Als ich
die Widenmayer kurz hochfahre um dann die Emil-Riedel, die parallel zur
Widenmayer verläuft, runter Richtung Zentrum zu fahren höre ich wie jemand
durchgibt dass es am Haus der Kunst mehrmals geht. Super! Das wird mein
wahrscheinlich letzter Stich für heute Nacht, denn so langsam verlassen mich
auch meine Kräfte. Ich öffne auch das Beifahrerfenster drehe die Musik lauter
sodass sogar das Trommelfell zum Beat tanzt und biege lässig rechts in die
Prinze ab und fahre das kurze Stück bis zum Haus der Kunst vor. Ab dem Eingang
zum Parkplatz bis vor zur Bushaltestelle stehen einige dutzend Personen mitten
auf der Straße die nach einem Taxi winken. Ich unterlasse das
Such-Dir-einen-netten-Fahrgast-Spiel, denn aus dem Untergeschoßstüberl kommen
keine nette Leute raus, nur großkotzige Möchtegernerfolgsmenschen die mit ihren
angeblichem Reichtum und guten Jobs angeben und wirklich nichts in der Birne
haben. So halte ich vor den ersten Personen die mir fast auf die Motorhaube
springen. Die Türen auf der rechten Seite gehen auf und es setzen sich rein:
eine Frau um die dreißig auf dem Beifahrersitz und hinten eine etwas jüngere
Frau, eine Schwuchtel mit Lidschatten, geschminktem Gesicht und lackierten
Fingernägel und noch eine Dame ende zwanzig. Es wird gegrüßt und ich stelle die
übliche Frage nach dem Fahrziel.
»Wir
möchten zum Maximiliansplatz« sagt die Dame auf dem Beifahrersitz mit dunkler
rauchiger Stimme und macht einen oberflächigen Eindruck.
»Gut,
und wo genau dort? Direkt zum Platz oder irgendeine Seitenstraße?«
»Fahr
uns mal dahin und wir sagen Dir dann weiter. Den Laden kennst Du eh nicht.«
»Meinen
Sie? Auch wenn ich ihn nicht kennen sollte, kenne ich bestimmt die Straße in
der er sich befindet.« Inzwischen fahren wir über die auf Grün geschaltete
Ampel an der Amerikanischen Botschaft vorbei.
»In die
Max-Joseph-Straße glaube ich möchten wir« sagt eine der Damen von hinten. »Tanja,
sag ihm doch endlich wo wir hinwollen!«
»Ach
der Laden ist so neu, den kennt kein Mensch!« sagt die Frau mit der rauchigen
Stimme in einem Ton der wirklich herablassend klingt.
Ich
kombiniere die Informationen. Ganz neuer Laden in der Max-Joseph, das kann ja
nur bedeuten…
»Und
was ist wenn ich den Laden doch kenne?« lächle ich der Raucherstimme entgegen.
»Kann
ich mir nicht vorstellen. Er hat noch nicht mal Eröffnung gehabt. Keiner kennt
ihn. Nur Eingeweihte mit Einladung.«
»Um was
wollen wir wetten, dass ich ihn kenne?«
»Willst
Du mich verarschen? Woher willst Du ihn kennen?« fragt die Raucherstimme so
richtig hochnäsig.
»Passen
Sie mal auf: Ich fahre nicht umsonst Taxi. Ein guter Fahrer kennt sich aus und
weiß vieles wovon die Meisten nicht mal etwas gehört, geschweige denn in der
Presse gelesen haben. Den Laden den Sie meinen kenne ich und ich war sogar
drin!«
»Ach
ja? Das glaube ich nicht, weil er heute inoffizielle Eröffnung feiert.«
»Sie
meinen das ‚Baby’ einem der Nachfolger in den Räumen des kultigen und
legendärem ‚Aubergine’. Ich habe Teile der Dekoration getragen und durfte durch
den Laden spazieren, wurde zu Drinks eingeladen und die Betreiber und deren
Personal kennenlernen lange bevor Sie von der Eröffnung erfahren haben! Und es
ist einer der wenigen Läden die eine Türsteherin haben!«
So, das
hat jetzt gesessen. Die Tussi ist Sprachlos. Das mit der Dekoration stimmt
wirklich. Vor einigen Wochen fuhr ich mal wieder den Taxibus meines Kumpels und
war in der Nähe der Sendlingerstraße als die Zentrale vergebens versuchte einen
Busauftrag zu vergeben. Ich nahm ihn an und fuhr zu einem Geschäft wo mich
bereits der Besitzer des Baby mit
sperrigen Dekorationsartikeln vor der Tür erwartete. Als wir alles reingetragen
hatten gab er mir sogar einen aus. Einige Tage später fuhr ich eine junge Dame
zum Lokal die mir sagte dass sie als Türsteherin dort arbeiten würde.
Die
Leute hören der Schwuchtel zu wie sie aufgeregt etwas erzählt. Ich fahre vom
Oskar-von-Miller-Ring schräg rechts in die Ottostraße ein worauf die Schwuchtel
aufhört zu erzählen und mich anschreit wohin ich den fahre.
»Als
Mann (ich schüttle verzweifelt den Kopf) sollte man einen guten
Orientierungssinn besitzen und wissen, dass der Eingang des Lokals an der
nächsten Ampel links auf der rechten Seite ist.«
»Aber
es ist ein Umweg denn Du da fährst!« protestiert er.
»Is
scho recht!«
Gott
sei dank sind die Ampeln auf Grün und ich biege rasch ab und halte direkt vorm
Eingang. Die Raucherstimme zahlt während die Anderen aussteigen und gibt kein
Trinkgeld.
Zu kaufen gibt es das Buch hier: (öffnet im neuen Fenster)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen