Sonntag, 13. April 2014

Teil 25



Zu meinem Glück ist der Stand leer und es läutet auch das Standplatztelefon. Ich halte schräg vor der Säule, hechte raus und erwische es gerade noch. Ein Herr mit italienischem Akzent bestellt mich zum Fischlokal am Mariahilfplatz. Seit wann bestellen die über die Säule? Die rufen doch immer die Zentrale an. Vielleicht sind die nicht durchgekommen oder es ist ein neuer Kellner den ich gerade an der Strippe hatte.
Direkt vorm Fischrestaurant ist eine Parklücke in die ich hinein fahre. Ich öffne die Tür und ein starker Fischgeruch weht mir entgegen. Es erinnert mich an einen Abend mit Michaela, meiner österreichischen Nachbarin in Uppsala. Wir gingen lange spazieren und hatten Lust auf ein Glas Wein. So gingen wir in ein Fischrestaurant direkt am Fluss. Sehr schönes Lokal, mit Wahnsinnsblick auf dem Fluss und dem Dom aber die Kleidung musste nachher gewaschen werden weil ich den Gestank sonst nicht raus bekam. Auf dem Nachhauseweg folgten uns einige Katzen, und Veeti, der Kater meiner finnischen Nachbarin sprang auf mich als ich in den Flur trat.
Der Kellner sieht mich und signalisiert dass er den Gästen bescheid gibt. Es kommen vier Leute mittleren Alters, alle sehr gut angezogen und geben als Fahrziel das Gärtnerplatztheater an. Kaum sind die Taxitüren zu, kann ich vor lauter Fischgestank nicht mehr atmen. Die hätten die paar Meter ruhig zu Fuß gehen können um 1. das Essen zu verdauen (laut einer neuen Studie die ich kürzlich gelesen habe soll ein Verdauungsspaziergang gar nichts bringen) und 2. den Gestank aus den Kleidern zumindest etwas raus zu bekommen. Mir tun die Theaterbesucher leid die später um die vier sitzen werden.
Das erinnert mich an letztes Jahr in Hull. Bill, ein Kumpel von mir arbeitete in der Qualitätskontrolle einer Fischfabrik. Eines Tages traf ich ihn per Zufall an der Bushaltestelle am Bahnhof wie er auf den Bus wartete. Da wir in derselben Gegend wohnten fuhren wir gemeinsam. Wir stiegen in einen Doppeldeckerbus ein und gingen nach ganz hinten. Erst da nahm ich den intensiven Gestank war. Da wurde mir klar was er mal gemeint hat als er sagte:
»Glaub mir, nach der Arbeit muss ich sofort unter die Dusche bevor ich was anderes mache, weil ich mich nicht mal selber aushalten kann!«
»Oh Boy!« würde Sophie dazu sagen. Und einer der lieblingsflüche von Saki ist: DU DRECKERTE FISCHFOTZ, DU DRECKERTE!
Die Fahrgäste die sich zu uns nach hinten trauten wechselten nach spätestens zwei Stationen den Platz und gingen entweder nach vorne oder nach oben. Ich musste die ganze Zeit lachen, Bill empfand es als peinlich.
Wir kommen an und ich halte direkt vor der Treppe des Theaters. Sie zahlen, geben kein Trinkgeld (haben wahrscheinlich alles im teuren Lokal ausgegeben), verlangen aber eine Quittung. Quittung? Für die 4,70 Euro? Schade um die Tinte und das Papier.
Saki würde über diese Verschwendung schimpfen und denen was zuflüstern.

Zu kaufen gibt es das Buch hier: (öffnet im neuen Fenster)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen