Sonntag, 13. April 2014

Teil 11



Dann fahre ich ein paar Meter vor und biege rechts in die Klopstock um nachzudenken wohin ich jetzt fahren könnte.
Ich zünde mir eine an, drehe das Fenster ganz runter, schaue dem Schneetreiben zu, drehe den Funk etwas lauter, ziehe tief an der Kippe und als ich ausatme ruft die Zentrale:
»Für Rümann, Telefonzelle!«
Soll ich mich melden oder weiterrauchen und den Auftrag sausen lassen?
»Für Rümann, Telefonzelle! Für Rümann Telefonzelle! Is koana in da näh? Mei, was is denn heit los? Muaß i fia ois bettln?«
»Ach mist!« denke ich mir. Nicht mal in Ruhe rauchen kann man. Ich schnappe mir das Mikro und melde mich mit:
»980 in der Klopstock, direkt vorm Bowling!«
»980, Rümann an der Telefonzelle Herr Unterhuber!«
»Telefonzelle, Unterhuber!«
Ich nehme noch einen tiefen Zug, schmeiße die Kippe aus dem Fenster und höre Saki laut schimpfen: „WOFÜR GIBT’S ASCHENBECHER, MANN!“ Fahre dann vor bis zur Rümann und biege links ab. Der Herr steht mit seiner Frau tatsächlich in der Zelle und winkt als er mich sieht. Die beiden kommen raus als ich direkt davor zum stehen komme. Jetzt erkenne ich die beiden wieder. Es ist ein Rentnerehepaar das ich öfters von der Wirtschaft nach hause gefahren habe und jedes Mal brachte der Herr den gleichen Witz als wir in die Straße abbogen:
»Bei der Telefonzelle dürfen Sie stehen bleiben, da wohnen wir!« und lachte. So langsam glaube ich es, dass die tatsächlich in der Zelle wohnen.
Die beiden steigen ein, klare Geschlechtertrennung, er vorne, sie hinten und geben als Fahrziel „Kasperltheater“ an.
»Ha? Wohin bitte?«
»Schleißheimerstraße, Richtung Petuelring, kurz vorm Penny!«
»Ah ja, jetzt weiß ich es wieder.«
Ich drehe um, fahre zurück zur Belgrad, dann runter zur Karl-Theodor und dann rechts in die Schleißheimer nach Norden. Währenddessen fragen mich die Beiden aus. Was ich so mache, warum ich gerade heute arbeite, ob ich nichts Besseres zu tun hätte und die finden es toll dass wir endlich mal weiße Weihnachten haben. Sie sind der Meinung dass Schnee und Weihnachten zusammen gehören und finden es schade dass es weitaus grüne als weiße Weihnachten gibt. Ob es an der Klimaerwärmung liegt? Saki hat bestimmt einen Vortrag zu diesem Thema und ich sehe ihn förmlich in einer Blase über mir schweben wie er seinen Zeigefinger erhebt und zu einem endlosen Monolog ansetzt. In diesen Moment kommen wir beim Lokal an. Tja, Pech gehabt Saki! Und weg ist die Wolke.
Vorm Lokal ist eine größere Parklücke in die ich rein fahre. Als der Herr beim bezahlen ist geht von außen die Beifahrertür auf und eine Frau grüßt den Herrn mit:
»Hallo Süßer, lange nicht gesehen!«
»Oh Tanja, welch’ eine Ehre!«
Ich drehe mich mit einem fragenden Gesichtsausdruck zu seiner Frau um und erwarte eine Reaktion, eine Eifersüchtelei oder so etwas. Aber sie lacht nur und sagt dass es seine Schwester sei.

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