Es war
mein zweites Jahr in England, in Kingston Upon Hull in East Yorkshire. Ich war
Single und kehrte nach den langen Sommerferien mit einem Auto voller Sachen,
den Taschen voller Geld (arbeitete den ganzen Sommer über) und mit viel
Hoffnung im Gepäck auf ein erfolgreiches Jahr, beruflich wie privat. Ich hatte
ein Gefühl dass ich die Frau meines Lebens kennenlernen würde. Da ich zu früh
ankam, waren nur der Warden, eine Art Aufpasser, von der Morgen Hall da und
seine Assistentin. Sonst kein einziger Student. Der Warden machte mir Vorwürfe,
beschwerte sich und schrie mich an weswegen ich schon da sei, was das soll und
ich müsste erst in zwei Stunden ankommen, etc. Was kann ich dafür dass die
Fähre aus Rotterdam so früh anlegt? Vom Hafen bis zum Studentenwohnheim nach
Cottingham, einem Vorort von Hull und außerdem Großbritanniens größtes Dorf, ist
es nicht mal eine halbe Stunde mit dem Auto. Nach vielen Drängen gab mir der
Jammerlappen von einem Warden meine Schlüssel und zeigte mir weder Zimmer noch
Gebäude. Ich musste selbst danach suchen und brachte langsam alle meine Sachen
nach oben, ging raus auf dem Balkon, schaute mir die wunderschöne Landschaft an
die sich vor mir erstreckte, nahm mein Mobiltelefon und rief Pappous, einen
sehr guten Freund von mir an. Da er schon seit einer Woche in Hull war, fuhr
ich zu ihm. Wir verbrachten den ganzen Tag zusammen. Gingen in die Bibliothek,
in die Stadt, besuchten andere Freunde von uns, gingen spazieren, essen, usw.
Irgendwann nachts um drei kam ich nach hause und legte mich hundemüde ins Bett.
Pappous
war einer der Ersten von den Leuten die ich im Jahr davor kennenlernte. Ich kam
wie auch dieses Jahr zu früh an, bloß damals war ich einen ganzen Tag früher da
und Needler Hall, das Studentenwohnheim in dem ich ein Jahr wohnen würde war
fast leer. Nur das Personal war da und eine Handvoll älterer Studenten die am
darauffolgenden Tag den Neuligen helfen sollten. Ich lernte sie alle kennen und
weil ich nach über 24 Stunden auf den Beinen und einer extrem langer Reise
hundemüde war, legte ich mich frühzeitig schlafen. Als ich am nächsten Morgen
aufwachte, war um mich herum die Hölle los. Die Ankunft der 170 Studenten war voll
im Gange. Als ich in den Garten hinausging stand Pappous direkt vorm Eingang
und unterhielt sich mit Bryan. Da ich Bryan vom Tag davor kannte stellte er uns
vor. So wurden Pappous und ich mit der Zeit beste Freunde.
Pappous
ist Grieche und sein wirklicher Name ist Giannis. Sein Spitzname bedeutet Opa.
Der wurde ihm mal verliehen weil er sich ständig damit aufbrüstete alles zu
wissen und alles zu kennen weil er schon ein Jahr vorher in Hull war. Bei jeder
unserer Neuentdeckungen die wir uns Neulinge beim Abendessen erzählten, sagte
er immer: Wie, das habt ihr nicht gewusst? Wie, das habt ihr heute erst
entdeckt?
Als ich
am nächsten Morgen aufstand und in die Küche ging, stand dieses süße und
bezaubernde Wesen mit dem gewissen Etwas vor mir. Sie erschien mir wie ein Wesen
von einem anderen Stern. Das Glitzern und Strahlen in ihren Augen, diese dunkle
und lockige Haarpracht, diese schmalen, länglichen und zarten Lippen die ihr
Gesicht schmücken, die dunkle Hautfarbe die mir so gefällt… Da ich auf einer
Wolke der Glückseligkeit schwebte, weil ich froh war wieder zurück in Hull zu
sein, zurück an der Uni, zurück zu meinen Freunden, stellte ich mich ihr mit
einem breiten Grinsen vor und gab ihr zum Gruß die Hand. Nach ein wenig
Smalltalk erzählte sie mir dass sie Sprachen studiert und Deutsch ihre
Hauptsprache sei. Super! Sagte ich. Ich komme aus Deutschland und wäre gerne
bereit Dir jederzeit zu helfen. »Da wir „Next door neighbours“ sind, kannst Du
jederzeit bei mir anklopfen.«
Ich
schaute sie noch kurz an und fühlte mich magisch von ihr angezogen. Das hatte
ich noch nie bei einer Frau. Es waren nicht nur die berühmten Schmetterlinge,
es rumorte, es brodelte, ein Gefühl das ich so nicht kannte, etwas Neues für
mich. Irgendwas in mir, mein Bauchgefühl oder was auch immer sagte mir ich sollte
den ersten Schritt wagen und würde es nicht bereuen. Wenn ich es nicht täte, würde
ich mir ewig Vorwürfe machen und das ganze Jahr über Single bleiben oder mich
wie gehabt mit irgendwelchen hirnverbrannten Tussis rumplagen. Sophie schien
alles in einer Person zu vereinen: Intelligenz, Herz, Manieren,
Ernsthaftigkeit, gutes Aussehen. Ich war einfach baff, sprachlos und unsicher.
Sicher war ich mir nur über das Gefühl sie haben, sie erobern zu wollen. Da
klingelte aber mein Handy und mein Kumpel Pappous war dran. Also verabschiedete
ich mich und ging. Wie am Tag davor blieb ich den ganzen Tag weg und kehrte
erst in den Morgenstunden wieder heim.
Ich
schlief ein paar Stunden und als ich aufstand ging ich ins Bad. Da kam mir
Sophie im Bademantel entgegen. Ich war hin und weg von ihrem selbstsicheren
Auftreten und ihrer Erscheinung. Ihre Haarpracht schwebte hinter ihr her und
ein süßlicher Duft stieg mir in die Nase. Mein Bauchgefühl (oder war es doch
mein Schwanz?) verstärkte sich und schrie nur noch heraus dass ich sie nicht
gehen lassen soll. In der Tat hörte ich auf mein Gefühl und verwickelte Sophie
in ein Gespräch. Kurz danach musste sie gehen. Die nächsten Tage sahen wir uns
kaum aber sie ging mir nicht aus dem Kopf. Ich versuchte mehr über sie
herauszufinden und dachte mir eine Strategie aus wie ich ihr Herz erobern sollte
und konnte. Auf die normale einfache und plumpe Tour wie bei jeder x-beliebigen
Studentin in ihrem Alter, würde bei ihr nicht funktionieren. Die Frau ist ihrem
Alter weit voraus. Ich muss den Intellektuellen, den Gebildeten raushängen, den
Mann von Welt, den reifen Menschen, nicht den kindischen Studenten von denen es
hier genug gibt, und mit gewitzten Wortspielereien ihr Herz gewinnen. Was ich
als erstes machte, war ihr den Spiegel, Focus oder die Süddeutsche vor die Tür
zu legen. Ab und zu lag auch vor meiner Tür eine deutsche Zeitschrift oder
Zeitung, meistens die Frankfurter Allgemeine. So vergingen die ersten zehn
Tage. Langsam sahen wir uns öfter und kamen uns näher. Ich merkte aber wie sie
abblockte, vor irgendetwas Angst hatte. War es der Altersunterschied von fünf
Jahren? Meine Herkunft? Hatte sie kurz vorher eine andere Beziehung und wollte
so schnell keine Neue eingehen? Sie wusste es selber nicht, sagte sie mir
einmal und sprach mit Karen unserer Nachbarin über mich, dass ich ihr seit
Wochen den Hof mache, sie mich aber nicht will, dass ich ihr auf die Nerven
gehe und Angst bereite. Karen kannte ich nur flüchtig und ich wusste dass sie
auf meinem Kumpel George stand. Er stand leider nicht auf sie. Sie hatten
dennoch eine kurze Beziehung die George nach ein paar Monaten beendete und
Karen mit zerbrochenem Herzen zurückließ.
Nach
fast drei Wochen des Werbens und nicht Lockerlassens, küssten Sophie und ich uns
an einem Montagabend kurz vor Geisterstunde in meinem Zimmer. Sie brachte mir
eine Zeitung vorbei und ich lud sie hinein. Wir setzten uns auf mein Bett und
redeten und redeten. Im Hintergrund liefen „Portishead“ und zauberten mit ihrer
Musik eine fantastisch entspannte und mysteriöse Atmosphäre. Die Stimme der
Sängerin Beth Gibbons klingt so zerbrechlich, so melancholisch, so verträumt,
dass sie einen auf eine Reise in entfernte Klangwelten mit nimmt und einen aus
dem Heute und Jetzt entführt. Irgendwann, beduselt von der Musik, von der
unglaublichen Aura Sophies und müde vom ganzen Reden, beugte ich mich zu ihr
rüber und küsste sie. Warum ich, und was mich dazu verleitet hat diesen Schritt
zu machen und zu wagen, kann ich nicht erklären. Ich hatte und habe nie den
ersten Schritt bei einer Frau gemacht. Ich wartete immer bis die Frauen zu mir
kamen. Ich hatte bei keiner das Gefühl „Sie ist es!“ Alle meine Beziehungen
waren kurz und enttäuschend. Mit Sophie sollte alles anders werden.
Bevor
ich Dich kennenlernte Sophie war ich ein Nichts, ein Niemand. Ein Getriebener,
ein durch die Nacht und durch die Weltgeschichte gepeitschter. Ständig und
rastlos auf der Suche nach irgendwas. Nach irgendwas von dem ich nicht wusste
was es ist. Ich hatte keine Ahnung was ich suchte und wo ich damit hätte
anfangen sollen. Ich, um es mit den Worten von Henk Moody, der Hauptfigur aus
der Serie Californication zu sagen, ertrank und versank ich in einem Meer von
Muschis. Ich wanderte heillos und hilflos durchs Leben, nicht wissend was mir
fehlte. Ich war unsicher, es gab nur mich den großen Egoisten, meine Freunde, meinen
Beruf und mein Vorankommen. Frauen kamen und gingen, keine gab mir das wonach
ich suchte, was ich brauchte. Sie waren für mich wie Spielzeug für kleine
Kinder oder wie ein Instrument für einen Musiker. Ein neues Spielzeug oder
Instrument das solange gespielt wird bis es langweilig wird. Dann wird es in
die Ecke geschoben und ein Neues wird angeschafft. Ich war ein Einzelgänger der
Angst davor hatte sich zu binden, zu verpflichten. Meine Panik und meine Angst
vor einer Bindung gingen soweit dass ich nicht mal einen Mobilfunkvertrag hatte
aus Sorge nicht rechtzeitig kündigen oder nicht vorzeitig herauskommen zu
können. Festnetz hatte ich auch nicht weil es nur für Warmduscher ist und ich
öfters umziehe. Die einzigen Verträge die ich habe sind Kfz-Versicherungen und
die Mitgliedschaft in einem großen Autoclub. Ich wollte frei sein und merkte
nicht wie mich dieser Drang immer mehr einengte und versklavte. Mit diesem Drang
zur Freiheit erreichte ich das genaue Gegenteil. Ich war mit meiner Suche nach
diesem etwas Besonderem so sehr beschäftigt dass ich nicht merkte wie gefangen
mich diese Sucherei machte. Das Leben prasselte an mir, lief an mir vorbei ohne
dass ich wirklich daran teilnahm. Bevor ich Dich kennenlernte nahm ich nichts
ernst, kam mir alles langweilig, ohne Substanz, seelenlos und ohne Bedeutung
vor. Den Sinn suchte ich in Muschis, Alkohol, Zigaretten und Gras. Rauchte um
mich zu beruhigen, soff um Spaß zu haben, kiffte und fickte um mich zu
entspannen und mich auszutoben, meine Energie freien Lauf zu lassen. Dass ich
mich dabei zu Grunde richtete merkte ich nicht. Bevor ich Dich kennenlernte war
ich wie ein wilder Stier, immer zum Angriff bereit. Jetzt bin ich das geworden
was ich immer belächelte aber insgeheim werden wollte. Kein Pantoffelheld aber
ein in einer festen Beziehung gebundener. In Dir habe ich die Person gefunden
die mir Paroli bietet, die mich zurechtstutzt, die mich auf dem Boden
zurückbringt wenn ich mal abhebe. Du bist die Person die mich auf den richtigen
Pfad geführt hat und bei der ich mich nicht verstellen muss und mich wohl und
sicher fühle. Ich habe das Gefühl angekommen zu sein, einen Sinn und einen
Grund wofür es sich zu leben lohnt gefunden zu haben. Bei Dir und mit Dir habe
ich zum ersten Mal mein Herz geöffnet und meinen Gefühlen freien Lauf gelassen.
Das hat vor Dir keine und keiner geschafft. Neben Dir Sophie, stehe ich in
Flammen.
In der
Tat Verliebten wir uns heftig in einander und konnten uns kaum trennen. Wir
schliefen die ersten Nächte zusammen in einen Einzelbett und stellten später
ihr Bett neben meinem und machten ein Doppelbett daraus. Unsere Liebe war
heftig, stark und krank. Da diese Beziehung für uns beide die erste richtige
war, machten wir so ziemlich alles falsch was man falsch machen kann. Ich
fühlte mich nach einer Weile von ihrer Liebe erdrückt, und wollte – typisch
Mann, ausbrechen. Ich versuchte mir Freiraum zu schaffen. Das ging aber nicht
mehr. Sophie nahm mir vorher jeglichen Freiraum weg und wollte mich ganz für
sich haben. Ihre Liebe schlug in Paranoia über und jede Frau die mich anlächelte,
mich anschaute oder irgendwie in meiner Nähe kam war automatisch eine
Konkurrentin. Das ließ sie den Frauen und vor allen mich spüren. Sie machte mir
ständig Szenen, sie warf mir vor ich würde sie nicht lieben, ich würde sie
betrügen und verlassen wollen, denn auch ich bin ein Schwein wie alle anderen
Männer auch, und so weiter und so fort. Sie schrie mich auch mitten in der
Nacht an, warf mit Dingen gegen die Wand oder vom Balkon runter und wurde sogar
handgreiflich. Sie warf mir vor nicht zu wissen wer oder was ich gerne sein
würde. Es sei meine Unentschlossenheit die mich paralysiert und ihr weh tut.
Sie könne meine Unruhe, meine Rastlosigkeit fühlen. In einen Moment will ich
sie und dann vergeht der Moment und ich werde zu einer Art Geist. ‚Ich liebe
Dich’ seien Wörter die ich nicht nur so dahin sage, sondern auch meine und
fühle. Bloß manchmal scheine ich weit weg zu sein und diese Wörter, dieser Satz
klingt hohl und unwirklich.
Meine
Freunde und unsere Nachbarn fragten mich oft wie ich sie ertragen kann und
warum ich nicht einfach Schluss machte. Ich wollte und konnte nicht Schluss
machen weil ich sie endlos liebte und immer noch liebe und weil ich glaubte sie
ändern zu können. Das Beste in unserer Beziehung war der Sex. Als sie so
geladen war ließ sie ihre ganze Energie, Frust und Ärger im Bett raus. Außerdem
sah sie meine vorherigen Beziehungen als Konkurrentinnen an und wollte viel
besser sein als sie, weil sie Angst hatte ich könnte doch noch für die Eine
oder Andere was empfinden und sie deswegen verlassen. Was ein absoluter Quatsch
ist. Ich genoss den grandiosen Sex in vollen Zügen und war danach meistens
geplättet und konnte mich nicht mehr bewegen. Ich brauchte einige Zeit um mich
wieder zu regenerieren. Sophie aber war kurze Zeit später wieder bei Sinnen und
anstatt sich zu beruhigen warf sie mir wieder irgendwas vor. Wie z.B. als ich
vor einiger Zeit in einer Buchhandlung sagte dass mich die Harry Potter Bücher
nicht interessieren, wollte aber einige Zeit später den Kinofilm sehen, was ich
auch tat und er gefiel mir sogar sehr und wollte deswegen auch die Bücher
kaufen. Sie indes, überlegte, sehr kompliziert wie Frauen nun mal überlegen,
dass wenn ich meine Meinung über Harry Potter änderte, auch meine Meinung über
sie ändern, sie verlassen und eine Beziehung mit einer Anderen, womöglich mit
einer Ex eingehen würde. Darauf gab’s Streit und danach grandiosen stundenlangen
Sex quer durchs Kama Sutra und sogar unter der Dusche.
Ihr
Vater ging mal fremd, ihre Mutter fand es heraus, warf den Vater auf die Straße
und schildert seitdem ihrer Tochter wie schlimm die Männer doch sind. Nach so
einem Trauma, kam bei mir mein Psychologeninstinkt heraus und ich wollte Doktor
spielen. Wir führten sehr lange Gespräche und ich musste ihr hoch und heilig
versichern dass ich nicht fremd gehen und immer nur sie lieben würde. Sie
glaubte mir nicht und war ständig misstrauisch. Wenn ich mal mit meinen Kumpels
ausging rief sie mich sehr oft an um zu fragen wie es mir geht, wo wir sind,
was wir machen und wann ich zurück sein werde. Wenn ich nicht ranging, schickte
sie mir Kurznachrichten in denen sie mir sagte wie sehr sie mich vermisse. Ihr
gefiel nicht dass wir keinen gemeinsamen Freundeskreis hatten. Ihre Freunde
hatten einen, warum wir nicht? Die Gründe dafür sind: ich kann manche ihrer
Freunde nicht leiden, wie Claire zum Beispiel. Viele meiner Freunde sind Single
und männlich und wollen nicht mit Pärchen ausgehen, außerdem wollen die mit mir
ausgehen und über alles frei reden können (z.B. Frauen, neue Eroberungen,
Autos, Männerprobleme, etc.), das können die nicht machen wenn sie dabei ist.
Ein großer Teil meines Freundes- und Bekanntenkreises ist international und da
ich verschiedene Sprachen beherrsche (sie leider nicht) parliere ich mit denen
in einer für Sophie fremden Zunge. Das gefällt ihr wiederum nicht, weil sie
nichts versteht und glaubt wir reden und lästern womöglich über sie. Dann wird
sie eifersüchtig und will dass wir entweder Englisch reden oder ich ihr alles
übersetze. Außerdem, und ich gebe es zu, bin ich auch typisch Mann und will
meine Freiheit, zumindest für ein paar Stunden. Die Regel mit den getrennten
Freundeskreisen gefällt ihr zwar überhaupt nicht, funktioniert aber sehr gut
und ist, glaube ich auch vernünftig. Jeder kann mit seinen Freunden ausgehen
wann auch immer er mag und muss dabei keine Angst haben etwas Falsches zu sagen
oder zu machen. Man muss sich auch nicht langweilen wenn einem ein Freund oder
Bekannter des Partners nicht gefällt. Die Freunde müssen sich auch nicht
verstellen und falschen Respekt vorheucheln. Außerdem finde ich diese Pärchencliquen
zum Kotzen.
Im
Jetzt-Magazin der SZ stand vor langer Zeit ein Bericht über Paare und Pärchen.
