Ich
rauche noch zu ende, stelle das Taxischild wieder auf dem Dach und fahre los.
Gute Frage! Wohin? Den Theresienhöhestand mag ich nicht besonders, der Südbau
wird wahrscheinlich voll sein, noch weiter raus fahren, Richtung Ganghofer?
Wäre nicht schlecht. Ich schalte die Musik aus und höre dem Funk zu:
»Pocci
am Stand geht einmal!«
»Rosenheimer
geht mehrmals! Da ist die S-Bahn ausgefallen!«
»Kieferngarten
geht a einmal! Fahrt do jemand hi?«
»Authari!
Authari! Geiselgasteig! Für Langobarden! Für Langobarden!«
»2344
in der Nauplia!«
»2344
Langobarden 13, Müller!«
»13,
Müller! Danke!«
»Waldheim!
Carl Wery! Oma Graf! Für Rotkäppchen! Für Rotkäppchen! Mog’s jemand hamn? Koana
der so weit draußen is? Für Rotkäppchen!«
»3606
in Putzbrunn auf weit!«
»3606, Rotkäppchen
weiter! Und danke!«
»Weiter!«
»Der
Herr am Kieferngarten reklamiert! Fahrt do jemand hi?«
»775
schaut vorbei!«
»775
der Herr Rosenstock warten auf Sie!«
»Rosenstock,
danke!«
Oh
Mann! Das macht mir die Entscheidung auch nicht leichter. Soll ich zur
Stadtmitte oder doch weiter raus fahren? Der Ganghofer ist nicht so weit und
ist ein guter Stand. Also fahre ich dahin. Ich biege rechts ab in den
Bavariaring, fahre übers Brausebad rauf zum Alten Messeplatz.
»Ganghofer!«
»100,
dritter!«
Was ist
los? Wie viele stehen denn dort? War doch keine so weise Entscheidung. Mist
verdammter! Himmi Herrgott Zefix! Was mache ich jetzt? Egal! Fährst eben hin.
Als ich
an der Ampel zur Ganghofer stehe und somit dem Stand schräg gegenüber, sehe ich
wie nur ein Taxi dort steht und wie ein Fahrgast einsteigt. Oha! Denke ich mir.
Das ging aber schnell! Ich fahre rechts bis zur Straßenabsperrung (die Grünen
kamen mal auf die Idee Blumentöpfe hinzustellen um den Durchgangsverkehr zu Stoppen,
seitdem werden die Anwohner mit elenden Einbahnregelungen gequält) und mache
einen U-Turn der sich gewaschen hat und fahre in den Stand. Kaum stelle ich den
Motor ab klingelt auch das Standplatztelefon.
»Guten
Abend! Schwarz mein Name. Könnten Sie bitte zur Ligsalzstraße 4 kommen?«
»Natürlich!
Ligsalz 4, Schwarz wie Weiß!«
»Na, ned
schwarzweiß! Bloß Schwarz!«
»Iss
scho recht! 4 Schwarz.«
»Na, ned
vier schwarze! Einmal Schwarz, ich komme runter.«
»Herr
Schwarz kommt runter. Bin gleich da!«
Mann
ist der Anstrengend! Besoffen oder bekifft? Will er mich verarschen? Macht sich
da einer einen Spaß? Werden wir gleich sehen. Ich springe ins Auto und fahre
über die gerade auf grün geschaltete Ampel nach links und ein paar Meter weiter
wieder links. Vor der Nummer 4 halte ich an und warte. Als zwei Minuten später
immer noch keiner runter kommt steige ich aus und schaue mir die Namen auf den
Klingeln an. Weder Schwarz noch Weiß, noch Schwarzweiß. »So ein Mist! War’s
also doch ´ne Verarsche!« Ich gehe zurück zum Taxi und fahre dann zurück zum
Stand. Gott sei dank steht da keiner! So komme ich hoffentlich schnell weg.
Tatsächlich geht das Standplatztelefon kurze Zeit später. Ich gehe ran und
melde mich mit:
»Taxi
Ganghofer, guten Abend!«
»Hallo!
Schwarz mein Name. Kommen Sie bitte in die Ligsalz Nummer 4.«
»Warum
sollte ich das?«
»Weil
ich ein Taxi brauche!«
»Ah ja!
Wollten Sie nicht vorhin runter kommen?«
»Bin
ich auch, aber Sie waren weg.«
»Und
warum steht der Name Schwarz nicht auf der Klingel? Weder Schwarz noch Weiß
noch Schwarz-weiß.«
»Ich
bin neu zugezogen und mein Name steht noch nicht auf der Klingel.«
»Das
soll ich Ihnen glauben? Was für ein Name steht denn an der Tür?«
»Rot!«
»Rot?
Machen wir jetzt ein Farbenspiel?«
»Nein.
Schwarz und Weiß sind keine Farben, aber Rot ist eine!«
»Wissen’S
was? Bestellen Sie sich woanders ein Taxi oder stellen Sie sich auf die Straße
und winken Sie sich eins oder kommen Sie rüber zum Stand. Ich komme garantiert
nicht mehr hin!«
So! Das
hat jetzt gepasst. Ich lege auf und gehe zurück zum warmen Auto.
Nach
gefühlten zwei Minuten ertönt es aus dem Funkgerät:
»Ganghofer!«
»980
Aloa!«
»980,
Ligsalz 4, Schwarz.«
Wie
bitte? Geht die Verarsche jetzt weiter? Spinnt der Typ? Hat er nichts Besseres
zu tun als Taxler zu schikanieren? Fühlt er sich so einsam? Ist er dermaßen
bekifft oder betrunken das er nicht weiß was er tut?
»980,
hätten Sie die Freundlichkeit zu wiederholen?«
»4 Schwarz!«
Ich
gehe gleich auf K4 und schildere der Zentrale was vorhin passiert ist. Die
geben sich erstaunt und lachen sich im Hintergrund einen ab.
»Moment,
wir haben eine Handynummer da. Wir rufen da mal an.«
Kurze
Zeit später ist der Kollege wieder da und meint:
»Er
beharrt dass er ‚Schwarz’ heißt und auf der Klingel ‚Rot’ steht. Hätten’S die
Freundlichkeit dahin zu fahren um zu sehen was los ist? Sie kriegen auch einen
Ausgleich wenn’s aus der Fahrt nix wird. Aufträge haben wir genügend da.«
Also
fahre ich noch mal hin. Jetzt steht tatsächlich jemand vorm Eingang und raucht.
Als ich vorfahre mache ich das Fenster runter und frage:
»Schwarz
wie Weiß wie Schwarzweiß wie Rot?«
»Genau
der bin ich!«
Mein
Gott was für eine schwere Geburt! Während er ums Auto geht um einzusteigen,
melde ich der Zentrale auf K4 dass ich den Fahrgast aufgenommen habe.
Er
steigt lächelnd ein und gibt als Fahrziel das ‚Marktstadl’ an. Als ich losfahre
fügt er noch hinzu: »Das war aber eine schwere Geburt!«
Soll
ich jetzt was dazu sagen oder nicht? Soll ich ihm an die Gurgel springen? Saki
hätte ihm bestimmt was zugeflüstert. Ich spüre wie er in einer Blase über mir
schwebt und was sagen möchte, es doch nicht tut weil ich verärgert nach oben
gucke und er samt Blase verschwindet.
»Ja, war
es! Verwirrendes Farbenspiel.«
Er
lächelt und sagt: »Schwarz und Weiß sind keine Farben, also war es auch kein
Farbenspiel!« Ich werfe ihm einen Blick zu der töten könnte und fahre vor zur
Schwanthaler und dann den Hügel runter, schieße über die Kreuzung und immer
geradeaus. Er summt und murmelt die ganze Zeit etwas, dass ich nicht verstehe.
Als wir ein paar Minuten später vorm Marktstadl stehen, verabschiedet er sich
sehr freundlich, bittet wegen der Verwirrung um Verzeihung, bezahlt und gibt
ein gutes Trinkgeld. Als er die Tür des Lokals aufmacht stürzen drei Frauen hinaus
die ihn beinahe überm Haufen rempeln und laut lachend „Taxi!!!“ rufen. Um
Gottes Willen denke ich mir. Bloß weg hier! Aber ehe ich reagieren kann hat
eine der Frauen ihre Hand schon am Türgriff und reißt die Tür auf.
»Einen
wunderschönen guten Abend der Herr! Oh und was für ein hübscher das ist! Mädels
schaut mal her! Ein so junger Bursche! Ist unser Glückstag heute!«
Meiner
scheint es nicht gerade zu sein, wenn es so weitergeht.
»Schönen
Abend die Damen! Wo darfst denn hingehen?«
»Kennst
den Bierhimmel?«
»Freilich!«
»Genau
do fahrst Du uns hi!«
Das
kann heute noch heiter werden! Taxiregel Nummer 3: Nach einer angenehmen Fahrt
folgt meistens eine anstrengende.
Ich
fahre die Westenrieder raus auf die Frauenstraße, dann über die Blumenstraße
Richtung Sendlinger Tor. Die Damen kichern albern und versuchen mich
anzubaggern.
