In der Zwischenzeit fahre ich zum
Nordbau. Habe vorhin überm Funk mitbekommen dass dort Taxen gebraucht werden.
Hoffentlich komme ich nicht zu spät.
Zu meinem Glück ist der
Zugfahrplan immer noch durcheinander und es stehen massenweise Leute rum die
auf ein Taxi warten.
Ich mustere die Leute und fahre
vor zu einem älteren Herrn. Steige aus und will den Koffer heben der Neben dem
Herrn steht.
»He!
Wir stehen schon länger hier!« schallt es von
vorne.
»Ein
wenig Respekt vorm Alter täte schon gut in dieser kalten Zeit!« rufe ich zurück und lege den Koffer in den Kofferraum.
Der Herr zeigt sich sichtlich erfreut und bedankt sich dass ich ihn aufnehme
und nicht im Schneegestöber auf ein anderes Taxi warten lasse. Als Fahrziel
gibt er die Bustellistraße an.
»Bustelli?
Ist die nicht parallel zur Nördlichen Auffahrt und geht von der Nederlinger ab?«
»Sie
kennen sich aber gut aus, mein Herr!« sagt er.
»Sie sind einer der ganz wenigen der die
Straße kennt.«
»Straßen
mit markanten Namen bleiben eher im Hirn gespeichert als 08/15 Straßen.«
»Dass
Sie heute arbeiten!? Feiern Sie nicht Weihnachten mit Familie oder Frau oder
Freundin? Oder sind Sie andersgläubig und haben kein Weihnachten?«
Ich fahre währenddessen über die
Tramgleise, dann die Arnulf zurück, rechts in die Seidl und ein Stück vor zum
Stiglmaier, dann links in die Nymphenburger und immer geradeaus.
Er schaut aus dem Fenster während
er mir Fragen stellt.
»Meine
Eltern sind in Australien und eine Freundin habe ich nicht. Deswegen arbeite
ich heute. Abgesehen davon, arbeite ich sehr gerne an Weihnachten.«
»Keine
Freundin? Wie kann ein so netter junger Mann wie Sie keine Freundin haben?«
»Lange
Geschichte! Sie hat vor kurzem den Laufpass gegeben.«
»Ach
wie schade!«
Wirklich schade, denke ich und
sehe Sophie wieder vor meinem geistigen Auge.
»Wissen
Sie« sagt der ältere Herr nach einer kurzen
Pause, »Frauen sind wie Rosen. Je hübscher, schöner,
delikater und zerbrechlicher sie erscheinen, desto dorniger sind sie. Die tun
uns gutmütigen Männern am meisten weh. Einen altern Herrn wie mir können Sie
ruhig glauben.«
Ich schaue dem Herrn tief in
seine stahlblaue Augen und sage: »Diesen Satz
werde ich mir merken!«
Das Radio spielt Weihnachtslieder
und ich wechsle den Sender. Auch beim dritten und vierten Sender gibt es nur
Weihnachtsgedudel zu hören und ich lege eine CD ein. Schwedenjazz! Bo Kaspers
Orkester. Der Herr wippt leise im Takt als wir die Landshuter Allee überqueren
und Richtung Rotkreuzplatz fahren.
“Det går en
man omkring i mina skor
det går en man omkring i mina skor
Han har tagit allt jag äger,
stulit nyckeln dit jag bor
det går en man omkring i mina skor”
det går en man omkring i mina skor
Han har tagit allt jag äger,
stulit nyckeln dit jag bor
det går en man omkring i mina skor”
Ja das
fetzt! Das ist ein Sound! Das gefällt auch dem alten Herrn! Kaum ist das Stück
zu ende sind wir auch schon da. Der Herr zahlt, steigt aus und kaum bin ich aus
dem Taxi um das Gepäck auszuladen steht schon eine Horde Leute um ihn herum die
ihn begrüßt, küsst und umarmt. Die Szene erinnert mich an den anderen Herrn den
ich in die Walther gefahren habe. Ein wirklich schöner Anblick die Leute so zu
sehen. Man merkt dass Weihnachten doch ein Familienfest und ein Fest der Liebe
ist. Bei diesem Anblick wird einem warm ums Herz und man vergisst die Kälte und
den Schnee und das Eis. Während ich den Koffer auf dem Trottoir stelle, träume
ich vor mich hin und wünsche mir wenn ich alt bin auch so von meinen Kindern
und Enkelkindern empfangen zu werden.
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