Der Unterschied ist: Benny und Anne – BennyAnne. Das erste ist ein Paar weil
die immer noch zwei Individuen sind, jeder hat und führt sein eigenes Leben und
unternehmen trotzdem viel zusammen, haben einen gemeinsamen Freundeskreis und
darüber hinaus eigene Freunde. BennyAnne andererseits haben ihre Individualität
abgegeben und sind jetzt Eins. Sie machen alles gemeinsam. Schlafen und wachen
gemeinsam auf, frühstücken zusammen, treffen sich wenn’s geht in der Mittagspause,
gehen zusammen in den Supermarkt, verbringen sämtliche Freizeit zusammen,
benutzen sogar das Badezimmer zur selben Zeit, haben keine Intimsphäre und man
kriegt sie nur im Doppelpack. Sie reden immer im Plural. WIR müssen für eine
Prüfung lernen, WIR müssen zum Arzt, WIR müssen in die Werkstatt. Einen alleine
kann man nicht treffen. Falls man es doch irgendwie schafft, redet derjenige
nur von seiner Beziehung und ehe man sich versieht steht sein Partner auch auf
der Matte. Dann fangen die an sich sofort zu küssen und zu liebkosen und sagen
sich ständig „Ich liebe Dich“ und „Ich habe Dich sooooooooo vermisst“. Erbrechen
könnte man davon! Natürlich sind BennyAnne fast jeden Abend irgendwo zum Essen
eingeladen, z.B. bei WernerMareike, bei ChristianSandra oder bei AnkeFrank. Und
wenn so ein Pärchen mal auseinander geht, dann zerbricht auch der
Freundeskreis. Gemeinsam was unternehmen geht da nicht mehr. Gerade dann nicht
wenn Benny oder Anne einen neuen Partner hat. Was passiert wenn Anne mit Benny
Schluss macht, sie jemanden kennenlernt und ihn zum Essen bei WernerMareike
mitbringt? Der verflossene und immer noch an Liebeskummer leidende Benny sieht
die Beiden glücklich zusammen womöglich auch noch Hand in Hand, eng umschlungen
und sich auf dem Sofa küssend und dem armen Kerl blutet das Herz.
Nein,
in so einer Situation war ich noch nie (nicht ganz! Sah zufällig in einem Club
eine meiner Ex-Freundinnen mit ihren neuen Freund kurz nachdem sie mich zum
Mond schoss und es tat höllisch weh) und möchte nicht in so einer Situation
kommen. Den Freundeskreis zu verlieren ist schlimmer als den Partner zu
verlieren. Der Herzschmerz vergeht nach einer Weile, neue Freunde findet man
aber nicht so leicht.
Sakis
Meinung zu den Pärchen ist: sie gehören gesteinigt, gepeinigt, getötet. Weg mit
ihnen, mit diesen erbärmlichen Anblick, mit dieser Gefühlsduselei, mit dieser
in aller Öffentlichkeit zur Schau stellender Beziehung die den Anderen
vermitteln will wie glücklich verliebt die beiden Turteltäubchen auf der
U-Bahnbank doch sind. Es interessiert wirklich keine Sau und keiner will es
sehen. Außerdem wird an die große Masse derjenigen nicht gedacht die entweder
an ein zerbrochenes Herz leiden oder seit längerem alleine sind und keinen
Partner finden können und sich nach einer Beziehung sehnen.
»Tötet
Onkel Dittmeyer!« schrie Saki mal sturzbetrunken in der U-Bahn beim Anblick
eines knutschenden Pärchens.
»Du
bist im falschen Film Saki! Und was hat Onkel Ditt-meyer mit denen zu tun?«
»Scheiß
Telekom!« schrie er hinterher, worauf ich mich fragte was er auf einmal gegen
die Telekom hat und was die mit dem Pärchen zu tun hat. Schon war es zu spät.
Er ging auf das knutschende Pärchen zu und hielt denen einen Vortrag über das
zur Schaustellen der Gefühle und Gelüste und fragte sie ob sie sich mal
Gedanken darüber gemacht haben was ihre Knutscherei bei anderen Menschen
auslöse. Sie guckten Saki entgeistert und verängstigt an und schüttelten den
Kopf. Darauf folgte ein langer Vortrag und wir verpassten etliche Bahnen. Mir
war das ganze peinlich. Saki fühlte sich als Sieger als die Beiden ihm
bestätigten sich über die Wirkung der Knutscherei nicht im Klaren gewesen zu
sein, um Verzeihung bitten und hoch und heilig versprachen sich nie mehr in der
Öffentlichkeit zu knutschen.
Gewiss
habe auch ich in unserer Beziehung Fehler gemacht, ein Heiliger bin ich nicht.
Aber man kann über alles reden und versuchen eine Lösung zu finden, anstatt
sich sofort zu trennen.
Sherry
Argov schreibt und analysiert Mann und Frau in eines ihrer Bücher. Sie spricht
über die Unterschiede zwischen den Partnern. Vielmehr ist ihr Buch an Frauen
gerichtet. Sie schreibt dass es für Männer zwei Typen von Frauen gibt. Die
Nette und das Biest. Das Biest kriegt die besten Männer und schafft dass sie
ihr aus der Hand fressen, die Nette verkommt irgendwann zur Zimmerdekoration
und wird verlassen. Sophie war eine Mischung aus beiden. Hure im Bett (genau
das was laut Sherry wir Männer wollen, brauchen und suchen) und ansonsten aber
eine Nette die mir öfters auf den Geist ging und mir das Gefühl gab Reißaus nehmen
zu müssen. Da ich aber sehr, sehr verliebt war (und immer noch bin), der Sex
der Beste meines Lebens war und sie mich geistig forderte und Gott sein dank
nie bemutterte, gab es keinen Anlass sie zu verlassen. Für mich ist sie immer
noch und trotz alledem die Traumfrau schlechthin. Die Frau mit der ich alt
werden möchte. Bin ich paranoid? Masochistisch veranlagt? Habe ich irgendeinen
Komplex? Mag sein. Wo soll ich eine andere wie sie denn finden? Da wir Männer
schwanzgesteuert sind (so heißt es) suchen wir nach der Frau die uns den
perfekten Sex bieten kann. Wenn wir sie gefunden haben – ein paar
Nebensächlichkeiten wie Charakter, Aussehen, etc. müssen auch passen, wollen
wir sie nicht wieder hergeben. Wenn Flaute in der Kiste herrscht, und das tut
es meistens, gehen wir zu den Professionellen, weil die uns jeden Wunsch
erfüllen und nicht rumzicken. Außerdem wissen die was uns Männern gefällt und
wie beim Werkstattmeister, sitzt auch bei denen jeder Handgriff.
“So don’t make me blue when I write to you
From Sarah with love…”
Leider
schreibt sie nicht mal eine Kurznachricht. Ich schließe die Fenster, drehe die
Lautstärke runter, wische mir die Tränen von den Augen, versuche mich zu
konzentrieren, mich zu fassen und auf andere Gedanken zu kommen. Was nützt es
mir ständig an Sophie zu denken und traurig zu sein? Das Leben geht weiter, die
Zeit heilt alle Wunden, heißt es. Michael Mittermeier meint, dass man das erste
Mal, bzw. den ersten Freund bzw. Partner nie vergisst. Da kann nach dem Ersten
kommen wer will, man vergisst sie alle. Der Erste bleibt ewig im Gehirn
eingebrannt. So wie mit Neil Armstrong, dem ersten Menschen auf dem Mond. Wer
kann sich an den zweiten, an Buzz Aldrin erinnern? Eben! Keiner! Meine Befürchtung ist dass ich
Sophie nie vergessen werde, alle anderen Frauen mit ihr vergleiche und ständig
auf der Suche nach jemandem wie sie sein werde.
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