Sonntag, 13. April 2014

Teil 19



Als ich in die Weisenhaus rechts abbiegen möchte sehe ich wie jemand am Stand steht und das Schwammerl bimmelt. Da ich zu faul bin umzudrehen um in den Stand hinein zu fahren, bleibe ich gegenüber stehen und rufe durchs geöffnete Fenster:
»He! Warten’S auf a Taxi?«
»Ja!«
»Gingar’S her!«
Eine junge Frau kommt die Straße rüber gerannt und steigt auf der Beifahrerseite ein. Sie setzt sich rein, nimmt die Kapuze ihres Mantels runter, sieht mich an, lächelt und sagt:
»Mei, bist Du aber a jünger hübscher! Fahrst mi in die Pettenkofer?«
»Bist krank?« frage ich sie in Anspielung an die diversen Kliniken in der Straße und im Viertel.
»Ah geh! Meine Eltern wohnen dort. An der Paul-Heyse rechts, schräg gegenüber der Versicherungsgesellschaft.«
»Wennst die Tür zumachst fahr i Di gern!«
Sie schaut verlegen nach rechts und sieht dass die Beifahrertür immer noch offen steht. Sie schließt sie, dreht ihren süßen Kopf zu mir, lächelt mich an und fragt nach meinem Namen.
»I bin die Anna, Anna-Maria!« Sagt sie.
»A N N A, von vorne wie von hinten, Dein Name sei gesegnet, ich denk an Dich immer wenn es regnet…« flüstere ich die Zeilen eines Liedes.
»Ha?«
»Maria! Mutter Gottes. Grod richtig heit. Solltest Du nicht in den Wehen liegen und Dir vor schmerzen die Seele aus dem Leib schreien?«
Maria scheint es zu gefallen und lächelt noch verlegender als vorhin. Sie bewegt sich auf dem Sitz hin und her und schaut mich die ganze Zeit lächelnd an. Hebt ihren Arm und beginnt mit meiner Nikolausmütze, besser gesagt mit dem Zipfel der Mütze, zu spielen. Oh Gott! Denke ich. Die Mütze habe ich total vergessen und sie findet es bestimmt albern.
Ich drehe verlegen meinen Kopf in ihre Richtung, schaue in ihre nussbraunen Augen und sage:
»Du findest es bestimmt albern, oder? Deswegen lachst Du auch so die ganze Zeit!«
»Nein, nein! Ich wurde noch nie von einem so süßen Weihnachtsmann gefahren! Hast Du keine Freundin die zu hause auf Dich wartet?«
»Na leider ned!« Antworte ich seufzend und muss komischerweise an Ned Flanders denken.
Jetzt lächelt sie noch mehr und spielt weiter mit der Mütze. Dann sagt sie:
»Du hast es aber warm hier drin!« Sie schnallt sich ab und zieht langsam ihren Mantel aus. Das strahlt Sex aus! Mein Gedanke ist: Ist sie betrunken, auf Drogen oder Notgeil? Ich verkneife mir die Frage und sage nur: »Fühl Dich ganz wie zu hause! I ko aber a d’ Heizung runterdrehen wennst mogst.«
Sie schüttelt den Kopf und sagt: »Passt scho! Nicht dass Du dich erkältest…«
Komisches Früchtchen. Dass ich öfters angemacht werde ist normal. Dass ich nach meiner Telefonnummer gefragt werde auch. Aber die hier scheint richtig wild zu sein.
Dann fährt sie mit ihrer Hand ihr linkes Bein runter, hebt es und sagt: »Oh! Ich habe eine Laufmasche!«
Sie stellt beide Beine aufs Armaturenbrett, ich schaue gespannt zu und frage mich was das werden soll wenn’s fertig ist. Sie öffnet die Reißverschlüsse ihrer Stiefel, zieht beide aus, stellt sie auf dem Boden hin, fährt noch mal mit den Händen über ihre Beine, zieht sie zu sich an, dreht sich zu mir um und streckt mir ihr rechtes Bein entgegen und sagt: »Oh! Ich trage überhaupt keine Strumpfhose!«
Ehe ich mich versehe habe ich ihren Unterschenkel vor mein Gesicht und ich beiße geistesgegenwärtig zu. Sie zieht ihr Bein wieder zurück und sagt: »Schlimmer Junge! Jetzt musst Du für diese Tat bestraft werden!«
»Ha? Bist Du etwa eine Domina? Holst Du jetzt die Peitsche raus?«
Sie lehnt sich gegen die Beifahrertür und streichelt mir den rechten Arm mit dem Fuß, fährt rauf bis zum Ohr und wieder runter und legt ihr anderes Bein auf meinem Schoß. Ich streichle automatisch ihren Fuß und ihr Bein, schaue nach oben und denke: »Danke oh Herr! Danke vielmals für dieses schöne Geschenk! Ich weiß nicht, ob oder womit ich es verdient habe, aber danke, danke, danke!«
Als wir Paul-Heyse Ecke Landwehr sind befielt sie mir rechts Richtung Kirche zu fahren und dort zu parken. An einer dunklen Ecke finde ich eine Lücke und fahre rein. Kaum schalte ich den Motor aus kniet sie sich auf dem Beifahrersitz, zieht mich zu sich rüber und beginnt uns beide auszuziehen. Zuerst meinen Mantel, dann mein Sakko gefolgt von ihrer Bluse und Rock. Darunter verbergen sich schwarze Reizwäsche und ein Höschen das ihre Pobacken sanft umfasst. Sie greift zwischen meine Beine unterm Fahrersitz, zieht am Hebel und ich rutsche mit dem ganzen Sitz nach hinten. Dann steigt sie auf meinem Schoß und fängt an mich wild zu küssen. Ihre Hände wandern überall hin und es kribbelt unheimlich in mir. Auf einmal zieht sie ihren Oberkörper zurück, schaut mich an und fragt wie man die Rückenlehne runter machen kann. Dann kommt mir ein Gedanke wie ein Blitz ins Hirn geschossen:
»Mist! Die Reklame!«
»Welche Reklame?«
»Das Taxischild auf dem Dach!«
»Was ist damit?«
»Es muss runter!«
»Warum? Kann es nicht warten?«
»Toni, mein Lehrer in der Taxischule, sagte, dass man auf gar keinen Fall Sex mit dem Taxischild auf dem Dach haben darf. Ein Taxi ist ein öffentliches Verkehrsmittel und man kann wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses angezeigt werden. Deswegen muss das Ding runter.«
Ich hebe sie mit meinen starken und durchtrainierten Armen und setze sie auf dem Beifahrersitz. Richte mich auf, öffne die Tür, nehme das Dachschild runter, werfe es auf dem Rücksitz und schließe wieder die Tür.
»So jetzt sind wir kein öffentliches Verkehrsmittel mehr und können fortfahren!«
»Mei diese Bürokratie!« seufzt sie mit einem ironischen Unterton.
Sie setzt sich wieder auf mich, beginnt mich sofort zu küssen, streichelt mich und ich spüre ihre Hände überall auf meinem Körper. Ich fasse sie am Po und wandere langsam ihren Rücken hoch, greife mit der einen Hand in ihre Haare und mit der anderen an ihre Pobacken und wandere runter zu den Beinen. Sie öffnet mir das Hemd und streichelt und küsst meinen Oberkörper, dann öffnet sie den Gürtel und zieht mir die Hose aus. Ich öffne ihren BH und es kommen zwei liebliche Brüste zum Vorschein. Ihre Brustwarzen sind hart und scheinen wie Knospen einer Blume im Frühjahr zu sein, kurz davor aufzusprießen. Sie packt meinen Kopf und zieht ihn zu sich zu ihrer Brust. Dann lehnt sie sich gegen das Lenkrad, zieht ihre Beine nach vorne zu mir, setzt sich auf meine Schenkel, nimmt meine Hände und führt sie zu ihren Höschen. Mit einem hocherotischen Blick scheint sie mir sagen wollen, dass ich ihr das Höschen ausziehen soll. Genau das mache ich auch. Langsam streife ich es runter und enthülle eine komplett rasierte Vulva. Ich hebe ihre Beine und liebkose sie zart, arbeite mich vor zum Epizentrum ihres Körpers und versenke meinen Kopf tief zwischen ihre Beine. Sie stöhnt vor Leidenschaft und kratzt mich am Rücken. Ich sauge immer mehr und immer heftiger, wobei sie mich immer mehr kratzt und anfängt mit dem Kopf zu wirbeln und sie stöhnt dabei immer lauter und in immer kürzeren Abständen. Dann wirft sie mich zurück, schaut mich für einen Moment an, fährt mit ihren Füßen über meinen Oberkörper und mein Gesicht, lächelt lasziv, ihre Zehen spielen mit meinen Lippen und sie möchte dass ich ihr die Fußsohlen liebkose. Dann legt sie sich auf mich und ihre rechte Hand wandert in Richtung Becken. Sie zieht mir die Boxershorts aus, schaut auf meinem prallen Zauberstab, streichelt ihn, nimmt ihn in den Mund, richtet sich dann auf, nimmt ein Kondom aus ihrer Tasche, stülpt es über und führt meine Wünschelrute in sich hinein. Ich drehe die Musik etwas lauter. Aus dem Radio ertönt Bon Jovis ‚These Days’.
»Dreh lauter!« sagt sie, »ich liebe Bon Jovi!«
»Living in sin würde jetzt besser zur Situation passen!« sage ich.
»Warum?«
»Ja, ist es keine Sünde vorm Gotteshaus Geschlechtsverkehr in einem Taxi zu praktizieren?«
Sie lächelt und bewegt sich im Rhythmus der Musik.

“These days – the stars are out of reach
These days – there ain’t a ladder on these streets
These days – are fast, love don’t last in this graceless age
There ain’t nobody left but us these days”

Leise summt sie die Melodie mit. Summt sie wirklich oder ist es Einbildung? Mehrere Gedanken schießen mir durch den Kopf. Obwohl ich es sehr genieße, habe ich Zweifel und Schuldgefühle Sophie gegenüber. Kann man, darf man oder sollte man Schuldgefühle haben? Sind es Warnvorstellungen? Visionen? Visionen wie sie Jesus in der Wüste hatte? Oder wie sie Jim Morrison und seine Bandkollegen von der Gruppe The Doors in der Wüste hatten als sie zu viel Meskalin konsumierten? Jim sah seinen Vater, seine Kindheit, Tote, Verletzte, eine Eidechse, eine Schlange und schrieb danach das apokalyptische Meisterwerk The End.

“This is the end
Beautiful friend
This is the end
My only friend, the end

I’ll never look into your eyes...again”

Werde ich vom Teufel auf die Probe gestellt?

“Can you picture what will be
So limitless and free…”

Was passiert hier eigentlich? Wo bin ich? Wer ist Maria? Wer hat sie geschickt? Gott? Der Teufel? Was macht sie hier? Will sie dass ich sündige? Ist sie der Apfel in dem ich reinbeiße? Werde ich des Paradieses verwiesen? Komme ich dafür in die Hölle? Wenn ja, wie schaut sie aus? Heiß, rot und feurig wie sie öfters im Fernsehen zu sehen ist, oder wie Saki meint, ein kalter und einsamer Ort an den man aus Langeweile stirbt? Ist es Zufall dass wir es vorm Gotteshaus treiben oder Provokation? Soll ich mich gehen lassen und es genießen? Oder doch „Stopp!“ sagen und sie raus schmeißen?

“There’s danger on the edge of town
Ride the kings highway, baby
Weird scenes inside the gold mine
Ride the highway west, baby”

Ich bin nicht mehr Herr der Lage, ich lasse alles geschehen.

“Father, yes son, I want to kill you
Mother...I want to...fuck you!”

