Montag, 14. April 2014

Teil 46



Ich fahre auf das Tankstellengelände und parke neben ein paar anderen Taxen. Nehme den Abrechnungsblock hinter der Sonnenblende hervor und schreibe die Daten vom Taxameter ab. Dann stecke ich den Abrechnungszettel mit dem Unternehmeranteil ich einen Briefumschlag, versiegle ihn, schreibe meinen Namen und Konzessionsnummer drauf, sammle alle meine Habseligkeiten und stelle sie auf dem Beifahrersitz, steige aus und strecke mich ausgiebig, gehe nach hinten zum Kofferraum, nehme meinen blauen Rucksack und lege alle meine Sachen rein und gehe rüber zu Tankstellenladen um die Abrechnung und den Taxischlüssel dem Tankwart zu geben.
Zu meiner Überraschung steht der Grieche immer noch hinter der Kasse. Der Laden sieht schäbig und dreckig aus. Sieht so aus als ob hier die ganze Nacht mächtig was los war. Auch Giotis sieht nicht mehr ganz frisch aus. Energielos blickt er in meine Richtung und reißt seine Augen auf als ob er einen Geist vor sich stünden sehe.
»Was ist los Grieche, machst Du freiwillig überstunden? Hättest Du nicht längst zu hause sein sollen?«
»Ach hör auf! Der Typ von der Tagschicht hat verschlafen und jetzt muss ich warten bis er kommt. Gott sei dank wohnt er nicht weit. Du schaust ziemlich fertig aus, mein Lieber! Magst Du was trinken? Was darf ich Dir spendieren?«
»Einen Whisky-Cola, oder mach besser zwei daraus!«
Er geht zum Kühlschrank und holt vier Whisky-Cola. Wir Prosten uns zu und nehmen einen tiefen Schluck. Reden darüber wie unsere Schichten waren und vertiefen uns ins Gespräch. Um die Uhrzeit gibt es keine Kunden mehr die stören könnten. Um 7:45 Uhr kommt endlich Johann von der Tagschicht. Wir gehen vor die Tür, bleiben kurz stehen und dann hole ich mein Rennrad. Giotis lässt seinen 5er BMW stehen weil er keine Winterreifen hat. Da wir in derselben Gegend wohnen beschließen wir zu Fuß nach hause zu gehen.
Wir verlassen das Gelände auf der Seite der Klosterhofstraße, bleiben kurz stehen, zünden uns eine an und blicken beide gleichzeitig zum Himmel. Es hat aufgehört zu schneien und der Himmel klärt langsam auf. Es ist immer noch sehr kalt, aber nicht unangenehm kalt. Wir biegen links ab und gehen durch den Unteren Anger in Richtung Papa-Schmid und Fraunhoferstraße. Keiner von uns sagt auch nur ein Wort. Langsam ziehen wir an unseren Zigaretten, schlürfen an den Whisky-Colas und schlendern durch den Schnee. Alles ist so still, so ruhig, nur das Knirschen des Schnees unter unseren Schuhen ist zu hören. Kein Vergleich zu dem Wetter das die ganze Nacht herrschte als die Schneestürme tobten und man sich den Urgewalten schutzlos ausgeliefert fühlte. Jetzt ist alles weiß, ruhig und leer. Als ob man auf einem anderen Planeten wäre. Die Luft ist rein und klar. Es ist ein Genuss sie einzuatmen, die Lungen damit vollzupumpen. Eine Frischzellenkur, ein Jungbrunnen im vergleich zur trockenen Heizungsluft des Taxis. Das Gehirn fängt trotz der Müdigkeit wieder an zu arbeiten und die müden Knochen werden wieder munter.
Eine Melodie geht mir wieder durch den Kopf. Es dauert etwas bis der dazugehörige Text dazukommt und die Melodie begleitet. Woher kommt das Lied? Aus irgendeinem Fenster? Nein, um uns herum ist keiner und alle Fenster sind zu. Ich fantasiere mal wieder, höre Stimmen und Geräusche die es nicht gibt. Kein Wunder bei der Müdigkeit. Mein Hirn ist zu Matsch geworden und ich kann nicht mehr klar denken.

Freude, schöner Götterfunken
Tochter aus Elysium,
Wir betreten feuertrunken,
Himmlische, dein Heiligtum!

Es ist faszinierend so durch den tiefen Schnee zu gehen mit einer Kippe und einem Whisky-Cola in der Hand und in Winterkleidung warm eingepackt. Es ist deutlich kälter geworden seitdem es aufgehört hat zu schneien, aber wir frieren nicht und genießen den Augenblick in einer Großstadt, in der normalerweise der Verkehr tobt und regelmäßig zusammenbricht, die Straßen voller Menschen sind und alles sehr laut ist, alleine durch die einsame Winterlandschaft zu laufen. Es ist irgendwie wie die Ruhe nach dem Sturm, als ob ein großes Tohuwabohu gerade zu ende ging. Außer uns ist keine Menschenseele unterwegs, nicht mal Autos, vereinzelt fährt ein vollbesetztes Taxi vorbei das die letzten Nachtschwärmer nach Hause bringt. Tram fährt heute keine, denn die Verkehrsbetriebe haben auf Grund der heftigen Schneefälle beschlossen die Tram und Busse im Depot zu lassen. Glück für die Fahrer die bei der Kälte und dem Wetter nicht mitten in der Nacht raus müssten um dann leer oder mit sehr wenigen Fahrgästen stundenlang durch die Stadt zu fahren. Auf uns wartet ein warmes Bett. Hätte ich, so wie Harry, ein Wasserbett das man auf eine bestimmte Temperatur einstellen kann, wäre ich noch glücklicher.
Üblicherweise hatten wir es immer eilig nach hause zu kommen. Nicht aber dieses Mal. Wir schlendern durch den tiefen Schnee ganz langsam und diverse Erinnerungen kommen auf, wie man als Kind sich immer weiße Weihnachten wünschte und jedes Mal enttäuscht war, wenn es nicht schneite. Man wachte jedes Jahr frühmorgens auf um aus dem Fenster zu schauen ob schon vielleicht Schnee lag und wenn ja, weckte man seine Eltern mit Riesenkrach und bettelte hinausgehen zu dürfen um Schlittenzufahren oder um Schneeballschlacht zu spielen. Und kurz darauf waren die Nachbarskinder auch draußen und man konnte nur lautes Kinderlachen hören, was viele ältere Leute auf die Palme brachte.
Ich kann mich noch erinnern wie wir draußen im Garten im tiefen Schnee in aller Herrgottsfrühe tobten, eine ältere Dame sich über dem Krach den wir machten aufregte und meine Eltern hinterm Fenster in der warmen Stube zu uns rüber schauten und schmunzelten.
Ich sehe den Griechen mit glitzernden Augen an und er kapiert sofort was ich vorhabe und sagt: »Komm ja nicht auf dumme Gedanken!«
Wir erreichen die Reichenbachbrücke und ich erinnere mich an den Lebensmüden. Ich erinnere mich auch an letzten Sommer als ich mit Sophie unten im Gras lag, den Himmel über uns betrachteten und über unsere gemeinsame Zukunft sprachen.
Wir durchqueren die Ohlmüllerstraße und eine Zeitlang später erreichen wir die große Kreuzung am Ostfriedhof. Dort bleiben wir kurz stehen, umarmen uns und wünschen uns frohe Weihnachten und eine gute Nacht und gehen getrennte Wege. Ich schwinge mich auf mein Rennrad und habe etwas mühe zu radeln. Er ist herrlich wenn keiner unterwegs ist und man die ganze Straße für sich alleine hat. Ich schließe kurz die Augen, trete in die Pedale, atme tief ein und denke an gar nichts mehr. Frei sind die Gedanken! Ein paar Minuten später stehe ich vor meiner Haustür und treffe auf meinen Nachbarn Tobi der gerade im begriff ist mit seinen Hund spazieren zu gehen. An solchen Tagen bin ich echt froh dass ich nie einen Hund besaß. Es muss die Hölle sein in aller Herrgottsfrühe bei Wind und Wetter den Hund Gassi zu führen.
Ich stelle mein Rad in den Hof und gehe langsam die Treppen nach oben. Kaum bin ich in der warmen Wohnung befällt mich eine unglaubliche Müdigkeit. Ich ziehe zuerst die lädierten Lederschuhe aus und an den Gedanken dass ich sie eventuell wegwerfen muss zerreist es mir das Herz. Viele schöne Erinnerungen haften an diesen Schuhen. Wie ich sie in der Auslage eines Geschäftes in Florenz sah und glücklicherweise was es das letzte Paar und auch in meiner Größe, wie ich mit denen bekleidet zu verschiedenen Veranstaltungen ging und mit vielen Frauen tanzte und wie einmal Sophie in einem Wutanfall sie nach mir warf und weil ich mich bückte sie aus dem Fenster flogen. Ich gehe zuerst ins Bad und quäle mich danach mit meinen müden Körper den Gang entlang ins Schlafzimmer, ziehe mich langsam aus, werfe meine Kleidung auf einen Stuhl, lege mich ins Bett, ziehe die Decke bis ganz nach oben und lege mich auf die Seite. Mein Blick geht in die Richtung des Radioweckers und trotzdem an ihn vorbei. Ich blicke ins Leere, mein Schädel brummt, bin hundemüde, kann nicht mehr klar denken, mein Hirn ist zu Brei, zu Matsch geworden, eine Melodie schwirrt durch den Kopf, viele tausend Gedanken auch, das Geschehene der letzten Nacht taucht in Bildern, in Gefühlen, in Wörtern, in Sätzen auf, bin verwirrt und alles dreht sich. Ich weiß nicht wie ich mich fühlen soll. Soll ich glücklich oder traurig sein? Glücklich über das viele Geld das ich verdient habe oder traurig über die Art und Weise wie ich es verdient habe? Traurig auch verlassen worden und am Fest der Liebe alleine in einer großen Wohnung zu sein? Eine große Leere befällt mich. In diesen Moment fühle ich mich einsam und verlassen. Mein Körper schmerzt, mein Herz und meine Seele auch. Ich habe ein Verlangen auszubrechen. Auszubrechen aus meinem Körper, aus meinem Leben, aus dieser Welt. Am liebsten würde ich aufs Motorrad springen und zu einer Weltreise aufbrechen. Auf zu neuen Ufern, zu neuen Abenteuern. Hinaus in die große, weite, unbekannte Welt. In Gedanken befinde ich mich auf der Weltreise die ich mal mit dem Motorrad machen möchte. Ostwärts Richtung Balkan, Türkei, Kaukasus und dann entweder quer durch Sibirien rüber nach Alaska und langsam hinunter bis nach Feuerland oder der Seidenstraße entlang und am Ende links nach Norden über die Beringstraße. Was für eine Reise! Was für ein Erlebnis das sein wird! All die Völker, Dörfer, Städte, Sprachen der man auf den Weg begegnen wird. Eine Reise von der man nicht nur seinen Enkelkindern erzählen wird. Ich schließe die Augen und denke an Sophie. Was sie gerade macht? Ob sie schläft? Wie fühlt sie sich? Ist sie einsam? Glücklich? Traurig?
Ich drehe mich zur anderen Seite und versuche einzuschlafen. Als ich an der Pforte zum Land des Morpheus stehe höre ich wie mein Handy vibriert und die Melodie „Take Five“ erklingt. Träume ich? Habe ich wirklich eine SMS bekommen? Wenn ja von wem? Von Sophie etwa? Die verschiedenen Gedanken schießen mir immer noch durch den Kopf untermahlt von einer Melodie die ich nicht einordnen kann, nicht weiß welches Lied es überhaupt ist. Ich versuche mich kurz zu erheben um nachzusehen ob es Traum oder Wirklichkeit ist und von wem die SMS ist, habe aber keine Kraft und bleibe liegen so wie ich bin.
„Ain’t no sunshine when she’s gone!“ schießt es mir durch den Kopf als ich mich gedankenverloren im Nirwana, im Niemandsland, auf der Schwelle ins Land des Schlafens und der Träume befinde. Stimmt, es gibt keinen Sonnenschein wenn der Partner weg ist, er hat ihn mitgenommen. Aber andererseits kann es ja nicht für immer regnen.
Gute Nacht Sophie. Gute Nacht, wo auch immer Du sein magst.

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Teil 45



Kaum knallen die Türen zu gehen die auch wieder auf. Ich bereue jetzt schon dass ich nicht die Zentralverriegelung betätigt habe. Es steigen zwei junge Frauen ein, beide aufgetakelt bis in die Haarspitzen, versprühen einen mehr als ödem Charme und Geruch und wirken sehr oberflächig und hochnäsig. Beide setzen sich hinten rein und reagieren nicht auf meine Begrüßung.
»In die Cornelius zwischen Gärtnerplatz und Baaderstraße!« wird mir von hinten befohlen.
»Einen wunderschönen guten Abend!« grüße ich zum zweiten Mal nicht ohne ironischen Unterton und frage mich mit was ich solche Fahrgäste verdient habe. Will mich heute Jemand bestrafen weil ich nicht artig gewesen bin? War ich denn unartig? Wenn ich mir die zwei jetzt anschaue und an die drei von vorhin denke erschaudere ich und glaube zu wissen weswegen viele Männer es bevorzugen Single zu bleiben oder eben keine Partnerin finden mit der sie zusammen sein könnten. Solche Frauen sind ein Grund schwul zu werden. Das sind abschreckende Beispiele. Wie soll Mann mit einer solchen Frau zusammenkommen? So langsam glaube ich Sakis frauenverächtliche Theorien. Er blickt auch von einer Blase über mir herunter und nickt zustimmend.
Ich schaue die Eine etwas länger an bevor ich aufs Gaspedal trete.
»Was glotzt Du denn so? Noch nie eine Frau gesehen?« werde ich angemotzt.
Mein Gott! Ich drücke aufs Gas, fahre an der Ampel nach rechts, blicke in den Rückspiegel und sage: »Sie kommen mir bekannt vor. Kann es sein dass wir uns kennen?«
»´Ne bessere Anmache hast Du nicht auf Lager? Das ist ja erbärmlich!«
Oh Saki, wie recht Du nur hast mit Deiner Behauptung dass die Emanzipation der Frau nichts Gutes hervorgebracht hat, eher nur Nachteile und Negatives und dass jetzt massenweise verstörte und überemanzipierte Mannweiber da draußen rumlaufen die nicht wissen wie sie mit der gewonnenen Freiheit umzugehen haben und einen auf dicke Eier machen und sich nachher beschweren dass sie alleine bleiben und keinen Mann finden. Wie soll ein Mann mit so einer Frau zusammen sein? Wie soll es jemand mit so einer aushalten die ihm ständig rumkommandiert, Befehle erteilt, ihm mit ihrer herrischen Art klein zu machen versucht und sich aufspielt als hätte sie die Hosen an, als würde ihr die Welt gehören, als ob sie die Mächtigste wäre, die Schönste, die Beste, die absolute Traumfrau die jeder haben möchte und derjenige der es geschafft hat mit ihr zusammen zu sein soll sich richtig glücklich schätzen und es wie einen Lottogewinn sehen, den man einmal im Leben bekommt und danach nie wieder. Er soll ihr zu Füßen liegen, denn sie kann ja jeden haben und wird ihn auch verlassen wenn er nicht spurt, wenn er ihr nicht jeden Wunsch von den Augen abliest und sich nicht vor ihrer Freundinnen freiwillig zur Sau machen lässt. Und wehe er ist nicht erfolgreich in seinem Beruf, oder übt nicht den Richtigen aus, fährt keinen Porsche und besitzt kein Anwesen in Grünwald oder Bogenhausen. Denn dort hört die Emanzipation auf. Emanzipation schön und gut, aber gewisse Sachen sollten doch so bleiben wie sie die Evolution erschaffen hat. Sie bringt die Schönheit in die Beziehung und er kümmert sich um das Finanzielle, um die Sicherheit. Wehe er verliert seinen gut dotierten Job, dann wird er fallengelassen wie eine heiße Kartoffel. Solche Frauen sind der absolute Horror. Die Demoskopen eines jeden Landes sollten diese Tatsache in betracht ziehen und sie mit zu den Ursachen zählen die einen Zuwachs der Bevölkerung verhindern. Nicht die Akademikerinnen sind an der Kinderlosigkeit schuld, sondern solche Mannweiber. Wie recht Du hast Saki!
»Dass ist keine Anmache, Du kommst mir echt bekannt vor. Ich weiß nur nicht woher.«
»Ja ja, lass Dir was besseres einfallen. Jetzt fahr uns mal nach hause und träum weiter von einer angeblichen Bekanntschaft!« Beide kichern wild darauf los.
Ich sage nichts mehr und versuche mich zu erinnern woher ich sie kenne. Ich vergesse selten ein Gesicht oder eine Stimme, Namen kann ich mir hingegen nicht merken. Als wir am Sendlinger Tor an der Ampel stehen fällt es mir wieder ein. Ich drehe den Kopf nach hinten und störe deren hirnrissige Konversation.
»Bist Du nicht die Elena? Die bulimiekranke und sexsüchtige Elena? Die, die gerne schluckt und auf Analsex und Orgien steht? Du hast mal bei mir gegenüber gewohnt. Und als Du damals als Landei frisch in der Großstadt warst, hast Du Dich zumindest am Anfang normal und anständig benommen, später wurdest Du massenweise von hinten genommen!«
Sie erbleicht und ihre Freundin schaut auch fassungslos zu mir nach vorne.
Elena sah ich vor langer Zeit öfters im Supermarkt und sie gefiel mir sehr. Das war zu ihrer Anfangszeit in der Stadt. Sie wurde von einer andersartigen Aura umgeben, sie strahlte etwas bodenständiges, unschuldiges aus. Wie sie sich kleidete, wie sie sich bewegte, wie sie an der Käsetheke bestellte und wie sie durch die Gänge des Supermarktes schlenderte. Sie, im Gegensatz zu all den anderen Großstädtern, schien es nicht eilig zu haben und schien zumindest am Anfang etwas verloren zu sein im Überangebot des Marktes.
Eines Tages hielt sie mich vor dem Eingang an und fragte nach der Nächsten Apotheke. Ich blickte in ihre kastanienbraunen Augen und verlor mich in den Klängen ihrer sanften Stimme. Es dauerte etwas bis mein Verstand wieder klar war und ich erklärte ihr den Weg. Einige Zeit  später sah ich sie in einer Disco wie sie alleine tanzte und sprach sie an. So langsam lernten wir uns kennen und sie lernte einen Teil meines Freundes- und Bekanntenkreises kennen und fand darüber hinaus eigene Freunde. Obwohl ich von ihr fasziniert war machte ich nie den entscheidenden Schritt. Etwas in mir flüsterte mir zu dass mit der Person nicht gut Kirschen essen ist. In der Tat ging die Unschuld vom Lande bald andere, heftigere Wege. Sie fing an zu rauchen, zu trinken, konsumierte allerlei Drogen und landete in vielen Betten dieser Stadt. Wir verloren uns eine Zeitlang aus den Augen und als wir uns zufällig in der Stadt überm Weg liefen schien sie völlig fertig mit sich selbst und der Welt zu sein. Ich lud sie zum Essen ein und wir redeten eine Weile. Zum Abschied fragte sie mich ob ich ihr Geld leihen könnte. Ich gab ihr zwanzig Mark und sah sie nie wieder.
»Stimmt das Elena?«
»Oh, ähm, nein! Er lügt!« stammelt sie nach Wörtern ringend. »Er wollte damals was von mir und ich habe ihm die kalte Schulter gezeigt. Ein richtiger Alptraum war er damals. Wochenlang lief er mir hinterher, schenkte mir Blumen und schrieb Gedichte, bis ich die Polizei einschaltete und sie dem Ganzen ein Ende bereitete« behauptet sie mit sie langsam festigender Stimme, klingt aber immer noch unglaubwürdig.
»So so, wie heiße ich denn?« frage ich und bin mir ganz sicher dass sie sich nicht mehr an meinem Namen erinnern kann.
»Georg!« sagt sie wie aus der Pistole geschossen.
»Na, tut mir leid! Ich heiße nicht Georg« sage ich und halte ihr meinen Personalausweis entgegen damit sie sieht wie mein Name ist und nicht denkt ich würde sie anlügen. Ihre Freundin wirft auch einen interessierten Blick darauf und schaut Elena mit fragendem Blick an. Ich fühle mich gut! Schade Saki dass Du das hier verpasst! Du wärst stolz auf mich.
Mittlerweile kommen wir an und ich halte vor einer Einfahrt. Die Freundin bezahlt und beide steigen grußlos aus.
So das war jetzt ein krönender Abschluss einer ereignisreichen und langen Schicht. Da ich mich in der Nähe des Unternehmens befinde, fantastischen Umsatz gemacht habe, mich müde fühle und keine Nerven mehr habe mich irgendwelchen paranoiden Arschlöchern auszusetzen beschließe ich das Auto abzustellen. Es ist schon nach sieben Uhr. Wie die Zeit vergeht! Wahnsinn! Ich schalte die Reklame auf dem Dach, den Funk und die Musik aus, öffne sämtliche Fenster um Frischluft reinzulassen, wende auf der Stelle, fahre zurück zum Gärtnerplatz und drehe drei Runden bevor ich zur Tankstelle fahre. Es ist immer noch eine Menge los, aber genug ist genug. Ich brauche meine Kräfte für heute Abend.

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Teil 43



Kaum stehe ich an der Ampel am Lenbachplatz gehen hinten die Türen auf und zwei hübsche Frauen steigen ein. Ehe ich reagieren kann wird als Fahrziel das Park-Cafe angegeben. Ich überlege kurz wie ich fahren soll, einfach und lang oder kompliziert und kurz? Ich entscheide mich für die Kurze Variante damit ich die Beiden schneller los bin. Obwohl, wenn ich mir die so anschaue, könnte die Fahrt ruhig etwas länger dauern. Sie sind freundlich und gut drauf. Genau das was ich jetzt brauche um auf andere Gedanken zu kommen und die schrecklichen Ereignisse von vorhin zu verdrängen.

“How can you say she’s perfect for you
when that has been my job
when I was born only to heal
the sorrows of your heart

»Ist das Jewel?« werde ich von einer der beiden Damen gefragt.
»Nein, Verenice!«
»Vere wer? Klingt irgendwie nach Jewel.«
»Mag sein. Verenice heißt die Sängerin. Eine noch unbekannte Künstlerin.«
»Klingt sehr gut. Machst Du mal lauter?«
»Ihr Wunsch ist mir Befehl!« und schon drehe ich die Musik lauter.
Nicht mal zwei Minuten später stehen wir an der Meiser Ecke Sophien (was für ein Name!) direkt gegenüber des Einganges vom Park-Cafe. Mein Blick schweift ein wenig in der Gegend bis die Beiden zahlen. Viele Leute stehen vorm Eingang, ein paar Taxen warten rechts davon am Bedarfsstand und einige Luxuskarossen parken in den Buchten ringsum. Als die Beiden aussteigen und über die Straße gehen, fahren zwei der Taxen besetzt weg. Ich beschließe noch einen Stich zu machen und erst danach aufzuhören. Ich reihe mich als sechster ein, nehme einen letzten Zug von der Zigarette und entledige sie im Aschenbecher. Da ich viel zu müde, viel zu kaputt, viel zu aufgeregt bin um Zeitung zu lesen steige ich aus um mir die Beine zu vertreten und zünde mir eine an. Gedankenverloren blicke ich vor mich hin und schaue den Menschen nach was die so treiben. Dass die bei dem Schneetreiben und der Kälte vorm Eingang stehen und nicht reingehen oder sonst was machen, wundert mich. Ich ziehe genüsslich an meiner Zigarette und blicke nach oben gen Himmel. Frau Holle leistet ganze Arbeit heute. Dann sehe ich einen völlig eingeschneiten Lamborghini und daneben einen Ferrari stehen und denke mir dass die Beiden Autos sicherlich noch länger hier stehen bleiben werden bis der Winterdienst sie aus ihrem weißen Gefängnis befreit. Gibt es eigentlich Winterreifen und Schneeketten für solche Autos?
Es geht so langsam voran und ich steige wieder ein. Ich drehe den Funk etwas lauter um zu hören ob und wo was geht und bin erstaunt dass immer noch die Hölle los ist. Anscheinend haben einige Kollegen aufgehört und es bleiben mehr Fahrgäste für uns übrig.
Jetzt bin ich erster. Ich schalte den Funk und auch die Musik leiser, weil aus dem halbgeöffneten Eingang wummernde Bässe ertönen und dazu R’n’B. Menschen kommen und gehen. Erstaunlich viele Farbige darunter. Ich bete darum keinen Farbigen fahren zu müssen. Ich bin alles andere als ein Rassist, aber ich habe den Eindruck das Farbige – soweit sie trinken – nicht viel vertragen und sich dann wie betrunkene Frauen, unmöglich, um es nicht mit Harrys Worten zu sagen: „Unter aller Sau!“ benehmen. Außerdem trauen sie den Weißen nicht, haben es nicht weit, geben kein Trinkgeld und man kann viele von denen kaum verstehen weil sie des Deutschen nicht mächtig sind und Englisch oder Französisch mit starkem Akzent sprechen.
Was kommt auf mich zu? Ein Farbiger um die vierzig. Bingo! Er steigt ein und gibt als Fahrziel die Widenmayerstraße an. Naja, weder Kurz- noch Langfahrt. Ich fahre los und schalte die Musik wieder ein. Ich habe eine House-CD eingelegt und die ersten Klänge eines Stückes erklingen. Besser gesagt die Baseline erklingt. Da sagt auch schon mein Fahrgast:
»Oh, Bon Jovi!«
»Nein, Sie irren sich, das ist nicht Bon Jovi.«
»Doch, doch!« sagt er, »hören sie den Bass und den Rhythmus nicht?«
»Mag schon sein dass da was geklaut wurde, aber das hier ist definitiv nicht Bon Jovi.«
In diesen Moment fängt der Sänger an zu singen.
»Hören Sie?« frage ich den Fahrgast »das ist Bryan Adams und die Musik dazu kommt von Chicane.«
»Nein, nein, Sie täuschen sich! Es ist Bon Jovi!« sagt er und um seine Behauptung zu unterstreichen fängt er an ein Lied von Bon Jovi zu summen.
»Wie gesagt, mag schon sein, dass da was geklaut wurde, aber das hier ist definitiv nicht Jon Bon Jovis Stimme sondern die von Bryan Adams!« Und damit ich meine Behauptung unterstreiche nehme ich die CD-Hülle und zeige dem Fahrgast die Stelle an der „Chicane feat. Bryan Adams, Don’t give Up!“ steht und füge mit einem triumphierenden Lächeln hinzu »ich weiß doch was ich höre!«
»Glauben Sie mir, ich habe Millionen Platten verkauft und viele Lieder produziert und wenn ich Ihnen sage dass das hier Bon Jovi ist, dann stimmt es auch!«
Good Lord! Würde Sophie jetzt stöhnen.
»Ja klar!« sage ich leicht gelangweilt und genervt »und ich bin eigentlich Papst in meinem Hauptberuf und weil es mir im Vatikan zu ruhig und langweilig ist fahre ich nachts Taxi!«
»Mein Name ist Alexander Nestor Haddaway« sagt er mit ruhiger Stimme. Ich drehe langsam meinen Kopf zu ihm, schalte die Innenbeleuchtung ein und blicke in sein Gesicht. Jetzt erkenne ich ihn wieder. Er zwinkert mir zu und wir beide fangen an wie bescheuerte zu lachen. Den kurzen Rest der Fahrt unterhalten wir uns über ihn, wo er gerade lebt, was er so treibt und warum man von ihm kaum was hört. Wir bleiben auch eine Weile vor seiner Haustür stehen und reden weiter. Als sein Handy klingelt verabschiedet er sich von mir, steigt aus und geht. Das Trinkgeld ist nicht unbedingt der Rede wert.
Ich mache das Fenster auf, zünde mir eine an, stelle mir vor wie Saki über meinem übertriebenen Zigarettenkonsum fluchen würde und überlege ob ich das Auto abstellen und aufhören soll oder doch lieber ein oder zwei Stiche machen solle. Ich kann einfach nicht aufhören. Das ist das gemeine an der Arbeit. Es ist wie eine Sucht. Wenn es gut läuft, und heute tut es das, kann man (zumindest ich) nicht so einfach aufhören und nach hause gehen. Ich werde regelrecht zum Dagobert Duck und kriege genau so wie er Dollarzeichen in den Augen. Saki hänselt mich diesbezüglich ab und zu und hat mir auch einen Spitznamen verpasst. Er meinte mal als wir eines Nachts beide völlig betrunken auf dem Rasen des Gärtnerplatzes lagen, wenn Du eine Aktie wärst, ich würde Dich kaufen. Für diesen Satz wollte ich ihn umarmen und küssen, habe es mir verkniffen und doch nicht getan. Eines der schönsten Komplimente die man mir jemals gemacht hat. Er ist überzeugt dass ich es weit bringen werde im Leben. Na ja, wenn es weiterhin so gut läuft werde ich bald mit einem Neoprenanzug im Geldspeicher gegen Dagobert Duck um die Wette schwimmen.

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Teil 44



Als ich die Widenmayer kurz hochfahre um dann die Emil-Riedel, die parallel zur Widenmayer verläuft, runter Richtung Zentrum zu fahren höre ich wie jemand durchgibt dass es am Haus der Kunst mehrmals geht. Super! Das wird mein wahrscheinlich letzter Stich für heute Nacht, denn so langsam verlassen mich auch meine Kräfte. Ich öffne auch das Beifahrerfenster drehe die Musik lauter sodass sogar das Trommelfell zum Beat tanzt und biege lässig rechts in die Prinze ab und fahre das kurze Stück bis zum Haus der Kunst vor. Ab dem Eingang zum Parkplatz bis vor zur Bushaltestelle stehen einige dutzend Personen mitten auf der Straße die nach einem Taxi winken. Ich unterlasse das Such-Dir-einen-netten-Fahrgast-Spiel, denn aus dem Untergeschoßstüberl kommen keine nette Leute raus, nur großkotzige Möchtegernerfolgsmenschen die mit ihren angeblichem Reichtum und guten Jobs angeben und wirklich nichts in der Birne haben. So halte ich vor den ersten Personen die mir fast auf die Motorhaube springen. Die Türen auf der rechten Seite gehen auf und es setzen sich rein: eine Frau um die dreißig auf dem Beifahrersitz und hinten eine etwas jüngere Frau, eine Schwuchtel mit Lidschatten, geschminktem Gesicht und lackierten Fingernägel und noch eine Dame ende zwanzig. Es wird gegrüßt und ich stelle die übliche Frage nach dem Fahrziel.
»Wir möchten zum Maximiliansplatz« sagt die Dame auf dem Beifahrersitz mit dunkler rauchiger Stimme und macht einen oberflächigen Eindruck.
»Gut, und wo genau dort? Direkt zum Platz oder irgendeine Seitenstraße?«
»Fahr uns mal dahin und wir sagen Dir dann weiter. Den Laden kennst Du eh nicht.«
»Meinen Sie? Auch wenn ich ihn nicht kennen sollte, kenne ich bestimmt die Straße in der er sich befindet.« Inzwischen fahren wir über die auf Grün geschaltete Ampel an der Amerikanischen Botschaft vorbei.
»In die Max-Joseph-Straße glaube ich möchten wir« sagt eine der Damen von hinten. »Tanja, sag ihm doch endlich wo wir hinwollen!«
»Ach der Laden ist so neu, den kennt kein Mensch!« sagt die Frau mit der rauchigen Stimme in einem Ton der wirklich herablassend klingt.
Ich kombiniere die Informationen. Ganz neuer Laden in der Max-Joseph, das kann ja nur bedeuten…
»Und was ist wenn ich den Laden doch kenne?« lächle ich der Raucherstimme entgegen.
»Kann ich mir nicht vorstellen. Er hat noch nicht mal Eröffnung gehabt. Keiner kennt ihn. Nur Eingeweihte mit Einladung.«
»Um was wollen wir wetten, dass ich ihn kenne?«
»Willst Du mich verarschen? Woher willst Du ihn kennen?« fragt die Raucherstimme so richtig hochnäsig.
»Passen Sie mal auf: Ich fahre nicht umsonst Taxi. Ein guter Fahrer kennt sich aus und weiß vieles wovon die Meisten nicht mal etwas gehört, geschweige denn in der Presse gelesen haben. Den Laden den Sie meinen kenne ich und ich war sogar drin!«
»Ach ja? Das glaube ich nicht, weil er heute inoffizielle Eröffnung feiert.«
»Sie meinen das ‚Baby’ einem der Nachfolger in den Räumen des kultigen und legendärem ‚Aubergine’. Ich habe Teile der Dekoration getragen und durfte durch den Laden spazieren, wurde zu Drinks eingeladen und die Betreiber und deren Personal kennenlernen lange bevor Sie von der Eröffnung erfahren haben! Und es ist einer der wenigen Läden die eine Türsteherin haben!«
So, das hat jetzt gesessen. Die Tussi ist Sprachlos. Das mit der Dekoration stimmt wirklich. Vor einigen Wochen fuhr ich mal wieder den Taxibus meines Kumpels und war in der Nähe der Sendlingerstraße als die Zentrale vergebens versuchte einen Busauftrag zu vergeben. Ich nahm ihn an und fuhr zu einem Geschäft wo mich bereits der Besitzer des Baby mit sperrigen Dekorationsartikeln vor der Tür erwartete. Als wir alles reingetragen hatten gab er mir sogar einen aus. Einige Tage später fuhr ich eine junge Dame zum Lokal die mir sagte dass sie als Türsteherin dort arbeiten würde.
Die Leute hören der Schwuchtel zu wie sie aufgeregt etwas erzählt. Ich fahre vom Oskar-von-Miller-Ring schräg rechts in die Ottostraße ein worauf die Schwuchtel aufhört zu erzählen und mich anschreit wohin ich den fahre.
»Als Mann (ich schüttle verzweifelt den Kopf) sollte man einen guten Orientierungssinn besitzen und wissen, dass der Eingang des Lokals an der nächsten Ampel links auf der rechten Seite ist.«
»Aber es ist ein Umweg denn Du da fährst!« protestiert er.
»Is scho recht!«
Gott sei dank sind die Ampeln auf Grün und ich biege rasch ab und halte direkt vorm Eingang. Die Raucherstimme zahlt während die Anderen aussteigen und gibt kein Trinkgeld.