»Hast
Du eine Freundin?« Gelächter und Gekicher.
»Nein.«
»Bist
Du schwul?« Lauteres Gelächter.
»Na,
wia kimmst denn do drauf?«
»Na so
hübsche Männer wie Du einer bist sind entweder besetzt oder schwul.«
»Jaja,
und Frauen sind entweder besetzt oder beschissen! Weder noch! Kann für andere
stimmen, für mich aber nicht.«
»Dürfen
wir Dich auch in Naturalien bezahlen?«
»Ich kiffe
nicht!«
»Nein,
nicht mit Grass, magst Du nicht mit uns drei eine Orgie feiern?«
Was ist
los? Wie ziehe ich mich jetzt aus der Affäre? Warum habe ich nicht einfach
behauptet ich sei schwul? Das habe ich doch öfters gemacht und bin immer gut
davon gekommen. Mist!
»Meine
Religion verbietet es mir.«
»Deine
Religion? Welche Religion verbietet es Sex mit jemandem zu haben?«
»Hamma
in da Schui ned o’passt?«
Die
Damen schauen sich fragend an und wissen nicht was los ist.
»Gefallen
wir Dir nicht?«
»Habe
ich das gesagt?«
»Nein,
aber gedacht!«
»Kannst
Du Gedanken lesen?«
»Ich
bin eine Frau. Ich habe den 6. Sinn. Übersinnliche Kräfte. Ich spüre so was.«
»Ah ja.
Bist Du also eine Hexe? Willst Du mich verzaubern und in einen Frosch
verwandeln?«
»Hexe?
Beschimpfst Du mich als eine hässliche Hexe?«
»Ich
habe nicht hässlich gesagt. Ich sagte Hexe, aber nicht hässlich. Wie man im
Fernsehen sehen kann gibt es äußerst hübsche Exemplare.«
»Wir
gefallen Dir nicht!«
»Habe
ich das gesagt?«
»Nein
aber gedacht! Würden wir Dir gefallen, würdest Du mit uns ins Bett hüpfen
wollen. Da Du aber nicht mit willst, bedeutet es dass wir Dir nicht gefallen.«
Verstehe
einer die Frauen!
»Also
ich sagte dass meine Religion es mir verbietet, nicht dass Ihr mir nicht
gefällt.«
»Und
welche Religion ist es?«
»Die
Katholische! Im Katechismus steht geschrieben, dass man Ehelichen Beischlaf nur
zur Fortpflanzung haben soll. Nicht zum Spaß. Der Papst verurteilt auch
voreheliche Bettgeschichten und ist gegen Kondome. Da ich ein sehr gläubiger
Mensch bin und nicht in der Hölle landen möchte, befolge ich die Ratschläge des
Papstes. Amen!«
»Und Du
bist Dir sicher dass Du nicht mit uns gehen möchtest?«
»Ganz
sicher! Außerdem ist es auch gegen den Numismatismus!«
»Gegen
was?«
»Hamma
wiada ned in da Schui o’passt?!«
»Verarscht
Du uns etwa? Spuist den Oberschlau’n?«
»Eine
der Regeln des Numismatismus besagt, dass man keinen Sex während der Arbeitszeit
haben darf. Generell ist die Arbeitszeit mit Arbeit zu füllen und zu nutzen.
Alles andere kann man nach der Arbeit machen. Zuerst die Arbeit, dann das
Vergnügen!«
»Oiso
derf ma Di späta o’rufa?«
»Morgen
früh so gegen 6.«
»Sex
ist immer gut!« sagt eine der Damen und alle kichern drauf los. Gott sei dank
kommen wir beim Bierhimmel an und sie vergessen nach meiner Nummer zu fragen.
Zahlen und steigen mit mühe aus. Der Alkoholpegel scheint sehr hoch zu sein und
das schon am frühen Abend! Da bin ich aber noch glimpflich davon gekommen. Eine
Orgie mit dem Trio hätte ich bestimmt nicht überlebt. Die scheinen wilde
Absichten zu haben und leicht ausgehungert zu sein. Dazu noch der Alkohol und
man vergisst sämtliche Hemmungen.
Warum
ist der Bierhimmel eigentlich ein Kellerlokal? Mit dem Namen sollte man unters
Dach ziehen, wie das Café am Glockenspiel, das ganz oben ist. Dazu Hacker
Pschorr als Sponsor und Lieferanten mit der dazugehörigen Werbung, weißblauer
Deckendekoration, Aloisius von der Decke hängend und man würde sich wirklich
wie im Bierhimmel fühlen.
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