Soll es wirklich geschehen oder sollte ich doch eher nein sagen und Maria in die Wüste schicken? Ist Maria eine Abgesandte Maria Magdalenas? Eine Hure? Eine listige die mich vom rechten Weg abbringen möchte? Ist Maria womöglich eine Versuchung der ich widerstehen sollte?

“It hurts to set you free
But you’ll never follow me
The end of laughter and soft lies
The end of nights we tried to die

This is the end!”


Sophie hat mich vor ein paar Wochen verlassen und seitdem habe ich nichts mehr von ihr gehört. Kommen die Schuldgefühle daher dass sie mir unendlich fehlt? Ist sie noch am überlegen ob sie die richtige Entscheidung getroffen hat? Gibt es eine Fortsetzung der Beziehung?
Ich schließe die Augen, lasse Maria machen und vertiefe mich in ihr Schnaufen und Stöhnen und Bon Jovis Gesang und Musik. Alles um mich herum scheint weit entfernt und belanglos zu sein. Die Kälte draußen scheint fortgespült, weggeweht. Eine Harmonie, ein Einklang mit der Situation, der Musik und mir selbst. Und Maria auf mir die alles gibt.
Danke Oh Herr! Danke für dieses wunderbare Weihnachtsgeschenk! Womit habe ich das verdient?
Maria zappelt und bewegt sich schneller und schneller. Immer heftiger werden ihre Bewegungen und ihr stöhnen. Schweiß perlt ihren sanften Körper herunter. Ich fasse sie an ihren süßen Hintern und führe sie. Sie nimmt mir die Nikolausmütze vom Kopf und wirft sie nach hinten. Greift in meine Haare, bringt sie durcheinander und bewegt sich mit starken heftigen Bewegungen zu You could be mine von Guns’n’Roses. Sie flüstert etwas was ich nicht verstehe und während ich meine Augen öffne und die beschlagenen Fenster sehe komme ich mir vor wie Leonardo DiCaprio der es mit Kate Winslet in einem Auto in der Garage der ‚Titanic’ treibt. Kaum ist das Lied zu ende, kommen auch wir dem Ende entgegen.
Ich fühle mich wie der „Lizard King, who can do anything“. Bin ich vielleicht einer? Jedenfalls fühle ich mich stark, königlich, frei, phantastisch! Meine Gefühle fahren Achterbahn. Ich weiß gar nicht mehr wie ich mich fühlen soll. Soll ich weinen oder lachen? Soll ich trauern oder jubeln?
Maria legt sich schlaff auf mich, legt ihren Kopf seitlich auf meinem Arm, küsst mich auf die Wange, winkelt ihre Beine an und schließt die Augen. Ich streichle ihr die Haare und fahre mit der Hand über ihren schweißgebadeten Körper. Vom Hals über die Schultern, die Brust, das Becken, den Po, die Oberschenkel bis zu den Füßen. Wie ein Baby liegt sie friedlich auf mir und sagt nichts. Ich beschnuppere den Duft ihrer Haut, die Mischung aus Parfum und Schweiß ist aufreizend, aufregend, aufgeilend. Wenn es draußen nicht schneien würde, würde ich denken wir wären jetzt in irgendeinen Bungalow in Südostasien und machten Urlaub zu zweit. Weit weg von allen Sorgen, weit weg von den Freunden, den Verwandten, der Arbeit. Nur wir beide, Maria und ich, sonst keiner. Keiner der diesen Frieden stören könnte.
In diesem Moment erklingen zarte Indische Töne und die weiche Stimme von Verenice aus dem Radio, die mich und meine Gedanken auf die Reise schicken. Eine Reise ins Ungewisse, raus in die weite Welt hinaus. Eine Reise ohne Wiederkehr. Eine Reise in die Hoffnung und Wünsche.

“I know your heart, it smells like flowers
I breathed your breath, now it is ours”


Wie sehr wäre ich jetzt am anderen Ende der Welt! 

“I’ve been fooled by a restless shadow
that has taken the shape of you….. Jaanu”

 

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