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Teil 42



Ich fahre in den Stand bis ganz vor und halte vor einer Gruppe Männer an. Vier Männer um die vierzig kommen zum Taxi und steigen ein.
»Servus die Herrschaften!« sage ich.
»Kennst Du das Pascha?« werde ich vom Herrn auf dem Beifahrersitz gefragt ohne gegrüßt zu werden.
»Meinen Sie den Puff oder den Club?«
»Puff? Schauen wir so aus als ob wir in den Puff wollen?«
»Mei, was weiß ich! Man kann es den Leuten nicht ansehen ob sie in den Puff wollen. Sie tragen kein Schild mit der Aufschrift ‚Puffgänger’ um den Hals« antworte ich gelangweilt und um ehrlich zu sein scheinen die vier arme Schlucker zu sein nach ihrem Kleidungsstil zu urteilen. Deren Aussprache klingt Norddeutsch. Wahrscheinlich Touristen die was erleben wollen und von In-lokal zu In-Lokal ziehen.
»Witzig willst Du auch sein, Taxler! In die Disco wollen wir.«
»Also ins Pacha. Und wenn’s geht eine Spur freundlicher sonst könnt ihr zu Fuß gehen.«
»Drohst Du uns?«
»Nö! Aber da ich nun mal der Hausherr bin mache ich auch die Regeln. Klar?«
»Hahaha! Armin lass Gut sein!« sagt jemand von hinten. »Sei freundlich zu dem Herrn damit er uns fährt. Ansonsten kriegen wir kein Taxi und stehen ewig in der Kälte rum.«
»Also ins Pacha, ja?«
»Genau!«
Ich fahre endlich aus dem Stand raus und drehe an der Ampel um, um Richtung Innenstadt zu fahren. Am Stand stehen jetzt noch mehr Fahrgäste und es ist immer noch kein Taxi weit und breit zu sehen. Ich nehme das Mikro und funke über K4 dass am Feillitzsch großer Bedarf herrscht. Prompt wird es auf K1 gemeldet.
»Was ist das für ein Laden, das Pacha?« werde ich vom Beifahrer gefragt.
»Angeblich eine Nobeldisco« antworte ich.
»Wie angeblich? Weißt Du das nicht?«
»Sollte ich?«
»Ja, solltest Du!«
Am Ainmiller stehen drei Kollegen und drumherum ist alles ruhig.
»Und weswegen? Mich interessiert der Laden nicht, also weiß ich es nicht.«
»Wie, Du warst da nie drin?«
»Genau! Warum sollte ich dahingehen wenn mich der Laden nicht interessiert?«
»Es ist Dein Job zu wissen was es für Lokalitäten gibt um Deine Fahrgäste beraten zu können wenn die selber nicht wissen wohin.«
Am Siegestor stehen zwei Kollegen, aber auch hier scheint nichts zu gehen. Was machen die Kollegen hier eigentlich? Warum fahren die nicht dahin wo die Leute warten? Vielleicht haben die auch Recht und stellen sich hier um solche anstrengende Leute wie ich sie gerade habe nicht fahren zu müssen.
»Ach ja?« frage ich gelangweilt und desinteressiert. »Pass mal auf: Ich weiß nicht aus welchen Kaff ihr kommt, aber in einer Großstadt gibt es einige Tausend Lokale. Die kann ich unmöglich alle kennen. Da die meisten Lokale abends und nachts aufhaben und das rein zufällig die Zeit ist in der ich Arbeite kann ich unmöglich in alle diese Läden rein. Wenn Du Informationen haben möchtest schau einfach in Deinen schlauen Touristenführer, der wird Dir sicherlich alle Infos geben die Du brauchst!«
»Unverschämt bist Du auch noch!«
Am Odeon stehen fünf Taxen!?
»Nein, ehrlich, nicht unverschämt.«
Und schon kommen wir beim Pacha an. Ich fahre an den stehenden Taxen vorbei und stelle mich in zweiter Reihe neben dem Ersten. Die drei Fahrgäste hinten hören auf sich zu unterhalten und fragen nach dem Fahrpreis. Ehe ich bezahlt werde fragt der Beifahrer aus dem Fenster schauend:
»Wo geht’s hier rein?«
»Da die Treppe rauf.«
»Kommen wir überhaupt rein?«
»Keine Ahnung, probiert es einfach« antworte ich wohl wissend dass die nie da rein kommen und vom Türsteher abgewiesen werden. Da flippt der Beifahrer aus.
»Was? Du fährst uns hierher obwohl Du weißt dass wir nicht reinkommen?«
»Habe ich so etwas behauptet? Ich sagte dass ich nicht weiß ob ihr reinkommt und um ehrlich zu sein ist es mir auch egal ob ihr reinkommt oder nicht. Es war Euer Wunsch hierher gefahren zu werden, meine Pflicht ist somit erfühlt und ich bitte um den Fahrpreis (Du Saupreiß!)!«
»Was? Bezahlen sollen wir auch noch für den Scheiß?!«
Mir wird das Ganze zu bunt und ich drücke lange auf die Hupe bis einige der Kollegen aus ihren Autos springen und zu mir nach vorne kommen. Sie umzingeln das Auto und machen die Beifahrertür auf um zu fragen was los ist und postieren sich vor den anderen Türen damit die Fahrgäste nicht aussteigen können. Der Beifahrer schreit wie verrückt als ich dem Kollegen erzähle was passiert ist. Einer der Kollegen funkt die Zentrale an und ordert eine Streife damit die Sache hier nicht eskaliert. Da die Fahrgäste nicht zahlen wollen und es nicht einsehen dass sie zahlen müssen, werden meine Kollegen ernst und drohen denen mit Prügel und einer Anzeige bei der Polizei.
Die Polizei kommt bevor es in eine Massenschlägerei ausartet, winkt die Kollegen zur Seite und fordert die Fahrgäste auf auszusteigen und sich auszuweisen. Alle behaupten die hätten keine Papiere dabei. Es wird von den Beamten versucht Ordnung und Ruhe ins Chaos zu bringen aber die Fahrgäste schreien und schimpfen. Ich sage einem Beamten was geschehen ist worauf der Beifahrer vollends ausflippt und gegen den rechten hinteren Kotflügel tritt. Spinn ich oder was? Das zweite Mal heute! Was ist nur mit den Leuten los? Ist heute Welttag des Frustrationsloslassens? Habe ich was verpasst? Soll ich auch wild durch die Stadt laufen und wie ein Irrer schreien und alles zu Kleinholz machen was sich mir in den Weg stellt?
Jetzt wird es ernst. Es klicken Handschellen, es wird Verstärkung beordert, Fotos gemacht und Zeugenaussagen von mir und den Kollegen festgehalten. Nach einer Weile werden wir entlassen und die vier Herren dürfen im grünweißen Partybus zur Wache.
Ich bedanke mich bei den Kollegen, spendiere Piccolos und Bier, zünde mir eine an, setze mich völlig fertig hinters Steuer, sehe Saki in einer Blase über mir wie er vor sich hin grantelt (ELENDES DRECKSPACK ELENDES!), womit er auch Recht hat und fahre Richtung Oberanger zur BP um das Auto abzustellen um endlich Feierabend zu machen. Obwohl jetzt könnte ich anstatt nach hause, ins „Lamms“ gehen, mir die Kante geben und den ganzen Frust und Stress dieser Nacht im Alkohol zu ertränken. Schade dass Beatrice nicht mit will. Wahrscheinlich sind Harry und die Jungs auch nicht mehr unterwegs. Ich habe endgültig die Schnauze voll und beschließe noch bis zum Ende meiner Semesterferien zu Arbeiten und danach diesen Job an den Nagel zu hängen! Saki würde mir jetzt zujubeln und mir zu diesem Entschluss gratulieren. Seiner Meinung nach ist Toilettenputzen entspannter als so ein verzogenes Dreckspack durch die Gegend kutschieren zu müssen. Man muss egoistisch genug sein und an seine Gesundheit denken sagt er immer.

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Teil 41



Wenn Helena heute mit ihrer Kamera dabei gewesen wäre hätte sie ihre helle Freude und eine Menge zu filmen gehabt. Wie bei jeder Frau, war auch bei ihr eine der ersten Fragen was Mann beruflich macht. Sie hat komischerweise nicht das Weite gesucht oder mitleidig gelächelt und wollte mir auch nicht den „guten“ Ratschlag geben es mit was „besserem“, „anderem“ oder „richtigem“ zu versuchen, weil dieser Beruf nichts Gescheites ist. Sie fragte auch nicht was ich werden wolle wenn ich mal Erwachsen bin. Sie machte große Augen und spitzte die Ohren als ich ihr sagte dass ich nachts Taxi fahre. Sie war großer Fan von Filmen wie Night on Earth, Taxi Taxi, Taxi Driver und hat sogar die Dokumentation Lisboa Taxi über den vermutlich ältesten Taxifahrer der Welt gesehen. Ich war überrascht dies zu hören. So wurden wir sehr gute und sehr enge Freunde. Ihre Freundinnen hingegen teilten ihre Faszination und ihr Interesse nicht und verstanden nicht was Helena an dieser Art von Arbeit überhaupt sieht. Ihr Interesse galt nicht nur der Rumfahrerei sondern auch den Menschen die hinterm Steuer sitzen und den Leuten die ein- und aussteigen. Sie fand es mutig und abenteuerlich eine Droschke in einer Großstadt zu fahren. All die Bezirke die man als „normaler Mensch“ nie besuchen würde, all die Gebäude die man sieht und teilweise auch betritt, all die weiteren Fahrten, die Sprachen die man hört, Dörfer die man sieht, bzw. durchfährt und der Fakt dass man sein Leben nicht planen kann faszinierte sie sehr. Sie sagte immer, man braucht großen Mut und ziemlich viel Courage um so ein Leben zu führen, um so einen Job auszuüben. Jetzt hier, später dort und noch später ganz woanders. Man muss ziemlich spontan sein, es fehlt eine Routine die der Mensch als Gewohnheitstier so dringend braucht um überhaupt leben zu können. Sie las in einer Studie dass Taxifahrer ein viel größeres Gehirn als all die anderen hätten und sich auch in fremder Umgebung ohne weiteres problemlos orientieren können. Für sie war all dies etwas fernes, etwas wovor sie Angst und großen Respekt hatte, etwas was sie selber nie erleben würde. Sie traute sich nicht den Taxischein zu machen um selber dieselben Erfahrungen zu sammeln. Deshalb wollte sie und das war einer ihrer größten Wünsche, mich eine ganze Nacht lang in Taxi begleiten und diese Geschichten und alles was so im Auto passiert mit der Kamera festhalten und sich den Film anschauen wenn sie den Sorgen dieser Welt entfliehen wolle. Ein Fenster in eine andere für sie unerreichbare Welt.
Sie wollte mehr und alles wissen. Sie fragte mich immer aus was ich in meinen Schichten so erlebe und hörte immer sehr interessiert zu. Sie stellte sehr viele Fragen und wollte alles ganz genau wissen. Sie fragte nach Namen, Alter, Hautfarbe, Haarfarbe, Aussehen, Körpergerüche und alles was ihr so in den Sinn kam. Da ich damals noch relativ frisch war in diesen Gewerbe, alles aufregend, abenteuerlich und wildromantisch fand, konnte ich mir vieles merken und es ihr detailliert erzählen und beschreiben. Mein Enthusiasmus und mein Hang zur Romantisierung weckten und vergrößerten ihr Interesse immer mehr.
Obwohl sie Schwedin war, sich hier nicht auskannte weil sie nur ein einziges Mal in der Stadt war, als sie mich vor einigen Jahren über Weihnachten besuchte, kaufte sie sich einen Stadtplan um verfolgen zu können wo ich überall hinkomme. Endlose Stunden verbrachten wir am Telefon oder am Küchentisch überm Stadtplan wenn wir uns mal gegenseitig besuchten. Keine meiner Partnerinnen hatte je ein Interesse an dem Job mit dem ich mein Studium finanziere. Sie wollten, und Sophie am meisten, dass ich „damit“ aufhöre und „was anderes“ mache. Unter „was Anderes“ waren Berufe wie Kellner oder Barmann ausgeschlossen. Sie alle hatten Angst, nicht dass mir etwas Schreckliches zustoßen würde, nein ihre Liebe ging komischerweise nicht soweit, sondern dachten ganz egoistisch an sich selber. Sie befürchteten dass ich massenhaft fremdgehen würde. The city is full of loose women, voll von Frauen die nach einer Bettgeschichte suchen, pflegte Sophie zu sagen und wurde narrisch vor Eifersucht. Sie dachten dass jede Frau die bei mir einsteigt sich mir automatisch an den Hals wirft und mit mir heißen, hemmungslosen und stundenlangen Sex haben möchte. Wenn es tatsächlich so wäre, dass jede Frau von mir heißen, hemmungslosen und stundenlangen Sex haben wollen würde, würde ich nie zum Arbeiten kommen, kein Geld verdienen und mein Boss würde mich rauswerfen. Da könnte ich doch gleich Callboy werden. Es stimmt schon dass es manche Frauen probieren, aber die sind entweder viel zu alt für mich, zu hässlich, zu dick, zu dünn, betrunken, bekifft und wollen einen Taxler zum Freund um umsonst durch die Stadt kutschiert zu werden. Dann gehen die Samstagnacht aus, wenn der Taxlerfreund nicht kann weil er arbeiten muss und der arme Kerl wird dann mehrmals die Nacht angerufen und darf dann seine Angebetete samt Freundinnen und Freunde, eventuell auch Nebenbuhler, für lau von Disco zu Disco kutschieren.

»Einen schönen Abend, viel Spaß und Frohes Fest wünsche ich Dir!« sagt der Franzose auf dem Beifahrersitz, steigt aus und knallt die Tür hinter sich zu.
»He! Warte!« rufe ich ihm durch das geöffnete Fenster hinterher.
»Oui?« Fragt er sich mit Schwung und einen breiten Grinsen im Gesicht zum mir drehend.
»Ich möchte Dir und Deinen Freunden noch was schenken!«
»Schenken?«
»Ja, ja, geh her!«
»Gerald, wo bleibst Du?« wird vom Eingang des Treppenhauses des Skyline gerufen.
»Hier!« sage ich und gebe ihm vier Flaschen Piccolos mit. Leicht enttäuscht aber dankbar nimmt er die Getränke an und verschwindet Richtung Eingang.

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Teil 40



Kaum knallen die Türen zu, gehen die auch wieder auf. Ehe ich das Geld in meinem Geldbeutel stecken kann steigen vier Männer ein und nehmen hinten Platz. Ich drehe mich um und sage:
»Aber meine Herren! Hier vorne ist noch ein Platz frei!«
»Wir mögen es eng und kuschelig!« bekomme ich als Antwort.
»Ich bin stubenrein und beiße nicht« sage ich scherzhaft.
»Na wenn das so ist… Gerald geh Du nach vorne!«
Inzwischen stehen mehrere Personen am Wegesrand und warten auf ein Taxi. Ein paar schauen auch ganz nervös in mein Auto rein.
»Nein, ich will nicht. Ich fürchte mich. Meine Mama sagte ich solle mich von unbekannten Männern fernhalten.«
Großes Gelächter im Taxi. Jemand macht die Beifahrertür auf und setzt sich rein.
»Ähm, sorry Meister aber ich bin besetzt.«
»Wie?«
»Besetzt, wie nicht frei, wie es sitzen schon Fahrgäste drin?«
»Willst Du mich verarschen Kumpel?«
»Welchen Teil von „Besetzt“ versteht der Herr nicht?« fragt eine Stimme von hinten.
Der Herr auf dem Beifahrersitz dreht langsam den Kopf nach hinten und blickt auf vier winkende Männer. Sprachlos steigt er aus. Von hinten wird gehupt.
»Jungs, dürfte ich fragen wohin die Reise geht?«
»Alle Wege führen nach Rom!« sagt einer der Herren.
»Hm… Wenn das so ist, Römerplatz und Römerstraße wären im Angebot.«
»Wie? Was? Oh Monsieur hören Sie nicht auf diesen Idioten!« sagt einer mit starkem französischem Akzent. »Wir möchten in die Leopoldstraße.«
»Also gut!« sage ich und gebe Gas. Die Ampel steht günstig auf Grün und ich biege schnell und scharf nach links ab und nehme die nächste Ampel auch noch mit. Da höre ich jemanden sagen:
»Vielleicht hat der Fahrer recht und es wäre besser wenn einer von uns sich nach vorne setzt. Sonst wird es hier zu intim und zu kuschelig. Fahrer bitte bei nächster Gelegenheit anhalten!«
»Wird gemacht Meister!« Ich fahre durch die Pacelli und zügig über den Promenadeplatz und biege am Ende des Platzes scharf nach links sodass das Heck des Autos ausschert und die Fahrgäste ordentlich durchgeschüttelt werden.
»Mon Dieu! Chauffeur! Bitte an’altäään! Meine Eiär ma-chen es nicht mehr mit!«
»Was ist denn Liebling? Willst Du uns Verlassen? Sind wir Dir nicht gut genug oder suchst Du nach einer Entschuldigung um Dich an den Fahrer ranzuschmeißen?«
»Ich bin vom anderen Ufer« sage ich um klar zu machen, dass ich nicht auf Männer stehe.
»Das sind wir alle Schätzchen« haucht einer der Herren mit starkem französischem Akzent mir entgegen und es hört sich wirklich sehr erotisch an.
»Du missverstehst mich Meister. Nicht vom Euren Ufer, sondern von dem gegenüberliegendem. Also vom Anderen. Comprends ti?«
»Wie dem auch sei, es ist zu kompliziert für uns Betrunkene. Halte bitte an sonst werden meine Eier zu Spiegeleiern!«
Auf Höhe der Salvatorkirche halte ich an und einer der Herren steigt hinten aus und vorne ein.
»Oh la la, was für ein fescher Chauffeur!«
»Nur anschauen, aber nicht anfassen! Wie gesagt, ich bin vom anderen Ufer und das ist weit weg. Es besteht Ertrinkungsgefahr.«
Ich fahre wieder an und als wir kurz davor sind in die Brienner abzubiegen sagt der Herr auf dem Beifahrersitz: »Entspanne Dich Mon Amour, wir machen bloß Spaß.«
Ich antworte nicht, schaue ihn nur an und lächle.
Im Radio geht gerade „Last Christmas“ zu ende und ein neues Lied ertönt.
»Oh! Grace Jones, La vie en Rose! Darf isch lautääär machäään?«
»Aber Gewiss Monsieur!« und deute auf den Lautstärkenregler des Radios. Der Fahrgast dreht lauter und lauter und alle singen auf einmal mit.

Des yeux qui font baiser les miens,
Un rire qui se perd sur sa bouche,
…..
Je vois la vie en rose.

Als wir die Kurve beim Odeonsplatz nehmen machen sie alle die Fenster runter und singen noch lauter mit.

Il me dit des mots d'amour,
…..
Dont je connais la cause.”

Ein paar Passanten – um die Uhrzeit, bei dem Schneetreiben ? – drehen ihre Köpfe in unsere Richtung als wir an der Ampel Ecke Von-Der-Tann stehen.

C'est lui pour moi. Moi pour lui
Dans la vie,
…..
Heureux, heureux a en mourir.”

Wir fahren durch die wahrlich königliche Ludwigstraße, den Prachtbauten entlang Richtung Siegestor und es scheint als würden wir die Avenue des Champs-Élysées entlang und direkt auf den Arc de Triomphe fahren. Ein Hauch Frankreich in der Stadt. So dürfte sich Napoleon seinerzeit gefühlt haben als er nach seinem Sieg in Austerlitz durch Paris kutschiert wurde. Auch ich fühle mich tief berührt und gerührt und stelle mir vor wie es wäre in einer Kutsche durch Paris zu fahren. Dazu wahlweise eine jubelnde Menge am Straßenrand die Banner in die Luft hält und mit Rosen wirft, oder ganz romantisch mit der großen Liebe neben sich in der Kutsche ganz langsam den Boulevard runterfahren.
Saki würde jetzt einen Vortrag über Kitsch, blöde Romantik, verliebte Frauen, Geldmacherei, Tierquälerei, usw. halten und tausend Gründe gegen so eine Fahrt auftischen. Er war schon immer ein Realist und hatte nichts übrig für Romantik, deswegen hatte er nie eine längere Beziehung.

“La vie en rose, la vie en rose
ohhhhhhhh.....la vie
La vie en rose,
La vieeeeeeeeeeeeee !!!!!!!

Was für ein Sound! Was für ein Timbre! Was für eine Stimme! Die Franzosen sind außer sich vor Freude. Sie schmettern die Zeilen voller Pathos, Inbrunst, Gefühl und blühen so richtig auf. Sie singen lauthals mit und das gar nicht mal so schlecht, sodass die Insassen der anderen Autos an jeder roten Ampel zu uns rüber schauen und schmunzeln. Ich lasse den Franzosen ihren Spaß und winke freudig wenn die Leute in unsere Richtung starren. Das Leben ist doch so oder so traurig genug, auch wenn man nicht gerade von seiner Freundin verlassen wurde. Die Franzosen bringen etwas Sonnenschein in einem traurigen und einsamen Moment. So gut drauf sollten alle Fahrgäste, ach was, alle Menschen sein. Dann würde das Arbeiten Spaß machen und wir würden in einer besseren, humaneren Welt leben. In einer Welt ohne Griesgram, ohne Gewalt, ohne Böses. Saki wäre dann sicher arbeitslos wenn keiner seine Verschwörungs- und Weltuntergangstheorien hören wollen würde. Wer will schon von etwas schlechtem, etwas bösem und negativem hören wenn er in einer glücklichen Welt lebt in der es nichts Böses gibt?

