Montag, 14. April 2014

Teil 44



Als ich die Widenmayer kurz hochfahre um dann die Emil-Riedel, die parallel zur Widenmayer verläuft, runter Richtung Zentrum zu fahren höre ich wie jemand durchgibt dass es am Haus der Kunst mehrmals geht. Super! Das wird mein wahrscheinlich letzter Stich für heute Nacht, denn so langsam verlassen mich auch meine Kräfte. Ich öffne auch das Beifahrerfenster drehe die Musik lauter sodass sogar das Trommelfell zum Beat tanzt und biege lässig rechts in die Prinze ab und fahre das kurze Stück bis zum Haus der Kunst vor. Ab dem Eingang zum Parkplatz bis vor zur Bushaltestelle stehen einige dutzend Personen mitten auf der Straße die nach einem Taxi winken. Ich unterlasse das Such-Dir-einen-netten-Fahrgast-Spiel, denn aus dem Untergeschoßstüberl kommen keine nette Leute raus, nur großkotzige Möchtegernerfolgsmenschen die mit ihren angeblichem Reichtum und guten Jobs angeben und wirklich nichts in der Birne haben. So halte ich vor den ersten Personen die mir fast auf die Motorhaube springen. Die Türen auf der rechten Seite gehen auf und es setzen sich rein: eine Frau um die dreißig auf dem Beifahrersitz und hinten eine etwas jüngere Frau, eine Schwuchtel mit Lidschatten, geschminktem Gesicht und lackierten Fingernägel und noch eine Dame ende zwanzig. Es wird gegrüßt und ich stelle die übliche Frage nach dem Fahrziel.
»Wir möchten zum Maximiliansplatz« sagt die Dame auf dem Beifahrersitz mit dunkler rauchiger Stimme und macht einen oberflächigen Eindruck.
»Gut, und wo genau dort? Direkt zum Platz oder irgendeine Seitenstraße?«
»Fahr uns mal dahin und wir sagen Dir dann weiter. Den Laden kennst Du eh nicht.«
»Meinen Sie? Auch wenn ich ihn nicht kennen sollte, kenne ich bestimmt die Straße in der er sich befindet.« Inzwischen fahren wir über die auf Grün geschaltete Ampel an der Amerikanischen Botschaft vorbei.
»In die Max-Joseph-Straße glaube ich möchten wir« sagt eine der Damen von hinten. »Tanja, sag ihm doch endlich wo wir hinwollen!«
»Ach der Laden ist so neu, den kennt kein Mensch!« sagt die Frau mit der rauchigen Stimme in einem Ton der wirklich herablassend klingt.
Ich kombiniere die Informationen. Ganz neuer Laden in der Max-Joseph, das kann ja nur bedeuten…
»Und was ist wenn ich den Laden doch kenne?« lächle ich der Raucherstimme entgegen.
»Kann ich mir nicht vorstellen. Er hat noch nicht mal Eröffnung gehabt. Keiner kennt ihn. Nur Eingeweihte mit Einladung.«
»Um was wollen wir wetten, dass ich ihn kenne?«
»Willst Du mich verarschen? Woher willst Du ihn kennen?« fragt die Raucherstimme so richtig hochnäsig.
»Passen Sie mal auf: Ich fahre nicht umsonst Taxi. Ein guter Fahrer kennt sich aus und weiß vieles wovon die Meisten nicht mal etwas gehört, geschweige denn in der Presse gelesen haben. Den Laden den Sie meinen kenne ich und ich war sogar drin!«
»Ach ja? Das glaube ich nicht, weil er heute inoffizielle Eröffnung feiert.«
»Sie meinen das ‚Baby’ einem der Nachfolger in den Räumen des kultigen und legendärem ‚Aubergine’. Ich habe Teile der Dekoration getragen und durfte durch den Laden spazieren, wurde zu Drinks eingeladen und die Betreiber und deren Personal kennenlernen lange bevor Sie von der Eröffnung erfahren haben! Und es ist einer der wenigen Läden die eine Türsteherin haben!«
So, das hat jetzt gesessen. Die Tussi ist Sprachlos. Das mit der Dekoration stimmt wirklich. Vor einigen Wochen fuhr ich mal wieder den Taxibus meines Kumpels und war in der Nähe der Sendlingerstraße als die Zentrale vergebens versuchte einen Busauftrag zu vergeben. Ich nahm ihn an und fuhr zu einem Geschäft wo mich bereits der Besitzer des Baby mit sperrigen Dekorationsartikeln vor der Tür erwartete. Als wir alles reingetragen hatten gab er mir sogar einen aus. Einige Tage später fuhr ich eine junge Dame zum Lokal die mir sagte dass sie als Türsteherin dort arbeiten würde.
Die Leute hören der Schwuchtel zu wie sie aufgeregt etwas erzählt. Ich fahre vom Oskar-von-Miller-Ring schräg rechts in die Ottostraße ein worauf die Schwuchtel aufhört zu erzählen und mich anschreit wohin ich den fahre.
»Als Mann (ich schüttle verzweifelt den Kopf) sollte man einen guten Orientierungssinn besitzen und wissen, dass der Eingang des Lokals an der nächsten Ampel links auf der rechten Seite ist.«
»Aber es ist ein Umweg denn Du da fährst!« protestiert er.
»Is scho recht!«
Gott sei dank sind die Ampeln auf Grün und ich biege rasch ab und halte direkt vorm Eingang. Die Raucherstimme zahlt während die Anderen aussteigen und gibt kein Trinkgeld.

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