Kaum
knallen die Türen zu gehen die auch wieder auf. Ich bereue jetzt schon dass ich
nicht die Zentralverriegelung betätigt habe. Es steigen zwei junge Frauen ein,
beide aufgetakelt bis in die Haarspitzen, versprühen einen mehr als ödem Charme
und Geruch und wirken sehr oberflächig und hochnäsig. Beide setzen sich hinten rein
und reagieren nicht auf meine Begrüßung.
»In die
Cornelius zwischen Gärtnerplatz und Baaderstraße!« wird mir von hinten
befohlen.
»Einen
wunderschönen guten Abend!« grüße ich zum zweiten Mal nicht ohne ironischen
Unterton und frage mich mit was ich solche Fahrgäste verdient habe. Will mich
heute Jemand bestrafen weil ich nicht artig gewesen bin? War ich denn unartig?
Wenn ich mir die zwei jetzt anschaue und an die drei von vorhin denke
erschaudere ich und glaube zu wissen weswegen viele Männer es bevorzugen Single
zu bleiben oder eben keine Partnerin finden mit der sie zusammen sein könnten.
Solche Frauen sind ein Grund schwul zu werden. Das sind abschreckende
Beispiele. Wie soll Mann mit einer solchen Frau zusammenkommen? So langsam
glaube ich Sakis frauenverächtliche Theorien. Er blickt auch von einer Blase
über mir herunter und nickt zustimmend.
Ich
schaue die Eine etwas länger an bevor ich aufs Gaspedal trete.
»Was
glotzt Du denn so? Noch nie eine Frau gesehen?« werde ich angemotzt.
Mein
Gott! Ich drücke aufs Gas, fahre an der Ampel nach rechts, blicke in den
Rückspiegel und sage: »Sie kommen mir bekannt vor. Kann es sein dass wir uns
kennen?«
»´Ne
bessere Anmache hast Du nicht auf Lager? Das ist ja erbärmlich!«
Oh
Saki, wie recht Du nur hast mit Deiner Behauptung dass die Emanzipation der
Frau nichts Gutes hervorgebracht hat, eher nur Nachteile und Negatives und dass
jetzt massenweise verstörte und überemanzipierte Mannweiber da draußen
rumlaufen die nicht wissen wie sie mit der gewonnenen Freiheit umzugehen haben
und einen auf dicke Eier machen und sich nachher beschweren dass sie alleine
bleiben und keinen Mann finden. Wie soll ein Mann mit so einer Frau zusammen
sein? Wie soll es jemand mit so einer aushalten die ihm ständig rumkommandiert,
Befehle erteilt, ihm mit ihrer herrischen Art klein zu machen versucht und sich
aufspielt als hätte sie die Hosen an, als würde ihr die Welt gehören, als ob
sie die Mächtigste wäre, die Schönste, die Beste, die absolute Traumfrau die
jeder haben möchte und derjenige der es geschafft hat mit ihr zusammen zu sein
soll sich richtig glücklich schätzen und es wie einen Lottogewinn sehen, den
man einmal im Leben bekommt und danach nie wieder. Er soll ihr zu Füßen liegen,
denn sie kann ja jeden haben und wird ihn auch verlassen wenn er nicht spurt,
wenn er ihr nicht jeden Wunsch von den Augen abliest und sich nicht vor ihrer
Freundinnen freiwillig zur Sau machen lässt. Und wehe er ist nicht erfolgreich
in seinem Beruf, oder übt nicht den Richtigen aus, fährt keinen Porsche und
besitzt kein Anwesen in Grünwald oder Bogenhausen. Denn dort hört die
Emanzipation auf. Emanzipation schön und gut, aber gewisse Sachen sollten doch
so bleiben wie sie die Evolution erschaffen hat. Sie bringt die Schönheit in
die Beziehung und er kümmert sich um das Finanzielle, um die Sicherheit. Wehe
er verliert seinen gut dotierten Job, dann wird er fallengelassen wie eine
heiße Kartoffel. Solche Frauen sind der absolute Horror. Die Demoskopen eines
jeden Landes sollten diese Tatsache in betracht ziehen und sie mit zu den
Ursachen zählen die einen Zuwachs der Bevölkerung verhindern. Nicht die
Akademikerinnen sind an der Kinderlosigkeit schuld, sondern solche Mannweiber.
Wie recht Du hast Saki!
»Dass
ist keine Anmache, Du kommst mir echt bekannt vor. Ich weiß nur nicht woher.«
»Ja ja,
lass Dir was besseres einfallen. Jetzt fahr uns mal nach hause und träum weiter
von einer angeblichen Bekanntschaft!« Beide kichern wild darauf los.
Ich
sage nichts mehr und versuche mich zu erinnern woher ich sie kenne. Ich
vergesse selten ein Gesicht oder eine Stimme, Namen kann ich mir hingegen nicht
merken. Als wir am Sendlinger Tor an der Ampel stehen fällt es mir wieder ein.
Ich drehe den Kopf nach hinten und störe deren hirnrissige Konversation.
»Bist
Du nicht die Elena? Die bulimiekranke und sexsüchtige Elena? Die, die gerne
schluckt und auf Analsex und Orgien steht? Du hast mal bei mir gegenüber
gewohnt. Und als Du damals als Landei frisch in der Großstadt warst, hast Du
Dich zumindest am Anfang normal und anständig benommen, später wurdest Du
massenweise von hinten genommen!«
Sie
erbleicht und ihre Freundin schaut auch fassungslos zu mir nach vorne.
Elena
sah ich vor langer Zeit öfters im Supermarkt und sie gefiel mir sehr. Das war
zu ihrer Anfangszeit in der Stadt. Sie wurde von einer andersartigen Aura
umgeben, sie strahlte etwas bodenständiges, unschuldiges aus. Wie sie sich
kleidete, wie sie sich bewegte, wie sie an der Käsetheke bestellte und wie sie
durch die Gänge des Supermarktes schlenderte. Sie, im Gegensatz zu all den
anderen Großstädtern, schien es nicht eilig zu haben und schien zumindest am
Anfang etwas verloren zu sein im Überangebot des Marktes.
Eines
Tages hielt sie mich vor dem Eingang an und fragte nach der Nächsten Apotheke.
Ich blickte in ihre kastanienbraunen Augen und verlor mich in den Klängen ihrer
sanften Stimme. Es dauerte etwas bis mein Verstand wieder klar war und ich
erklärte ihr den Weg. Einige Zeit später
sah ich sie in einer Disco wie sie alleine tanzte und sprach sie an. So langsam
lernten wir uns kennen und sie lernte einen Teil meines Freundes- und
Bekanntenkreises kennen und fand darüber hinaus eigene Freunde. Obwohl ich von
ihr fasziniert war machte ich nie den entscheidenden Schritt. Etwas in mir
flüsterte mir zu dass mit der Person nicht gut Kirschen essen ist. In der Tat
ging die Unschuld vom Lande bald andere, heftigere Wege. Sie fing an zu
rauchen, zu trinken, konsumierte allerlei Drogen und landete in vielen Betten
dieser Stadt. Wir verloren uns eine Zeitlang aus den Augen und als wir uns
zufällig in der Stadt überm Weg liefen schien sie völlig fertig mit sich selbst
und der Welt zu sein. Ich lud sie zum Essen ein und wir redeten eine Weile. Zum
Abschied fragte sie mich ob ich ihr Geld leihen könnte. Ich gab ihr zwanzig
Mark und sah sie nie wieder.
»Stimmt
das Elena?«
»Oh,
ähm, nein! Er lügt!« stammelt sie nach Wörtern ringend. »Er wollte damals was
von mir und ich habe ihm die kalte Schulter gezeigt. Ein richtiger Alptraum war
er damals. Wochenlang lief er mir hinterher, schenkte mir Blumen und schrieb
Gedichte, bis ich die Polizei einschaltete und sie dem Ganzen ein Ende
bereitete« behauptet sie mit sie langsam festigender Stimme, klingt aber immer
noch unglaubwürdig.
»So so,
wie heiße ich denn?« frage ich und bin mir ganz sicher dass sie sich nicht mehr
an meinem Namen erinnern kann.
»Georg!«
sagt sie wie aus der Pistole geschossen.
»Na,
tut mir leid! Ich heiße nicht Georg« sage ich und halte ihr meinen
Personalausweis entgegen damit sie sieht wie mein Name ist und nicht denkt ich
würde sie anlügen. Ihre Freundin wirft auch einen interessierten Blick darauf
und schaut Elena mit fragendem Blick an. Ich fühle mich gut! Schade Saki dass
Du das hier verpasst! Du wärst stolz auf mich.
Mittlerweile
kommen wir an und ich halte vor einer Einfahrt. Die Freundin bezahlt und beide
steigen grußlos aus.
So das
war jetzt ein krönender Abschluss einer ereignisreichen und langen Schicht. Da
ich mich in der Nähe des Unternehmens befinde, fantastischen Umsatz gemacht
habe, mich müde fühle und keine Nerven mehr habe mich irgendwelchen paranoiden
Arschlöchern auszusetzen beschließe ich das Auto abzustellen. Es ist schon nach
sieben Uhr. Wie die Zeit vergeht! Wahnsinn! Ich schalte die Reklame auf dem
Dach, den Funk und die Musik aus, öffne sämtliche Fenster um Frischluft
reinzulassen, wende auf der Stelle, fahre zurück zum Gärtnerplatz und drehe
drei Runden bevor ich zur Tankstelle fahre. Es ist immer noch eine Menge los,
aber genug ist genug. Ich brauche meine Kräfte für heute Abend.
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