Je t'aime voir toujours...

Ach ist das eine schöne Fahrt! Wir erreichen den Fei-litzschstand wo die vier Franzosen aussteigen möchten. Sie zahlen und geben ein sehr gutes Trinkgeld.
»Bist Du Dir sicher chérie dass Du nicht mitkommen möchtest?« haucht mir einer der Herren mit zarter Stimme.
»Ganz sicher mon amour! Ich muss noch ein bisschen arbeiten um Rechnungen bezahlen zu können.« Diese Aussage stimmt zwar nicht ganz, aber jetzt läuft das Geschäft richtig rund und ein paar Stiche möchte ich noch machen. Bald geht es zurück zur Uni und ich werde über Monate hinweg nicht arbeiten können. Ab Neujahr herrscht tote Hose und man sollte jetzt soviel wie möglich mitnehmen um über die ruhige Zeit hinweg zu kommen. Außerdem stehen Leute am Stand die auf eine Taxe warten und weit und breit ist keine zu sehen. Habe den Eindruck dass es noch etwas dauern wird bis ich nach hause komme. 

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Teil 39



Ich brauche etwas zu trinken. Da ich nur Piccolos und Bier bei mir habe fahre ich Richtung BP zum Griechen. Am Ende der Marien biege ich rechts ab und im Tal wieder rechts Richtung Stand. Als ich mich dem Stand nähere sehe ich wie Leute sowohl als auf dem Haupt, aber auch auf dem Reservestand stehen und mir zuwinken. Ich winke zurück und sehe in deren verwirrte Gesichter als ich langsam vorbeifahre und links in den Viktualienmarkt abbiege. Dort erinnere ich mich an zweierlei Dinge: Den Stress den ich Stunden vorher mit den Fahrgästen hatte und dass ich hier letzten Sommer mit Sophie über dem Markt schlenderte und wir uns frisches Obst und Gemüse kauften und sie mir später zu hause etwas afrikanisches kochte das viel Gemüse beinhaltete und recht scharf war. Scharf war Sophie auch, aber mein Magen fand das Essen nicht so toll und rebellierte. Ich verbrachte die ganze Nacht wach und rannte öfters aufs Klo. Das fand Sophie nicht witzig, aber irgendwann schlief sie ein und ließ mich mit meinem aufgeblähten Magen allein.
»Sendlinger! Papa Schmid! Rosental! Rindermarkt!«
Oha! Wenn er so viele Stände ruft muss es eine gute Fahrt sein. Ich schnappe mir das Mikro und warte auf die Freigabe.
»Viktualienmarkt! Färbergraben! Für Sendlinger!«
Sendlinger? Um die Uhrzeit? Wahrscheinlich eine der Kneipen und keiner will es fahren, deswegen meldet sich auch keiner.
»Für Sendlinger! Will’s jemand haben? Ist keiner in der Nähe?«
»980 ist am Oberanger, Stadtmuseum!«
»980, Sendlinger 31, Gruber!«
»31, Gruber, Danke!«
Verdammt jetzt wird’s wieder nichts mit der Erfrischung! Wo könnte die 31 denn sein? Da die Sendlinger aus dem Zentrum in Richtung Süden geht, müsste die Nummer im unteren Bereich liegen. Bloß wie viele Nummern hat die Straße? Einbahnstraße nach Norden, Nummern die nach Süden gehen, verwirrend das Ganze. Ich fahre am besten über die Herzog-Wilhelm rein, da kann ich nichts falsch machen. Ich nehme die Taschenlampe raus und fahre langsam durch die enge und total verschneite Straße auf der Suche nach der Hausnummer. 37, 35, 29, 27. Was? Da fehlen ja zwei Nummern! Was ist hier los? Gibt es die 31 nicht? Ich fahre im Rückwärtsgang zurück um zu sehen ob ich mich versehen habe. Nein, Tatsächlich, es springt von der 35 auf die 29. Ich halte an und frage auf K4 ob die wissen wo die Nummer sich befindet. Als ich auf die Rückmeldung warte, kommen von hinten ein paar Autos die Straße rein gefahren. Auch das noch! Ich fahre geradeaus um nicht den Verkehr zu blockieren während ich auf die Antwort der Zentrale warte. Am Sendlingerstand stehen jetzt ein paar Leute die mir zuwinken als ich vorbeifahre. Verflucht wie ich so etwas hasse! Während das Geschäft überall brummt und die Leute wie verrückt winken spiele ich das alte such-den-Fahrgast-Spiel! Der Hauptgewinn ist Wahlweise ein Blitz oder eine Kurzfahrt.
Die Zentrale meldet sich endlich als ich mit der großen Runde fast fertig bin und gerade von der Herzog-Wilhelm zum zweiten Mal in die Sendlinger abbiege.
»980?«
»980 auf 4!«
»Eingang befindet sich in der Schmid, gegenüber der 33.«
»Schmid? Danke vielmals!«
Also biege ich in die Schmid rechts ab und sehe den unscheinbaren Eingang auf der linken Seite, gleich nach der Vitrine des Geschäfts auf der Sendlinger. Direkt vor der Tür ist eine Parklücke in der ich rein fahre. Ich steige aus und trete in den tiefen Schnee. Jetzt regt mich gar nichts mehr auf. Ich strecke mich aus, schließe die Augen und inhaliere die kühle Luft. Ich atme aus und wieder ein. Dann gehe ich zur Tür und suche den Namen. Ganz oben finde ich ihn. Klingle und warte. Klingle noch mal und warte. Auch das noch! Nummer schwer zu finden und jetzt auch noch ein Blitz. Als ich mich umdrehe und im Begriff bin zurück zum Auto zu gehen um zu reklamieren, höre ich hinter mir jemanden „Hallo?“ aus der Gegensprechanlage fragen. Ich springe zurück zum Hauseingang und antworte:
»Guten Abend! Das bestellte Taxi wäre jetzt hier.«
Eine weibliche Stimme meldet sich und sagt dass sie noch ein wenig brauchen, ich solle ruhig die Uhr einschalten und rauf kommen. Raufgehen? Ich sage ich warte lieber unten, so wie die Hunde die vor dem Supermarkt auf ihr Herrchen warten, werde ich auf meine Fahrgäste warten. Die weibliche Stimme aber beharrt darauf dass ich die Uhr einschalte und rauf gehe. Ich gebe nach und mache was sie verlangt. Schalte das Taxameter ein und gehe ins Haus und fahre mit dem Fahrstuhl bis ganz nach oben. Ich klingle an der Tür und nach ein paar Sekunden steht eine äußerst süße und junge barfüssige Dame im Bademantel vor mir. Ein süßlicher Geruch dringt nach draußen. Riecht irgendwie nach Nelkenzigaretten, Marihuana oder was ähnlichem. Im Hintergrund ist Musik zu hören. House um genau zu sein.
Mit einem breiten Lächeln im Gesicht sage ich:
»Servus! Ich bin der Fahrer. Ich wurde noch nie so sexy empfangen! Ich hoffe Sie gehen gerade duschen und ich darf hoffentlich beim einseifen behilflich sein…«
Sie mustert mich von oben bis unten und sagt: »Du bist aber ein fescher! Und ein lustiger auch noch! Komm rein!«
Sie schnappt sich meine Hand, zieht mich rein und schließt die Tür hinter mir ab.
»Ich bin die Eva« sagt sie.
»Sehr erfreut, Adam!« sage ich und lächle spitzbübisch.
»Klar!« sagt sie und geht weiter.
Wir gehen einen langen Gang entlang und biegen am Ende rechts ins Wohnzimmer ab. Dort steht quer vor mir ein großer dunkelbrauner Esszimmertisch mit altmodischen Stühlen die eine sehr hohe Rückenlehne haben. Der Tisch ist mit Essen gedeckt. Besser gesagt, was davon übrig geblieben ist. Es befinden sich auch einige Flaschen auf dem Tisch. Ich erkenne Wein, Champagner und Hochprozentiges. Ein paar junge Leute, alle Mitte bis Ende zwanzig sitzen am rechten Ende des Tisches und unterhalten sich. Direkt hinter dem Tisch ist eine sehr große Balkontür von der man einen wunderschönen Ausblick auf die Stadt hat. Ich werde den Leuten vorgestellt und Eva bringt mich zum Tisch und bietet mir an mich zu setzen. Sie geht nach links. Ich schaue ihr hinterher und sehe wie acht oder neun Personen sich im linken Bereich des Raumes befinden, auf der Wand neben der Balkontür hängt ein Flachbildfernseher der irgendwelche Clips spielt, davor hüpft und tanzt eine leicht bekleidete junge Frau und der Rest der Truppe befindet sich direkt dahinter und feiert … eine Orgie! Ich sehe wohl nicht recht! Eine Orgie! Eva hat ihren Bademantel in eine Ecke geworfen und steht jetzt nackt, wie Gott sie schuf, vor mir. Am linken Ende des Tisches liegen neben diversen Flaschen Bier, Wein und Hochprozentigem, Koks und Gras ausgebreitet. Ich gucke leicht verstört weil ich nicht damit gerechnet habe in eine Orgie reinzuplatzen. Zumal ein Teil der Leute bekleidet ist und sich ganz normal unterhält als würde nichts geschehen. Ich wende mich den sitzenden Leuten zu und beantworte die Fragen die mir gestellt werden. Ein paar Minuten später kommt Eva und umarmt mich von hinten. Lässt ihre Arme langsam nach unten gleiten, kommt dann langsam von der Seite nach vorne und zieht mir den Mantel aus und legt ihn über die Lehne eines Stuhls. Nackt wie Gott sie schuf steht sie vor mir und ich blicke direkt auf ihre Brüste. Sie spielt mit dem Zipfel meiner Nikolausmütze und lächelt spitz. Dann zieht sie mir auch mein Jackett aus und legt auch das über die Rückenlehne. Sie geht an die Knöpfe des Hemdes, öffnet zwei, während ich ihr tief in die Augen blicke, beugt sie sich leicht zu mir nach unten und küsst mich. Dann drückt sie mir meinen Kopf auf ihre Brust sodass ich meine Nase zwischen den beiden Brüsten versenke, tief einatme, ihren Duft beschnuppere und anfange sie zu liebkosen. Sie hebt ihr linkes Bein und platziert es auf meinem Oberschenkel, dabei streichelt sie mir über den Rücken. Sie nimmt ihr Bein wieder runter und setzt sich auf meinem Schoß. Jetzt öffnet sie auch die restlichen Knöpfe meines Hemdes. Von rechts werde ich nach meinem Alter gefragt und ob ich Student sei. Bizarr! Ich habe ein Mädel auf dem Schoß das vor Geilheit trieft und zerplatzt und die Anderen sitzen einfach so teilnahmslos daneben und stellen mir dumme Fragen. Haben die einen Vogel? Sind die nicht ganz dicht? Nicht alle Tassen im Schrank? Eva küsst und leckt jetzt meinen Oberkörper und streichelt mich an den Armen und Rücken, fährt mit ihren Fingern über meine Brust, steht wieder auf, kniet sich nieder und öffnet mir den Hosenbund und den Reisverschluss der Hose, streift mir die Hose runter und zieht mir auch Schuhe und Socken aus und wirft sie nach links zur Wand. Dann geht sie an meine Boxershorts und zieht sie runter bis zu den Knien, hält inne für einen kurzen Moment, starrt mir in die Schamgegend und fragt:
»Wo ist Deine Wolle?«
Diese Frage erinnert mich an eine Geschichte die mir eine türkische Arbeitskollegin bei Siemens mal erzählte. Einer der Meister war lange Zeit scharf auf sie und er gefiel ihr auch. Als sie dann im Bett landeten, schaute der deutsche Vorgesetze auf die rasierte orientalische Muschi und stellte die Frage nach der Wolle.
Ich antworte mit Bürgüls Worten:
»Willst Du stricken oder ficken?«
»Dass Männer sich unten rum trimmen war mir bekannt, aber ein ganz rasierter ist mir nie zu Gesicht gekommen.«
»Stört’s Dich?«
»Ganz im Gegenteil!« antwortet sie, lächelt dabei zucker-süß und zieht mir die Shorts ganz aus. Ich sitze nackt da, bekleidet nur mit der Nikolausmütze und starre gebannt auf Eva und frage mich was sie wohl als nächstes tun wird. Sie ist immer noch kniend vor mir, sieht zu mir rauf, fährt langsam mit ihren Händen meine Beine hoch, spreizt sie mir auseinander, liebkost sie von unten nach oben und kurz vor meinem prallen Zauberstab bleibt sie stehen. Schaut ihn sich kurz an und nimmt ihn in den Mund und bläst mir ganz langsam einen und macht mich total verrückt. Ich schließe die Augen, lehne mich zurück, genieße es langsam gelutscht zu werden, lege meine Hände auf ihren Kopf und versuche das Tempo mitzubestimmen.
»Hast Du eine Freundin? Was Studierst Du?« höre ich von der Seite eine Stimme fragen.
»Ha?« frage ich und öffne die Augen. Spinnen die? Haben die nichts Besseres zu tun als dämliche Fragen zu stellen? Die sollen an der Orgie teilnehmen, verdammt!
»Du hast uns immer noch nicht gesagt was und ob Du studierst! Hast Du eine Freundin?«
»Ich, eh, bin Studeeeeeeent, in Hull, Eeeeglaaaadddddd, und studiere Skandinavisssssssstikkkkkk. Freundin ha-ha-habe ich keine!«
Eva bewegt sich immer schneller, lutscht immer schneller und macht mich wahnsinnig scharf. Ich bin kurz davor zu kommen als eine männliche Stimme fragt:
»Skandinavistik? Echt? Was kann man damit anfangen?«
Eva hört auf meine Wünschelrute zu lutschen und macht sich an die Eier ran. Sie saugt und beist und leckt und mit der einen Hand spielt sie an meinem Penis rum.
»Ich weiß nicht was man damit anfangen kann. Es ist mir auch egal um ehrlich zu sein. Ich studiere es weil es mir Spaß macht und weil es mich interessiert, nicht weil ich damit Karriere machen oder womöglich nach Skandinavien auswandern möchte!«
»Ja aber an Deine Zukunft musst Du auch denken!«
Eva verdreht die Augen. Hört auf an meinen Eiern zu saugen, steht auf, zieht mich an der Hand und ich stehe auf. Sie stößt mich auf dem Boden und fordert mich auf mich auf das Parkett hinzulegen. Gespannt erwarte ich was jetzt passieren wird. Sie steigt über mir aber mit der Muschi über meinem Kopf und macht sich wieder zwischen meine Beine zu schaffen. Ich mache es ihr gleich und lecke und sauge an ihrer Möse und trinke ihren Saft und ab und zu schaue ich zu der Gruppe die am Tisch sitzt und beobachte was sie macht. Die Leute haben sich von uns abgewandt und sind in einer Diskussion vertieft. Ich küsse und streichle ihr auch den süßen Popo und die Beine und vertiefe mich in ihre Möse. Sie saugt mittlerweile wie wild an meinen Penis und ich sehe mich kurz vor den Höhepunkt. Mit leiser Stimme künde ich an dass ich komme, aber Eva denkt gar nicht daran aufzuhören. Sie lutscht immer weiter, immer wilder, immer schneller. Ich zerplatze und mein Saft schießt in ihre warme Mundhöhle und sie macht immer noch keine Anstallten aufzuhören, was für ein geiles Gefühl! Sie schluckt meinen Saft runter und saugt immer noch weiter. Ich erschlaffe nicht mal. Kurze Zeit später hört sie auf und steht auf. Sie zieht mich an der Hand und hilft mir beim Aufstehen, lässt meine Hand aber nicht los und führt mich zu den anderen. Eine andere junge Frau kommt zu mir, streichelt mir die Pobacken, dreht sich zu mir um, nimmt ein Tuch und verbindet mir damit die Augen. Dann werde ich von den beiden zu einem Sofa geführt und werde hingesetzt. Eine der Beiden küsst mich während eine Hand an meinem Penis rumfummelt und andere Hände meinen ganzen Körper streicheln. Ich werde auf dem Sofa hingelegt, spüre das kalte Leder unter mir und merke wie eine der Frauen auf mein Becken steigt, mir ein Kondom überstülpt und sich den Penis einführt. Die Andere setzt sich auf mein Gesicht und ich lecke automatisch ihre Muschi. Nach einer Weile steht die Frau die auf mein Gesicht sitzt auf und geht. Die die auf meinem Becken reitet nimmt mir die Augenbinde runter und blickt mir tief in die Augen. Es ist nicht Eva. Es ist eine Brünette mit kastanienbraunen Augen, glatten langen Haaren, sanften Lippen, leichten Bauchansatz und einen sehr süßem Lächeln. Sie bückt sich und küsst mich auf dem Mund. Dabei streichelt sie mir über die Brust. Sie geht mit ihrer Zunge an der Wange entlang Richtung Hals und fährt dann Richtung Ohr. Sie beist und leckt und saugt. Als sie am Ohr ankommt flüstert sie mir zu:
»Schlag mich!«
»Was?«
»Schlag mich! Schlag zu!«
»Bist Du bescheuert?« frage ich empört. »Ich bin Pazifist und schlage keinen. Frauen schon gar nicht! «
Nun wechselt sie die Stellung. Sie erhebt ihren Oberkörper ganz und setzt sich auf mein Becken.
»Wie soll ich Dich schlagen? Wo soll ich Dich schlagen und warum überhaupt?« frage ich.
Noch bevor ich meine Fragen zu ende stellen kann kriege ich von ihr einen Faustschlag ins Gesicht.
»Aua! Das ist aber nicht die feine Engl…«
„Klatsch Klatsch!“ höre ich es machen und sehe wieder Sterne. Zwei Ohrfeigen, eine links, eine rechts folgen dem Faustschlag. Ich schüttele den Kopf und versuche zu mir zu kommen als ein Peitschenhieb und ein Pistolenschuss durch den Raum gehen. Ich drehe den Kopf in Richtung Fernseher und schaue zu den Anderen. Ich sehe nichts Besonderes und kann mir nicht ausmalen woher der Peitschenhieb und der Schuss kamen. Da geht ein Zweiter Peitschenhieb durch den Raum. Ich hebe meinen Oberkörper um zu sehen was da los ist und sehe wie eine der Frauen in ein Cowboykostüm geschlüpft ist. Cowboykostüm ist leicht übertrieben. Alles was sie anhat ist ein Cowboyhut, eine Weste, ein Pistolenhalfter, darunter ist sie nackt. In der einen Hand hält sie eine Peitsche und in der Anderen eine Pistole. Ist ja wild! Sind die alle stoned? Betrunken? Wird hier ein Porno gedreht? Bin ich in eine Produktion reingeplatzt? Was soll das ganze? Alles erscheint irreal, wie im Traum, fernab der Wirklichkeit und Realität. In erwarte dass ich jeden Moment aufwache und in meinen Bett liege. Jemand soll mich zwicken damit ich sehe ob ich träume oder nicht. Passiert das alles wirklich? Sind es meine Wunschträume? Feuchte Träume? Etwas dass ich gerne mal erleben würde? Kommen diese Phantasien vom zu vielen Fernsehkonsum? Ist es ein Déjà Vu?
»Ich habe Dir nicht erlaubt aufzustehen!« brüllt mich die Frau auf meinem Schoss an und verpasst mir einen weiteren Faustschlag ins Gesicht sodass ich zurück aufs Sofa falle. Die Frau im Cowboykostüm geht durch die Leute und peitscht wild und wahllos vor sich hin.
Jetzt reicht es mir aber. Ich scheuere der Kleinen eine links und eine rechts, zwicke sie in den Bauch, sie bleibt kurz regungslos, lächelt auf einmal und sagt:
»Hit me baby one more time! Wie Britney Spears mal sang! Schlag noch mal zu baby! Hast Du keine Kraft? Hast Du heute nichts gegessen?«
Ich versetze ihr einen Faustschlag in den Bauch und zwei schallende Ohrfeigen hinterher. Sie wirft sich nach hinten auf das Sofa, greift mit ihrem Arm in einer Schachtel die am Boden halb unterm Sofa liegt und holt ein Set Handschellen heraus. Dann greift sie noch mal rein und es kommt eine Peitsche zum Vorschein.
»Fessle mich und peitsch mich aus!«
Oha! Davon habe ich immer schon geträumt. Ich lege ihr die Handschellen an und binde sie so mit der Armlehne des Sofas dass ihre Arme nach oben sehen und sie sich nicht viel bewegen kann. Dann fange ich an langsam ihren ganzen Körper zu liebkosen, zu küssen und zu lecken. Vertiefe mich lange in ihre Muschi während meine Hände über ihren ganzen Körper wandern. Dann richte ich mich auf und nehme die Augenbinde und binde ihre Augen damit sie nicht sehen kann was ich mache. Ich nehme die Peitsche und lasse sie langsam über den ganzen Körper gleiten ehe ich von ihr Gebrauch mache. Ich stehe kurz auf und peitsche zuerst auf die Beine. Ein – zwei – drei Mal. Sie verzieht jedes Mal das Gesicht und stöhnt dabei kurz. Ich gehe wieder zu ihr hin, drehe sie um sodass sie mit dem Hintern nach oben zeigt, gehe zwei Schritte zurück und peitsche wie wild auf sie los. Auf die Beine, auf dem Po, auf dem Rücken. Ungefähr ein dutzend Mal. Sie stöhnt bei jedem Hieb immer mehr, immer lauter. Ich werfe die Peitsche auf dem Boden, gehe zu ihr hin, sehe vorher was in der Kiste unter dem Sofa noch drin ist und entnehme einen Vibrator, Kondome und eine Gleitcreme. Ich lege die Sachen auf der Kante des Sofas, beuge mich über die junge Frau und lecke und streichle ihren Körper. Angefangen von den Füssen, über den Po und Rücken bis rauf in den Nacken. Das gefällt der Dame sehr und zuckt mit ihren Körper. Sie erhebt ihren Unterleib und spreizt die Beine leicht auseinander. Ich stülpe mir das Kondom über und führe meinen prallen Penis in sie hinein. Sie bewegt ihren Körper im Rhythmus der Musik auf und ab und stöhnt dabei leicht wahrnehmbar. Auf einmal kommt das Cowgirl zu uns und peitscht abwechselnd sie und mich auf den Rücken und auf meinen Oberkörper. Ein junger Mann mit einer Kerze gesellt sich dazu und lässt Kerzenwachs über den Rücken des Mädels tropfen. Sie stöhnt jetzt lauter vor Schmerzen und Lust. Das Cowgirl nimmt ihm die Kerze aus der Hand, löscht sie und stellt sie zur Seite. Gibt ihm die Peitsche worauf er anfängt uns drei damit zu behandeln. Das Cowgirl nimmt den Vibrator und führt ihn in sich ein und küsst mich gleichzeitig auf dem Mund. Kurze Zeit später nimmt sie den Vibrator aus ihrer Muschi, schnappt sich die Gleitcreme, verteilt sie über den Vibrator, kommt zu mir, streichelt über die Pobacken des Mädels mit dem ich gerade am Werkeln bin, gleitet mit dem Vibrator die Pofalte rauf und runter und führt ihm dem Mädel in den After ein. Das Muss ein Genuss für die Dame sein, es von hinten und von vorne besorgt zu bekommen. Der junge Mann geht zum ende des Sofas, zieht den Kopf der Frau an den Haaren nach oben und steckt ihr seinen steifen Penis in den Mund. Währenddessen kommt eine weitere junge Frau zu uns, schnappt sich die Peitsche vom jungen Mann und drischt wahllos auf uns zu.
In diesen Moment denke ich an gar nichts mehr. Ich lasse meine Gefühle und meine Gedanken freien Lauf, jetzt ist mir alles egal. Ob ich jetzt weiter arbeiten werde oder nicht, interessiert mich nicht, ob es draußen wie verrückt schneit ist mir auch Wurst, was jetzt Sophie macht, was sie denkt und wo sie sich befindet ist mir auch egal. Sämtliche Sorgen scheinen weit weg und wie weggeblasen zu sein. Ich höre der Musik, dem Stöhnen und dem Peitschen zu. Ich gebe mich der grenzenlosen Leidenschaft und Geilheit hin. Von so einer wilden Orgie habe ich schon immer geträumt. Viele Leute, keine Tabus, jeder treibt es mit jedem, alles ist erlaubt, es wurde an alles gedacht, Spielzeug, Speis und Trank und Koks. Ich öffne die Augen und mein Blick wandert durch den Raum. Überall geben sich die Leute hingebungsvoll der Leidenschaft und der Lust hin und scheinen sehr vertieft zu sein in dem was sie machen. Dazu die pochenden Beats, die schrillen Farben aus dem Fernseher, die helle Nacht draußen die durch die großen Fenster und Balkontüren viel Licht in den Raum werfen, die Gruppe von Leuten die immer noch am ende des Tisches sitzt und sich angeregt unterhält. All das vermischt mit den verschiedenen Gerüchen wie Rauch, Marihuana, Alkohol, Räucherstäbchen, Körperflüssigkeiten. Ich bewege mich im Rhythmus der Musik, im Rhythmus den die Anderen vorgeben, küsse und werde geküsst, lecke und werde geleckt, bekomme Peitschenhiebe am ganzen Körper, spüre den Schmerz, sehe wie meine Haut langsam rot wird und werde immer geiler. Es treibt mich immer mehr an. Ich lasse meinen Gedanken freien Lauf, frei wie die freien Radikalen, eigentlich denke ich an gar nichts mehr, ich schließe ab und zu die Augen und bewege mich mechanisch zu den Klängen der Musik, vor und zurück, vor und zurück, Hände die meinen Popo streicheln, Hände die über meinen Rücken gleiten, Peitschenhiebe auf meiner Brust, und eine nackte Frau vor mir liegend die jemanden einen bläst, es von mir und einem Vibrator besorgt bekommt, Kerzenwachs das auf ihren Rücken tröpfelt und sie vor Lust laut stöhnt.
Auf einmal ertönen Klänge und Text eines Liedes in meinem Kopf. Zuerst kann ich die Melodie nicht einordnen und der Text ist auch bruchstückhaft da, aber dann realisiere ich um welches Lied es sich handelt.

Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten,
sie fliegen vorbei wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger erschießen
Mit Pulver und Blei,
die Gedanken sind frei.

Mann ist das herrlich! Ich lächle vor Geilheit und Zufriedenheit vor mich hin und bewege mich weiter zu den Klängen in meinem Kopf.

Ich denke was ich will und was mich beglücket,
doch alles in der Still’ und wie es sich schicket.
Mein Wunsch und Begehren kann niemand mir Wehren,
es bleibt dabei: die Gedanken sind frei!”

So geht es eine Zeitlang weiter. Eva kommt mit einem anderen jungen Mann, zieht mich zurück, stellt ihn an meine Position, geht mit mir zum Sessel direkt neben dem Sofa, schubst mich sodass ich auf dem Sessel falle und mich hinsetze, sie setzt sich auf meinem Schoß mit dem Rücken zu mir, fischt mit ihren Fingern meinen Zauberstab und führt ihn in sich hinein. Ich fasse ihr an die Taille und den Hintern und sie bewegt sich auf und ab. Nach ein paar Minuten komme ich. Sie steht auf, geht zu den Anderen und lässt mich total erschöpft auf dem Sessel zurück. Ich habe Durst, habe aber nicht die Kraft aufzustehen. Ich sehe wie die Flaschen auf dem Tisch gegenüber mir zulächeln, kann aber nicht aufstehen. Ich fühle mich müde, ermattet. Eine der jungen Frauen die am anderen Ende des Tisches sitzt sieht zu mir rüber und merkt wie ich auf die Flaschen starre. Sie steht auf, nimmt eine Flasche Mineralwasser und bringt sie mir.
»Hast Du Durst mein Lieber?« flüstert sie mir zu und streichelt sanft meinen Nacken.
»Ja und wie!« erwidere ich und sehe ihr dabei zu wie sie die Flasche hebt und einen tiefen Schluckt nimmt. Hat sie sie nicht mehr alle? Will sie mich quälen? Warum macht sie das? Nach einem tiefen Schluck senkt sie die Flasche lächelt mir zu, schwenkt sie vor mein Gesicht ein paar Mal hin und her, hebt sie wieder und nimmt einen Schluck. Dann beugt sie sich zu mir, visiert meine Lippen an, ich küsse sie instinktiv, wir öffnen beide unsere Münder und setzen zu einem Zungenkuss an, doch anstatt ihrer Zunge schießt mir das Mineralwasser in den Rachen. Was für eine Erfrischung! Wir küssen uns eine Weile ehe sie ihren Kopf zurückzieht und mir tief in die Augen blickt. Dann hebt sie die Flasche und führt sie mir schließlich an den Mund. Ich trinke fast die Flasche leer. Soviel Durst habe ich. Sie nimmt sie mir ab und stellt sie auf dem Boden. Sie schaut wieder in die Augen und wir beginnen uns zu küssen. Sie streichelt mir über die Brust und ich versuche sie langsam auszuziehen. Als ich den letzten Knopf ihrer Bluse aufknöpfe höre ich eine männliche Stimme fragen:
»Bist Du der Taxifahrer?«
»Wer will das wissen?«
»Bist Du es oder nicht?«
»Je nachdem was Du von ihn haben willst.«
Die junge Frau auf meinem Schoß verdreht die Augen und will ihn wegschicken.
»Ich bin einer der Fahrgäste und wir möchten jetzt gehen.«
»Schade! Gib mir zwei Minuten um mich anzuziehen. Trommle mal den Rest zusammen.«
»Entschuldige Süße, die Pflicht ruft« sage ich zu der Dame auf meinem Schoß und schubse sie leicht damit sie Aufsteht. Der junge Mann geht hinüber zu den Anderen die immer noch eine Orgie auf dem Sofa feiern und spricht mit ein paar von denen und geht dann zurück zum Tisch wo die angezogene Gruppe sitzt. Ich stehe auf, ziehe mich an, gehe aufs Klo, schaue auch in den Spiegel und sehe einen total fertigen aber glücklichen Typen, komme zurück und gehe zum Tisch wo jetzt die Meisten versammelt sind. Vier Personen, darunter Eva, stehen auf. Ich packe noch meinen Mantel, ziehe ihn an und folge den Leute hinaus. Im Fahrstuhl streiten sich die Vier wohin es jetzt gehen soll.
»Ich möchte ins Skyline!« sagt einer.
»Ich möchte in den Kunstpark!« ein anderer.
»Warum fahren wir nicht in die Maxsuite?« fragt ein Dritter.
»Warum fahren wir nicht ins Pacha?« fragt Eva.
»Was schlägst Du denn vor wohin wir gehen könnten?« werde ich gefragt.
»Mei, ihr lässt mich besser da raus. Mit zwei der Kandidaten kann ich nichts anfangen und außerdem wenn ich Euch wohin fahre und es gefällt Euch nicht bin ich an Allem schuld. Nee nee, das macht ihr unter Euch aus. Aber da zwei von Euch zum Maximiliansplatz möchten, kann ich Euch dahin fahren und ihr sucht Euch dort eine Lokalität aus. Es gibt ja eine breite Auswahl.«
»Gute Idee Kutscher! So machen wir es!« sagt einer der Jungs.
Als wir ins Taxi steigen fällt mein Blick sofort aufs Taxameter das 22,30 Euro zeigt. Nicht nur mein Blickt fällt darauf, sondern auch der aller Anderen.
»Du, Kumpel, warum zeigt die Uhr soviel an?« werde ich von hinten gefragt.
»Beschwerden bitte an Eva richten!« sage ich und zeige demonstrativ mit dem Finger auf ihr. »Es war ihr Wunsch die Uhr laufen zu lassen.«
Ich fahre los und biege in den Oberanger rechts ab. Mann! Eine Stunde war ich jetzt oben bei denen, habe gepoppt wie ein Weltmeister und werde auch noch dafür bezahlt! Die Leute streiten sich wer den Fahrpreis bezahlen soll. Sie alle gehen auf Eva los, wie um alles in der Welt sie auf so eine hirnrissige Idee kam und dass sie jetzt auf keinen Fall die Summe durch vier teilen werden. Da es im Auto kalt ist schalte ich die Heizung auf höchste Stufe und schalte dazu das Funkgerät und das Radio an. Der Funker schreit sich immer noch die Seele aus dem Leib und versucht die Aufträge an den Mann zu bringen. Wahnsinn! Um die Uhrzeit herrscht immer noch reger Funkbetrieb. Normalerweise ist es ruhiger, d.h. es gibt schon viel zu tun aber es sind vermehrt Aufhalter und Einsteiger mit denen wir das Geschäft machen. Ab und zu geht hier und da das Schwammerl und auf dem Äther ist es ruhig. Die meisten Leute sind in irgendwelche Nachtlokale und gehen einfach auf die Straße und winken sich ein Taxi.
Wir erreichen den Stachus als die Vier einen Kompromiss vereinbaren. Die Fahrt wird durch vier geteilt, sie gehen ins „Pacha“ wo ein Freund von Eva an der Bar arbeitet und sie macht ihm schöne Augen damit sie umsonst trinken dürfen.
Ich fahre über dem Lenbachplatz am Wittelsbacherbrunnen vorbei, über die östliche Seite des Maximiliansplatzes, biege links in die Max-Joseph ein und wieder links auf die westliche Seite des Platzes und halte vorm Lokal an. Jemand von hinten gibt mir dreißig Euro und sagt dass es so stimmt. Eva und die andere junge Dame küssen mich zum Abschied und steigen aus. 

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