Kaum rauche ich die Zigarette zu
ende, bin ich schon Erster am Stand und das Schwammerl, die gemeine Rufsäule,
bimmelt. Ich steige vorsichtig aus um nicht mit meinen Italotretern im
Schneematsch zu versinken. Gehe ran und eine Fraustimme bestellt mich zur
Winthirstraße, zum Photostudio im Rückgebäude. Sie fragt ob ich auch mit dem
Gepäck behilflich sein kann. »Natürlich!« sage ich und gehe zurück zum Auto. Kaum steige ich
ein, schaltet die Ampel vor mir auf grün. Ich fahre vom Stand auf die Straße,
biege rechts ab, fahre die kleine kopfsteingepflasterte Steigung hinauf, biege
an der Ampel rechts und nach ein paar Metern bin ich da. Ich fahre die Einfahrt
rein und dann nach hinten rechts. Vor einer hölzernen Tür mit großen Scheiben
im oberen Bereich bleibe ich stehen. Schalte den Motor aus, steige aus und gehe
hinein. Im Vorraum ist keiner. Von links kommen Stimmen. Ich gehe die Richtung
und sehe eine Horde leicht bekleideter Damen die im Raum auf und ab gehen und
fotografiert werden. Ein Älterer Herr gefolgt von einer jüngeren Dame kommt zu
mir und fragt ob ich das Taxi sei. Links neben mir stehen ein paar Koffer die
ich mitnehmen und verstauen soll. Bevor ich zwei der Koffer hebe, schaue ich
noch einmal in den Raum und schweife mit meinem Blick von links nach rechts und
wieder zurück. »Oh Mann! So muss es im
Paradies ausschauen!« flüstere ich vor mich
hin. Der Ältere Mann hört es, lächelt und sagt: »So
wünsche ich es mir auch!« Dann lachen wir
beide. Ich packe die zwei Koffer und gehe hinaus zum Taxi. Kaum draußen, kommen die Dame und der Herr und bringen das
restliche Gepäck hinaus in den Hof. Dort fragt die Dame ob ich Kreditkarten
akzeptiere und ob sie im Voraus zahlen kann und was es bis zum Flughafen kosten
wird. Als ich das Wort „Kreditkarte“ höre, muss ich an Saki und Shania Twain
denken und schmunzeln.
Ich bejahe ihre Fragen und nenne
einen Preis. Sie ist einverstanden und gibt mir ihre Kreditkarte. Dann fragt
sie wie ich fahren werde.
»Den
kürzesten Weg, Gnädigste!«
»Könnten
Sie hintenrum fahren?«
»Wie
meinen Sie, hintenrum?«
»Vornerum
ist meistens zu viel Verkehr, es gibt eine Baustelle und es dauert lange bis
man ankommt.«
»Was
meinen Sie mit ‚hintenrum’ Gnädigste?«
»Ja,
hintenrum halt!«
»Ah
ja! Dass ihr Frauen es immer von hinten wollt!«
»Bitte?«
»Ach
nichts.«
»Wie
nichts, was sagten Sie?«
»Das
ihr Frauen es immer von hinten wollt! Lange Zeit hieß es: Nein, nein! Es ist
schmutzig und unmoralisch! Nein, es tut weh, nein, ich möchte Dir in die Augen
schauen können wenn wir es machen, usw. Jetzt seid ihr auf den Geschmack
gekommen und wollt es nur noch von hinten!«
» …..
«
»Heute
herrscht kein Verkehr Gnädigste, wahrscheinlich nicht mal in den Betten dieser
wunderbaren Republik. Die Straßen sind frei. Ich fahre den kürzesten Weg, so
sparen Sie sich Geld und ich Zeit.«
Ich ziehe die Karte durchs Gerät,
sie unterschreibt den Beleg, ich stelle ihr noch eine Quittung aus, der Mann
steigt ein und wir fahren los.
»Zum
Terminal 2, bitte!« sagt er und fügt lachend
hinzu: »Die frigide Dame ist wirklich
sprachlos geblieben! Sehr schön gemacht junger Mann!«
Er lehnt sich zurück, ich drehe die Musik etwas lauter, wir fahren den
Ring nach Norden und genießen die Fahrt am Olympiadorf und BMW-Gelände vorbei, hinein
in den Petueltunnel und raus auf die Autobahn.
Er schweigt die ganze Zeit und
schaut aus dem Fenster.
“Follow me
To a place where we can be absolutely free
To be exactly what you wanna be completely
Lose control that’s why I need you more
Give me the key to set your heart and spirits free ooohhhhh yeeeaaahhh”
To a place where we can be absolutely free
To be exactly what you wanna be completely
Lose control that’s why I need you more
Give me the key to set your heart and spirits free ooohhhhh yeeeaaahhh”
Bei diesem Lied muss ich wieder
an Sophie denken. Jedes Mal als es im Radio kam drehte sie die Musik lauter und
sang mit.
“I wanna love you now
I wanna take you high
I wanna give you everything that you desire”
I wanna take you high
I wanna give you everything that you desire”
Dann sang und schrie sie noch:
“I don't care if
you don't want me, I'm yours right now
You know I can't stand it baby
You don't want me, I'm yours right now”
You know I can't stand it baby
You don't want me, I'm yours right now”
Wir gingen auch regelmäßig in
Clubs und als eines dieser Lieder gespielt wurde nahm sie mich an der Hand,
zerrte mich auf die Tanzfläche, wirbelte mit ihren Armen und Haaren, ließ ihren
Kopf im Rhythmus der Musik kreisen, wackelte lasziv mit ihren süßen Hintern und
warf mir heiße, verliebte Blicke zu. Danach sprang sie auf mich, legte ihre
Beine um meine Hüften, ihre Arme um meine Schultern und küsste mich wild. Ich sehe
sie vor mir wie sie rumtanzt und singt. Später zuhause als wir erschöpft zu
Bett gingen sang sie mir leise ins Ohr:
“You look into my eyes
I go out of my mind
I can't see anything
Cos this love's got me blind
I can't help myself
I can't break the spell
I can't even try”
I go out of my mind
I can't see anything
Cos this love's got me blind
I can't help myself
I can't break the spell
I can't even try”
Was für ein Liebeslied! Es
kribbelt in mir wenn ich nur daran denke und wünsche mir diese Zeit wieder
zurück. Oh Sophie! Wie Du mir fehlst! Warum musste alles so kommen? Warum nur
sind wir nicht mehr zusammen? Warum ist unsere Beziehung zu ende?
Ich fahre weiter von der A9 auf
die A92. Der Fahrgast schaut immer noch aus dem Fenster und schweigt. Viel kann
man nicht sehen weil es dunkel ist. Es ist anstrengend bei dichtem
Schneetreiben zu fahren. So als ob man gegen eine weiße Wand fährt, hinein ins
Ungewisse. Die Flocken hypnotisieren einen förmlich und wenn man denen zuschaut
wie sie einen entgegen kommen verliert man sich in Gedanken und man lässt Raum
und Zeit hinter sich. So als ob man den PC-Bildschirmschoner anhat und den
Blick darauf fixiert und alles andere drum herum auf einmal verschwindet. Oder
als die Enterprise mit voller Kraft voraus in fremde Galaxien vorstieß und die
Sterne der Besatzung nur so um die Ohren, bzw. ums Raumschiff flogen.
So langsam möchte ich auch aufs
Klo.
Wir kommen dem Flughafen immer
näher. Man merkt es an dem orangefarbenen Himmel. Nach einer langen Rechtskurve
biegen wir auf die Tagente und vor uns erstreckt sich das riesige Gelände.
Unglaublich was der große FJS hier bauen ließ. Ein Prototyp von Ede Stoibers
Gedächtnisbahn steht in der Vorhalle beim Terminal 2. Irgendwann soll man damit
in zehn Minuten vom Hauptbahnhof zum Flughafen magnetisch gleiten können. Kaum
vorstellbar dass bis vor ein paar Jahren hier alles Moor und Sumpfgebiet war.
Wir fahren am riesigen Tannenbaum vorbei und biegen nach links ab.
»Ehm,
hätten wir da nicht rechts abbiegen sollen?«
fragt der Fahrgast.
»Geht
auch, aber rechts ist für den Privatverkehr und links für uns Taxen.«
Wir fahren unter der Brücke durch
auf der gerade ein Flugzeug rüber fährt, auf der anderen Seite wieder Hoch, nehmen
die Ausfahrt und biegen am Kreisel rechts und fahren vor bis zum Stand. Dort
steigen wir beide gleichzeitig aus, ich gehe nach hinten zum Kofferraum und
nehme alles raus während der Fahrgast einen Kofferwagen organisiert. Er bedankt
sich für die schöne und angenehme Fahrt und gibt mir noch ein wenig Trinkgeld.
Als er in die Halle reingeht schließe ich das Taxi ab und gehe hinein auf die
Toilette.
Zu kaufen gibt es das Buch hier: (öffnet im neuen Fenster)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen