand einsteigt! Das habe ich jetzt davon! So ein Mist!
Ich fahre aus dem Stand raus, an den Kollegen vorbei und sehe wie sie förmlich grinsen. Ihr Arschlöcher Ihr! Ich wünsche Euch die Pest an den Hals! An der Ampel biege ich rechts ab und dann wieder rechts. Vor dem Lokal bleibe ich stehen. Da keiner rauskommt gehe ich rein. Das Lokal ist brechend voll. Die Musik spielt sehr laut und die Menschen sind sehr fröhlich. Sie trinken, lachen und unterhalten sich. Ich steuere auf einen der Kellner zu und entdecke Sabine aus Unterhaching an einen der Tische.
Sabine lernte ich im Sommer vor zwei Jahren kennen. Sie stellte sich mit Bienchen, summ summ vor. Zum ersten Mal sah ich sie in der Waschkuchl. Ich wurde über die Säule dahinbestellt. Als ich hineinging saß sie an der Theke und schlürfte an ihrem Getränk. Sie saß alleine dort, hatte schon einiges intus und sah nicht gerade glücklich und fit aus. Dennoch versprühte sie einen Reiz aus. Vielleicht lag es am breiten Hintern, den prallen Brüsten oder wie Harry meint am gebärfreudigen Becken.
Sie meinte sie bräuchte noch ein wenig. Wie lange, fragte ich und blickte aufs Glas das noch einigermaßen voll war. Der Kellner kam zu uns und sagte zu Sabine dass sie das Getränk stehen lassen sollte, sie würde auch nichts dafür bezahlen müssen und sollte mit mir mitgehen damit ich nicht umsonst warten oder weggeschickt werden müsste. Sabine schlug vor mich auf ein Getränk einzuladen. Unter der Bedingung dass die Uhr mitläuft und sie schnell austrinke willigte ich ein und bestellte mir eine Cola. Ein paar Minuten später waren wir draußen. Sie ließ sich von mir ins ‚Albatros’ in der Occamstraße kutschieren. Unterwegs dorthin unterhielten wir uns ganz nett und sie wurde sehr anhänglich. Sie fing an mich zu streicheln, küsste mich an der Wange, ging mit ihrer Hand zwischen meine Beine, öffnete mir sogar die Hose und die Knöpfe und blies mir einen während der Fahrt. Ich konnte mich schwer auf den Verkehr konzentrieren und hätte beinahe einen Unfall verursacht. Zum glück merkte keiner der um uns herum fahrenden Autos was bei mir im Taxi vor sich ging. Als wir ankamen bezahlte sie mich ganz normal und ging die Treppe runter ins Lokal. Danach sah ich sie öfters in verschiedene Lokalitäten. Wenn sie gut drauf war blies sie mir einen, wenn sie aber schlecht drauf war, war sie nicht auszuhalten. Sie war sehr zickig, schrie rum und alles und jeder störte sie. Einmal warf ich sie sogar aus dem Taxi weil sie mich wüst beschimpfte.
Der Kellner führt mich zu zwei älteren Menschen die gar nicht in die Szenerie passen. Wie sind denn die hier gelandet? Ich sage ‚Taxi’ zu denen worauf sie aufstehen und mit rauskommen.
»Driver! Do you speak English?«
»Yes I do!« und schaue die Beiden verwundert an und frage mich wie die da drin gelandet sind. Touristen im Marktstadl? Auch was Neues! Das Lokal lebt vom Stammpublikum. Man sieht jeden Tag dieselben Leute drin und man hat den Eindruck dass die sich alle kennen, eine große Familie sind.
»Wie sind sie hierher gekommen?«
»Unser Hotel ist gleich da vorne. Wir sind ein wenig Spazieren gegangen und wollten was trinken und was Essen. Da dieses Lokal sehr voll war sind wir reingegangen. Wir haben was getrunken, aber es ist uns zu laut. Jetzt möchten wir woanders hin, wissen aber nicht wohin. Wir suchen ein Lokal mit traditioneller Küche.«
Oha! Denke ich mir. Die Gegend ist voll mit solchen Lokalen. Dazu brauchen die kein Taxi. Die brauchen nur spazieren zu gehen und überall reinschauen bis sie was finden das ihnen gefällt. Vielleicht haben die Angst das zu machen. Ich überlege kurz und fahre sie zum „DreiGroschenKeller“. Dort wird es denen bestimmt gefallen. Es handelt sich um ein Kellerlokal das von Bertolt Brechts „Drei Groschenoper“ inspiriert wurde. Es gibt verschiedene Räume mit verschiedenen Themen. Die Preise stehen in Groschen und nicht in Eurobeträge.
Die zwei sind Amerikaner. Er war in seinem Arbeitsleben ein hoher Manager bei einem Elektrokonzern und kam sehr oft nach Europa. Sah aber meistens nichts, außer die Strecke vom Flughafen zur Arbeit, die Strecke zu irgendwelchen Lokalen wo er mit Geschäftspartnern zum Essen ging, und die Strecken zu den Hotels wo er wohnte. Jetzt in Rente, hat er seine Frau zu einer großen Weltreise genommen.
Wir halten vorm „DreiGroschenKeller“ an. Sie zahlen, verlangen nach meiner Nummer und gehen. Ich fahre dann die Zeppelin vor und überlege mir wo ich mich hinstellen könnte. Die letzten Stiche waren nicht unbedingt berauschend. Ich gondele die ganze Zeit in der Innenstadt herum. Ein paar längere Fahrten wären jetzt gut. Soll ich wieder zurück ins Tal, rauf zum Rosenheimer oder doch lieber zum Isartor? Der Falken wäre auch im Angebot. Genau da fahre ich hin! 

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