Zu
meinem Glück ist der Stand leer und es läutet auch das Standplatztelefon. Ich
halte schräg vor der Säule, hechte raus und erwische es gerade noch. Ein Herr
mit italienischem Akzent bestellt mich zum Fischlokal am Mariahilfplatz. Seit
wann bestellen die über die Säule? Die rufen doch immer die Zentrale an.
Vielleicht sind die nicht durchgekommen oder es ist ein neuer Kellner den ich gerade
an der Strippe hatte.
Direkt
vorm Fischrestaurant ist eine Parklücke in die ich hinein fahre. Ich öffne die
Tür und ein starker Fischgeruch weht mir entgegen. Es erinnert mich an einen
Abend mit Michaela, meiner österreichischen Nachbarin in Uppsala. Wir gingen
lange spazieren und hatten Lust auf ein Glas Wein. So gingen wir in ein
Fischrestaurant direkt am Fluss. Sehr schönes Lokal, mit Wahnsinnsblick auf dem
Fluss und dem Dom aber die Kleidung musste nachher gewaschen werden weil ich
den Gestank sonst nicht raus bekam. Auf dem Nachhauseweg folgten uns einige
Katzen, und Veeti, der Kater meiner finnischen Nachbarin sprang auf mich als
ich in den Flur trat.
Der
Kellner sieht mich und signalisiert dass er den Gästen bescheid gibt. Es kommen
vier Leute mittleren Alters, alle sehr gut angezogen und geben als Fahrziel das
Gärtnerplatztheater an. Kaum sind die Taxitüren zu, kann ich vor lauter
Fischgestank nicht mehr atmen. Die hätten die paar Meter ruhig zu Fuß gehen
können um 1. das Essen zu verdauen (laut einer neuen Studie die ich kürzlich
gelesen habe soll ein Verdauungsspaziergang gar nichts bringen) und 2. den
Gestank aus den Kleidern zumindest etwas raus zu bekommen. Mir tun die
Theaterbesucher leid die später um die vier sitzen werden.
Das
erinnert mich an letztes Jahr in Hull. Bill, ein Kumpel von mir arbeitete in
der Qualitätskontrolle einer Fischfabrik. Eines Tages traf ich ihn per Zufall
an der Bushaltestelle am Bahnhof wie er auf den Bus wartete. Da wir in
derselben Gegend wohnten fuhren wir gemeinsam. Wir stiegen in einen
Doppeldeckerbus ein und gingen nach ganz hinten. Erst da nahm ich den
intensiven Gestank war. Da wurde mir klar was er mal gemeint hat als er sagte:
»Glaub
mir, nach der Arbeit muss ich sofort unter die Dusche bevor ich was anderes
mache, weil ich mich nicht mal selber aushalten kann!«
»Oh
Boy!« würde Sophie dazu sagen. Und einer der lieblingsflüche von Saki ist: DU
DRECKERTE FISCHFOTZ, DU DRECKERTE!
Die
Fahrgäste die sich zu uns nach hinten trauten wechselten nach spätestens zwei
Stationen den Platz und gingen entweder nach vorne oder nach oben. Ich musste
die ganze Zeit lachen, Bill empfand es als peinlich.
Wir
kommen an und ich halte direkt vor der Treppe des Theaters. Sie zahlen, geben
kein Trinkgeld (haben wahrscheinlich alles im teuren Lokal ausgegeben),
verlangen aber eine Quittung. Quittung? Für die 4,70 Euro? Schade um die Tinte
und das Papier.
Saki
würde über diese Verschwendung schimpfen und denen was zuflüstern.
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