Dann fahre ich ein paar Meter vor
und biege rechts in die Klopstock um nachzudenken wohin ich jetzt fahren
könnte.
Ich zünde mir eine an, drehe das
Fenster ganz runter, schaue dem Schneetreiben zu, drehe den Funk etwas lauter,
ziehe tief an der Kippe und als ich ausatme ruft die Zentrale:
»Für
Rümann, Telefonzelle!«
Soll ich mich melden oder
weiterrauchen und den Auftrag sausen lassen?
»Für
Rümann, Telefonzelle! Für Rümann Telefonzelle! Is koana in da näh? Mei, was is
denn heit los? Muaß i fia ois bettln?«
»Ach
mist!« denke ich mir. Nicht mal in Ruhe
rauchen kann man. Ich schnappe mir das Mikro und melde mich mit:
»980
in der Klopstock, direkt vorm Bowling!«
»980,
Rümann an der Telefonzelle Herr Unterhuber!«
»Telefonzelle,
Unterhuber!«
Ich nehme noch einen tiefen Zug,
schmeiße die Kippe aus dem Fenster und höre Saki laut schimpfen: „WOFÜR GIBT’S
ASCHENBECHER, MANN!“ Fahre dann vor bis zur Rümann und biege links ab. Der Herr
steht mit seiner Frau tatsächlich in der Zelle und winkt als er mich sieht. Die
beiden kommen raus als ich direkt davor zum stehen komme. Jetzt erkenne ich die
beiden wieder. Es ist ein Rentnerehepaar das ich öfters von der Wirtschaft nach
hause gefahren habe und jedes Mal brachte der Herr den gleichen Witz als wir in
die Straße abbogen:
»Bei
der Telefonzelle dürfen Sie stehen bleiben, da wohnen wir!« und lachte. So langsam glaube ich es, dass die
tatsächlich in der Zelle wohnen.
Die beiden steigen ein, klare
Geschlechtertrennung, er vorne, sie hinten und geben als Fahrziel „Kasperltheater“
an.
»Ha?
Wohin bitte?«
»Schleißheimerstraße,
Richtung Petuelring, kurz vorm Penny!«
»Ah
ja, jetzt weiß ich es wieder.«
Ich drehe um, fahre zurück zur
Belgrad, dann runter zur Karl-Theodor und dann rechts in die Schleißheimer nach
Norden. Währenddessen fragen mich die Beiden aus. Was ich so mache, warum ich
gerade heute arbeite, ob ich nichts Besseres zu tun hätte und die finden es
toll dass wir endlich mal weiße Weihnachten haben. Sie sind der Meinung dass
Schnee und Weihnachten zusammen gehören und finden es schade dass es weitaus
grüne als weiße Weihnachten gibt. Ob es an der Klimaerwärmung liegt? Saki hat
bestimmt einen Vortrag zu diesem Thema und ich sehe ihn förmlich in einer Blase
über mir schweben wie er seinen Zeigefinger erhebt und zu einem endlosen
Monolog ansetzt. In diesen Moment kommen wir beim Lokal an. Tja, Pech gehabt
Saki! Und weg ist die Wolke.
Vorm Lokal ist eine größere
Parklücke in die ich rein fahre. Als der Herr beim bezahlen ist geht von außen
die Beifahrertür auf und eine Frau grüßt den Herrn mit:
»Hallo
Süßer, lange nicht gesehen!«
»Oh
Tanja, welch’ eine Ehre!«
Ich drehe mich mit einem
fragenden Gesichtsausdruck zu seiner Frau um und erwarte eine Reaktion, eine
Eifersüchtelei oder so etwas. Aber sie lacht nur und sagt dass es seine
Schwester sei.
Zu kaufen gibt es das Buch hier: (öffnet im neuen Fenster)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen